EM-Qualifikation
Löw fordert Platz eins vor Holland

Der letzte Kraftakt heißt Nordirland. Joachim Löw will ein kompliziertes Jahr positiv zu Ende bringen. Der Gruppensieg vor dem ewigen Rivalen Niederlande wäre ein starkes Signal vor der EM 2020. Fan-Debatten oder Los-Regeln interessieren den Bundestrainer nicht.

Montag, 18.11.2019, 15:35 Uhr aktualisiert: 18.11.2019, 15:38 Uhr
Joachim Löw (r) bereitet das DFB-Team auf das Spiel gegen Nordirland vor.
Joachim Löw (r) bereitet das DFB-Team auf das Spiel gegen Nordirland vor. Foto: Uwe Anspach

Frankfurt/Main (dpa) - Nordirland schlagen, Oranje distanzieren und als Gruppenerster mit großer Energie ins EM-Jahr 2020 starten: Joachim Löw spürt trotz des Zuschauerschwunds keinen Liebesentzug durch die Fans.

Für einen positiven Abschluss des schwierigen Umbruchjahres zählt für den Bundestrainer nur ein Sieg. «Wir wollen das nächste Spiel gewinnen, wir wollen die Gruppe vor Holland abschließen, das wäre schön. Wir können aus diesem Spiel etwas mitnehmen, wir können uns entwickeln», sagte Löw vor dem Abschluss der Fußball-Nationalmannschaft in der geglückten EM-Qualifikation am Dienstag (20.45 Uhr/RTL) in Frankfurt gegen die unbequemen Nordiren.

Die drohende komplizierte Los-Prozedur für die EM-Endrunde oder die heiß diskutierten leeren Stadionränge interessieren Löw nicht. «Wir haben schon 2009 darüber geredet und 2013, da gab es genau die gleichen Themen. Das zieht wieder an, wenn ein Turnier ist im nächsten Sommer.» Dann werde «ganz Deutschland wieder hinter der Mannschaft stehen», sagte Löw der Deutschen Presse-Agentur zu der Debatte um eine wachsende Entfremdung zwischen Team und Anhängern. Gegen Nordirland rechnet der DFB mit 40.000 Zuschauern und somit mit einem gut gefüllten Stadion.

Löw will sich ganz auf die Entwicklung seines jungen Teams konzentrieren. Auch gegen Nordirland gilt es für ihn, den richtigen Personalmix zu finden. Einspielen und testen zugleich, lautet die Maxime des 59-Jährigen, der einige, aber nicht zu viele Wechsel im Vergleich zum 4:0 gegen Weißrussland am Samstag ankündigte. «Ich möchte den einen oder anderen Spieler nochmal sehen», sagte Löw. Im Tor wird wie geplant Herausforderer Marc-André ter Stegen stehen. Die Kapitänsbinde von Manuel Neuer dürfte also Toni Kroos übernehmen.

«Es ist klar, dass wir gewinnen wollen, das ist nicht überraschend. Die Chance, Erster zu werden, ist ein kleiner Tick Motivation extra», sagte der Real-Profi vor seinem 96. Länderspiel, mit dem er in der DFB-Bilanz Karl-Heinz Rummenigge und Sepp Maier überholen wird.

Als linker Verteidiger will Löw den Kölner Jonas Hector nach fast genau einem Jahr wieder eine Bewährungschance geben. Wer neben Matthias Ginter in der Mitte verteidigen soll, ließ Löw offen. Die gegen die Briten von Löw geforderte Kopfballstärke würde der zuletzt angeschlagene Jonathan Tah mitbringen. In der Schaltzentrale sollen wieder Kroos, Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan gemeinsam agieren.

Während für die Nationalspieler nach dem Nordirland-Spiel bis zum von Löw bestätigten März-Duell in Madrid gegen Spanien Länderspielpause ist, reist der Bundestrainer noch zur EM-Gruppenauslosung am 30. November nach Bukarest. Alle Eventualitäten über möglicherweise starke Gegner und die Konstellationen in Topf 1 oder 2 blendete der Bundestrainer aber noch aus. «Wir saßen heute Morgen zusammen und haben die Geschichte auseinander genommen», berichtete Löw.

Tatsächlich könnten der DFB-Elf nach einem Sieg gegen Nordirland und dem damit verbundenen Sprung in Topf 1 frühe Turnierduelle mit Kalibern wie Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal drohen. Als Team in Topf 2 wäre weiterhin die schwächer eingeschätzte Ukraine ein designierter Kontrahent. «Es ist nicht so einfach das Verfahren, aber es ist mir eigentlich Wurst», meinte Löw.

Team-Building ist für ihn weiter eine wichtige Komponente. Erfreut erzählte der Bundestrainer vom Mannschaftsabend in der Frankfurter Villa Kennedy, zu der auch die verletzt fehlenden oder noch um Spielpraxis bemühten Antonio Rüdiger, Julian Draxler, Thilo Kehrer und Kevin Trapp gekommen waren. Wegen Reha-Terminen nicht dabei waren die am Kreuzband operierten Niklas Süle und Leroy Sané.

Angesichts der vielen Ausfälle und der verpassten Chance, den erhofften Umbruch personell konstant vorantreiben zu können, zollte Löw seinem Team Respekt. «Ich möchte der Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen, weil die Qualifikation über allem steht. Das hat die junge Mannschaft mit vielen jungen Spielern, die erst am Anfang der Entwicklung steht, geschafft», sagte Löw. Nach den Ausfällen von Niklas Süle und Leroy Sané habe es sogar noch einmal einen «Umbruch im Umbruch» gegeben.

Die Aussicht auf das EM-Jahr sieht Löw daher dezent optimistisch. «Ich wache nachts nicht auf und denke an die EURO. Das ist noch zu früh. Ich sehe eine willige, ehrgeizige Mannschaft», sagte er. Führungsspieler Kroos zog ein realistisches Jahresfazit und antwortete auf die Frage nach einer Schulnote: «Zwischen 2 und 3, weil es auch nichts Besonderes ist, dass wir uns qualifiziert haben.»

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: ter Stegen (FC Barcelona/27 Jahre/23 Länderspiele), - Klostermann (RB Leipzig/23/7), Ginter (Borussia Mönchengladbach/ 25/29), Tah (Bayer Leverkusen/23/8), Hector (1. FC Köln/29/42) - Gündogan (Manchester City/29/36), Kimmich (Bayern München/24/47), Kroos (Real Madrid/29/95) - Brandt (Borussia Dortmund/23/30), Gnabry (Bayern München/24/12), Werner (RB Leipzig/23/29)

Nordirland: Peacock-Farrell (FC Burnley/23/13) - C. Evans (Blackburn Rovers/29/58), Cathcart (FC Watford 30/49), J. Evans (Leicester City/ 31/84), Lewis (Norwich City/21/12) - McNair (FC Middlesbrough/ 24/33), Davis (Glasgow Rangers/34/116), Saville (FC Middlesbrough/ 26/20) - Whyte (Cardiff City/23/9), Magennis (Bolton Wanderers/ 29/49), Dallas (Leeds United/28/44)

Schiedsrichter: del Cerro Grande (Spanien)

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