Fußball
Zé Robertos trauriges Saison-Finale

Mit 42 Jahren wird Zé Roberto erstmals Fußballmeister in Brasilien. Vorzeitig. Durch einen Sieg gegen Chapecoense. Dann stirbt fast das ganze Team von «Chape» bei einem Flugzeugabsturz. Und Zé Roberto verliert einen Freund. Trauriger könnte die Saison nicht enden.

Freitag, 09.12.2016, 08:10 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.12.2016, 08:06 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.12.2016, 08:10 Uhr
Zé Roberto hat bei dem Flugzeugabsturz einen Freund verloren.
Zé Roberto hat bei dem Flugzeugabsturz einen Freund verloren. Foto: Georg Ismar

Chapecó (dpa) - Statt die Meisterschaft mit Palmeiras zu feiern, ist Zé Roberto zu einer Beerdigung gefahren.

Vor zwei Wochen umarmte er freudig als letzten Spieler Matheus Biteco . Zé Robertos Club hatte gerade in São Paulo Chapecoense mit 1:0 geschlagen und sicherte sich damit erstmals seit 22 Jahren wieder die Meisterschaft in Brasilien .

Beide spielten 2013 bis 2014 zusammen bei Grêmio Porto Alegre und wurden Freunde, der langjährige Bayern-München-Spieler Zé Roberto ist mit 42 doppelt so alt wie Matheus Biteco. Er wurde nur 21 Jahre alt. Einen Tag nach der Umarmung war Matheus Biteco tot. Abgestürzt mit seinem Team Chapecoense in Kolumbien , auf dem Flug zum Finalhinspiel um die Copa Sudamericana gegen Atléctico Nacional Medellin. Wegen Treibstoffmangels, der Chef der Airline LaMia wurde festgenommen.

So reiste Zé Roberto nach Porto Alegro, um ganz in schwarz Biteco in seiner Heimat die letzte Ehre zu erweisen. Er klatscht auf dem Friedhof Jardim da Paz («Garten des Friedens») wie so viele Beifall, als der Sarg vorbei getragen wird, er umarmt die Ehefrau, so jung schon Witwe, die Eltern, Bruder Guilherme, ebenfalls Profifußballer. Biteco hinterlässt auch einen vier Monate alten Sohn. Von Januar bis Juni 2016 war er für ein halbes Jahr bei 1899 Hoffenheim in der Bundesliga auf Leihbasis unter Vertrag, kam aber nicht zum Einsatz.

Nun findet am 11. Dezember der letze Spieltag statt, wegen des Unglücks ist er um eine Woche verschoben worden. Chapecoense, vor ein paar Jahren noch in der vierten Liga, müsste zu Hause in der Arena Condá im südbrasilianischen Chapecó gegen Atlético Mineiro aus Belo Horizonte spielen. Dort, wo sie am vergangenen Samstag dutzende Särge mit den Leichen von Spielern, Trainern und Betreuern auf das Spielfeld getragen haben, um bei strömendem Regen Abschied zu nehmen von dem Team. Es war auf dem Weg zum bisher größten Spiel ihres 1973 gegründeten Clubs. 71 Menschen starben, auch 20 Journalisten, die «Chape» begleiteten. Nach 5000 Clubmitgliedern vor der Tragödie sind es nun über 24 000, zudem gibt es rund 50 000 weitere Anträge.

Das Spiel wird nicht stattfinden. Brasiliens Fußballverband wollte zunächst, dass die Begegnung stattfindet. Club-Vizepräsident Ivan Tozzo sagte, Verbandschef Marco Polo Del Nero habe ihn darum gebeten, dass man antritt. «Er hat mir gesagt, diese Partie muss gespielt werden, das wird ein großes Fest», sagte Tozzo. Er antwortete dem Verbandsboss: «Wir haben keine elf Spieler.» Offiziell ist das Spiel nicht abgesagt und taucht auf der Verbandsseite weiter auf - weil das Reglement eine solche Absage nicht vorsehe. Laut Tozzo ist nun eine Option, dass nur die drei Schiedsrichter erscheinen und feststellen, dass beide Mannschaften dort nicht erschienen sind.

Der Club aus der Provinz erfährt eine riesige Welle der Anteilnahme, vom südamerikanischen Fußballverband (Conmebol) wurde Chapecoense der diesjährige Titel der Copa Sudamericana zugesprochen. Das ist nach der Copa Libertadores, eine Art südamerikanische Champions League, der zweitwichtigste internationale Titel des Kontinents. Zudem erhält der Club zwei Millionen Dollar Preisgeld. Und der FC Barcelona hat Chapecoense zu einem Freundschaftsspiel eingeladen. Die Partie soll im August im Camp Nou im Rahmen des Joan-Gamper-Turniers stattfinden, einem hochkarätig besetzten Turnier zu Ehren des Vereinsgründers.

Wie es weitergeht bei dem Club, ist unklar. Allerlei Namen von Fußballspielern, die «Chape» helfen könnten, kursieren in sozialen Netzwerken. Von Ronaldinho - bis Zé Roberto. Der hatte im März der dpa in einen Interview gesagt: «Ich habe noch einen Vertrag bis Ende des Jahres. Danach werde ich meine Karriere beenden.» Er hat einen deutschen Pass und kann sich mit seiner Familie eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen. Auch wegen der Sicherheitslage in Brasilien.

Erstmals hat er nun - mit 42 Jahren - die Meisterschaft in Brasilien gewonnen. Nach dem Sieg zum vorzeitigen Titelgewinn sagte Zé Roberto dann aber plötzlich: «Es ist jetzt nicht der Moment, um über das Ende der Karriere zu sprechen.» Schließlich lockt nun 2017 die Copa Libertadores. Das letzte Palmeiras-Spiel findet bei EC Vitoria statt.

Er ist immer noch topfit, ist meist immer länger im Kraftraum als die anderen. Er sagte nach dem Spiel gegen Chapecoense, er werde das Thema Karriereende oder nicht in den nächsten Tagen in Ruhe mit seiner Familie besprechen und bald eine Entscheidung verkünden. Dann stürzte das «Chape»-Flugzeug in Kolumbien ab. Und Zé Roberto musste zur Beerdigung seines früheren Mitspielers Matheus Biteco fahren.

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