Ex-Regierungschef
Berlusconi will mit Monza zurück in die Serie A

Trotz Skandalen, Krankheiten und Kämpfen mit der Justiz: Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi ist immer noch da. Nun plant der 84-Jährige sein Comeback in Italiens erster Fußball-Liga.

Montag, 05.10.2020, 10:52 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 12:14 Uhr
Silvio Berlusconi will mit dem AC Monza zurück in die Serie A.
Silvio Berlusconi will mit dem AC Monza zurück in die Serie A. Foto: Matteo Bazzi

Rom (dpa) - Das Schicksal war Silvio Berlusconi in den vergangenen Jahren nicht besonders freundlich gesinnt.

In der italienischen Politik hat der ehemalige Regierungschef an Bedeutung verloren, und auch gesundheitlich kämpft der 84-Jährige immer wieder mit Problemen. Im September infizierte er sich mit dem Coronavirus und wurde zehn Tage lang im Krankenhaus behandelt. Doch nun plant der Milliardär und Medienmogul seinen nächsten Coup - und zwar auf dem Fußballplatz.

Vor zwei Jahren kaufte Berlusconi den Drittligisten AC Monza, der im Sommer in die Serie B aufstieg. Nun strebt der Club erstmals in seiner 108-jährigen Geschichte den Sprung in die Serie A, Italiens höchste Fußball-Liga, an. Trotz des mittelmäßigen Saisonstarts mit zwei Punkten aus zwei Spielen scheint das möglich. Helfen soll dabei auch Ex-Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng, der bereits unter Berlusconi beim AC Mailand spielte und im Sommer nach Monza kam.

Für Berlusconi zu spielen, gebe den Spielern eine enorme Energie, sagte Monza-Sportdirektor Filippo Antonelli der Deutschen Presse-Agentur, denn dieser habe bereits mit dem AC Mailand «alles gewonnen». Unter Berlusconi holten die Rossoneri zwischen 1986 und 2011 achtmal die italienische Meistertitel und fünfmal die Champions League. Sechs Jahre später verkaufte der Milliardär den Verein an chinesische Investoren. Er könne finanziell nicht länger mit rivalisierenden Clubs mithalten, lautete seine Begründung damals.

In Monza, einer Stadt nur 20 Kilometer nordöstlich von Mailand, wagte Berlusconi einen Neustart mit einem passenderen Budget und der Hilfe eines alten Freundes, Adriano Galliani. Der 76-Jährige war zu Berlusconis Zeiten Vorstandsvorsitzender des AC Mailand und besetzt dieselbe Position in Monza, seinem Heimatverein. Er habe Berlusconi letztendlich überzeugt, in den Club zu investieren, sagte Antonelli.

Während nun das Tagesgeschäft des Vereins in den Händen von Galliani liegt, konzentriert Berlusconi seinen Einfluss unter anderem auf die Umkleidekabine der Spieler. «Wenn du daran glaubst, kämpfst du», hat er dort den Leitsatz für die neue Saison verewigt, «wenn du daran glaubst, gewinnst du.»

Der für seine Eitelkeit bekannte 84-Jährige hat außerdem genaue Vorstellungen davon, wie seine Mannschaft aussehen soll, wie er 2018 in einer Pressekonferenz verriet. Die Spieler sollten nicht nur ausschließlich Italiener sein, sondern auch ordentliche Frisuren, keinen Bart, keine Ohrringe und «absolut keine Tattoos» tragen. Doch durchsetzen konnte der mehrfach kosmetisch operierte Berlusconi diese Regeln bislang nicht. Trainer Cristian Brocchi, der früher beim AC Mailand spielte, ist tätowiert, ebenso einige Spieler. Und in Boateng hat der Verein einen gebürtigen Berliner unter Vertrag genommen.

Trotzdem: Berlusconi ist «verliebt» in seine Mannschaft, wie er der Zeitung «Il Cittadino» aus Monza sagte. Auch der Slogan des Clubs verspricht eine Liebesgeschichte: «Sarà romantico» - es wird romantisch. Für Berlusconi gehören zu dieser Beziehung regelmäßiges Entertainment, das neben Lob und Ratschlägen für seine Spieler auch Anekdoten aus seinem Sexleben umfasst, wie ein Video eines gemeinsamen Abendessens zeigte.

Doch neben dem exzentrischen Eigentümer glauben auch andere an den Erfolg des AC Monza. «Auf dem Papier haben sie alles, was sie für eine großartige Saison brauchen», sagte der Journalist Daniele Barone der dpa. Ob der Verein wirklich bereit für die Serie A ist, muss sich noch zeigen. Anfang September besiegte Berlusconis alter Verein AC Mailand Monza bei einem Freundschaftsspiel mit 4:1.

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