Prominente Trainerwechsel
Barca und Juve: Mit alten Helden Koeman und Pirlo zu Titeln

Pep Guardiola und Zinedine Zidane haben es vorgemacht, Frank Lampard und Ole Gunnar Solskjaer versuchen es aktuell. Mit frischen Ideen sollen die Helden der Vergangenheit ihren Clubs als Trainer neues Leben einhauchen. Nun dürfen sich Koeman und Pirlo versuchen.

Dienstag, 08.09.2020, 11:39 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 11:42 Uhr
Soll den FC Barcelona zurück in die Erfolgssour führen: Neu-Coach Ronald Koeman.
Soll den FC Barcelona zurück in die Erfolgssour führen: Neu-Coach Ronald Koeman. Foto: Joan Monfort

Barcelona (dpa) - Ronald Koeman war kaum eine Woche im Amt, da hatte der neue Trainer des FC Barcelona schon ein gewaltiges Beben ausgelöst.

Superstar Lionel Messi wollte den Club sofort verlassen. Neben der sportlichen Stagnation soll das Abschaffen der Privilegien durch den Niederländer ein Auslöser gewesen sein. Messi blieb nach einem zehntägigen Theater, doch Koeman dürfte nun nicht gänzlich frei von Last in die für Barca in zweieinhalb Wochen startende Saison der La Liga gehen.

Dabei ist der Held von Wembley, der den Club 1992 zum ersten Titel in der Champions League geschossen hatte, zum Aufräumen geholt worden. Nach den gescheiterten Experimenten mit Ernesto Valverde und Quique Setien soll Koeman die Katalanen als Idol mit Stallgeruch wieder zu neuen Höhen führen. So wie es einst Pep Guardiola gelungen war. «Für mich ist ein Traum wahr geworden. Barca ist mein Zuhause», sagte Koeman bei seinem Amtsantritt.

Damit folgt Barca einem neu entflammten Trend bei Europas Topclubs, verdienten Spielern an der Seitenlinie das Vertrauen zu schenken. Zinedine Zidane gewann mit Real Madrid dreimal die Champions League, Frank Lampard baut beim FC Chelsea gerade ein neues Projekt um die Nationalspieler Kai Havertz und Timo Werner auf, bei Manchester United ist Ole Gunnar Solskjaer die zweitbeste Liga-Platzierung seit sechs Jahren gelungen. Frisch im Amt ist auch Andrea Pirlo, der bei Juventus Turin sogar als Trainer-Novize loslegen darf.

Der 57 Jahre alte Koeman kann bei seinem Wiederbelebungsversuch von Barca zumindest für ein Jahr auf Messi zurückgreifen. «Ein neuer Trainer ist da, er hat neue Ideen», sagte der Argentinier und schob skeptisch hinterher: «Wir werden sehen müssen, wie das Team es annimmt und ob wir damit auf höchstem Level wettbewerbsfähig sind.»

Um die Kabine für sich zu gewinnen, holt Koeman Vertraute. Memphis Depay soll aus Lyon kommen, Georginio Wijnaldum vom FC Liverpool. Dazu hat in Frenkie de Jong ein Landsmann des Trainers längst die Kontrolle im Mittelfeld des spanischen Topclubs übernommen. Und Messis Einfluss dürfte neben dem verlorenen Machtkampf auch unter dem Abgang von Stürmer Luis Suarez leiden.

Viel Kredit hat Koeman offenbar dennoch nicht. Beständig halten sich Gerüchte, dass der Europameister von 1988 trotz seines Zweijahresvertrags nur ein Platzhalter sei. Club-Legende Xavi, derzeit Trainer in Katar, soll sich schon darauf vorbereiten, im Sommer 2021 in die katalanische Metropole zurückzukehren.

Im Vergleich zu Koeman hat Pirlo bisher ein vergleichsweise ruhiges Leben. Dabei hat der Kenner von edlem Zwirn und noch edleren Weinen in Turin eine mindestens ebenso schwere Aufgabe. Denn erfolgreich ist Juve bereits, unter Pirlo sollen dem Spiel der «alten Dame» Schönheit und Souveränität hinzugefügt werden - und möglichst die Champions League gewonnen werden.

Dafür setzt Pirlo auf Spieler, mit denen er selbst noch auf dem Platz gestanden hat. Weltstar Cristiano Ronaldo ist 35, die nur noch selten zum Einsatz kommende Torwart-Legende Gianluigi Buffon mit 42 Jahren gar ein Jahr älter als Pirlo selbst. Und Ronaldos neuer Sturmpartner soll ausgerechnet der von Koeman aussortierte Luis Suarez werden, immerhin 33 Jahre alt.

Bemerkenswert bleibt, dass Pirlos Plan eigentlich ein anderer war. Der Weltmeister von 2006 übernahm am 30. Juli die U23 von Juventus und betonte, wie sehr er sich eine ähnliche Reise wie die von Guardiola in Barcelona oder Zidane in Madrid wünsche. «Man muss es sich verdienen, man braucht Erfahrung», sagte Pirlo.

Gut eine Woche später war aus der langen Selbstfindungsreise ein Kurztrip geworden und Pirlo stieg als Nachfolger des entlassenen Meister-Trainers Maurizio Sarri zu den Profis auf. Ein Wagnis, dass nach Ansicht früherer Mitspieler durchaus gut ausgehen könnte. So meinte Alessandro Del Piero: «Er hat alle Fähigkeiten, es sogar noch besser zu machen als Zinedine Zidane.»

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