Premier League
«Historische Demütigung»: Liverpools 2:7 ein Ausrutscher?

Der englische Fußballmeister Liverpool kassiert in der Premier League eine historische Niederlage. Nach sieben Gegentoren für sein Team ist Trainer Jürgen Klopp ratlos. Nach der Länderspielpause steht das Lokalderby beim ungeschlagenen Tabellenführer Everton an.

Montag, 05.10.2020, 12:01 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 12:14 Uhr
Jürgen Klopp, Trainer von FC Liverpool, gratuliert Ollie Watkins von Aston Villa.
Jürgen Klopp, Trainer von FC Liverpool, gratuliert Ollie Watkins von Aston Villa. Foto: Rui Vieira

Birmingham (dpa) - Nach der heftigsten Niederlage des FC Liverpool während seiner fast fünfjährigen Amtszeit suchte Jürgen Klopp gar nicht erst nach Entschuldigungen.

«Nichts, was ich heute Abend sagen könnte, würde das Ergebnis besser machen», sagte der Meistertrainer nach dem krassen 2:7 (1:4) bei Aston Villa. Dabei wirkte er etwas ratlos, aber einigermaßen gelassen. «Warum sollte ich jetzt völlig wütend sein oder sowas in der Richtung?»

Vielleicht, weil sein Team als erster englischer Fußballmeister seit fast 70 Jahren sieben Gegentore in einem Ligaspiel kassierte. Das letzte Mal widerfuhr das dem FC Arsenal im September 1953 gegen Sunderland. Oder weil es über 50 Jahre her ist, dass Liverpool sieben Gegentore in einem Spiel kassierte: Im April 1963 unterlag Bill Shanklys Mannschaft mit 2:7 bei Tottenham Hotspur.

Verblüffte Reaktionen überall: «Was auf der Welt ist mit Liverpool passiert?», wunderte sich die Zeitung «Guardian». «Peinlich. Demütigend. Ungeschickt. Witzlos. Schwach. Elend.», resümierte das «Liverpool Echo» schockiert. Der «Independent» nannte es eine «historische Demütigung».

Villa-Stürmer Ollie Watkins, vorige Saison noch für den FC Brentford in der 2. Liga auf Torejagd, war mit seinem Dreierpack in der ersten Halbzeit (4./22./39. Minute) der Mann des Abends. Villa-Kapitän Jack Grealish leistete die Vorarbeit zu drei Treffern und schoss zwei Tore (66./75.) selbst. Auch John McGinn (35.) und Ross Barkley (55.) trafen für die furios aufspielenden Gastgeber. «Sie haben sich die drei Punkte massiv verdient», fand der geschlagene Klopp, der teils mit offenem Mund am Spielfeldrand gestanden hatte.

Torwart Adrian, der für den verletzten Keeper Alisson im Tor stand, hatte die Niederlage mit seinem Patzer eingeleitet, als er Grealish den Ball fast vor den Fuß spielte. Klopp aber nahm seinen Torhüter in Schutz. «Ja, das erste Gegentor war nicht cool», gab er zu, «aber ich glaube nicht, dass Adrian mit all den anderen Treffern etwas zu tun hatte. Wir haben ihm nicht geholfen, oder besser gesagt: Wir haben das Gegenteil gemacht. Unser Torwart war heute nicht das Problem.»

Sein Team hätte den Faden verloren, die Körpersprache habe nicht gestimmt. «Wir haben jeglichen Müll und alle Fehler in ein Spiel gepackt», sagte der 53-Jährige, «das war nicht schlampig, das war einfach nur schlecht. Das muss ich zugeben, aber ich kann es jetzt nicht mehr ändern.» Ob es sich bei der sensationellen Pleite um einen Ausrutscher gehandelt habe? «Ich glaube schon. Ich hoffe es.»

Neben den Fans von Aston Villa freuten sich auch die Anhänger von Liverpools Erzfeind Manchester United über das 2:7. Die United-Fans hatten die Aufmunterung bitter nötig. Der englische Rekordmeister hatte kurz vorher zuhause mit 1:6 (1:4) gegen Tottenham Hotspur verloren - im Gegensatz zu Liverpool allerdings in Unterzahl.

Klopp konnte der Blamage seiner Reds immerhin einen positiven Aspekt abgewinnen. «Die einzig gute Nachricht nach dem Spiel ist, dass niemand verletzt wurde», witzelte er. «Hoffentlich kommen alle gesund (aus der Länderspielpause) zurück - dann haben wir zwei Tage Zeit, um uns auf das Everton-Spiel vorzubereiten und es besser zu machen.»

Mit einem Derbysieg beim Lokalrivalen Everton, der nach vier Siegen aus vier Spielen englischer Tabellenführer ist, wäre das Debakel von Birmingham wohl vorerst abgehakt. Vergessen wird man die historische 2:7-Packung allerdings noch lange nicht.

© dpa-infocom, dpa:201005-99-826216/4

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