Nations League
Neuer soll's richten: DFB-Team will von Bayern lernen

Nach fast einem Jahr kehrt der ewige Manuel Neuer ins Tor der Nationalmannschaft zurück. Mit 34 fühlt er sich fit für weitere DFB-Jahre und preist eine Bayern-Tugend. Von einem Kampf um die Nummer eins spricht acht Monate vor der nächsten EM niemand mehr.

Freitag, 09.10.2020, 18:09 Uhr
Manuel Neuer war zuletzt in Topform.
Manuel Neuer war zuletzt in Topform. Foto: Sven Hoppe

Kiew (dpa) - In den vergangenen Wochen sah Joachim Löw nur im Fernsehen, wie sein Kapitän überragend hielt und dann reihenweise Siegerpokale in die Luft reckte.

Jetzt ist Bayerns Erfolgsgarant Manuel Neuer wieder live beim Bundestrainer dabei und soll entscheidend mit dafür sorgen, dass die deutsche Nationalmannschaft am Samstag (20.45 Uhr/ARD) in der Ukraine endlich den jüngsten Fluch durchbricht. «Es ist wichtig, dass wir wieder ein Spiel gewinnen», sagte Neuer nach der Ankunft in Kiew. «Das letzte Spiel, in dem wir alle zusammen waren, liegt elf Monate zurück. Es war auch unser letzter Erfolg. Daran wollen wir anknüpfen.»

Der 34 Jahre alte Neuer steht mehr denn je als Symbol für das so wichtige Sieger-Gen. Mit dem FC Bayern hat er seit dem Re-Start des Profifußballs nach dem Corona-Lockdown gleich fünf Titel-Trophäen in Empfang genommen - mehr Konfetti-Regen ging nicht. «Natürlich haben wir viele Titel gesammelt», bemerkte Neuer und hofft, dass das Nationalteam davon lernen kann: «Der Teamgeist war entscheidend.»

«Es tut gut, Manuel hinten drin zu haben. Die Sicherheit, die er ausstrahlt, und die Erfahrung, die er mitbringt, tun jeder Mannschaft auf der Welt gut», äußerte Neuers Münchner Teamkollege Leon Goretzka nach einem der Bayern-Triumphe. Neuer glänzte in allen Wettbewerben. Er wurde mit großem Abstand zum besten Champions-League-Torhüter der Saison gewählt. Neuer setzt als Torwart wieder Maßstäbe, so wie er es als Libero-Torwart beim WM-Triumph 2014 in Brasilien getan hatte.

Seit 2010 hat er bei allen großen Turnieren des Nationalteams als Stammkraft im Tor gestanden. Das wird - wenn nichts Außergewöhnliches passiert - auch bei der in den Sommer 2021 verschobenen EM wieder so sein. Von einem Konkurrenzkampf um die Nummer eins bei Löw spricht niemand mehr. Bei der verpatzten WM 2018 in Russland hatte auch der zuvor von Verletzungen geplagte Bayer gewackelt und Herausforderer Marc-André ter Stegen seine Chance gespürt - und später gefordert. Löw gab dem Stammkeeper des FC Barcelona einige Spiele im DFB-Trikot. Ter Stegen steht Medienberichten zufolge kurz vor einer Vertragsverlängerung beim spanischen Vizemeister. Es sei nur «eine Frage von Tagen», schrieb am Freitag die Sportzeitung «Mundo Deportivo».

Nach dem spektakulären 8:2 des FC Bayern mit Neuer gegen Barcelona im Champions-League-Viertelfinale ist die Hackordnung wieder klar. Zumal sich ter Stegen nach dem Acht-Tore-Alptraum im Estádio da Luz von Lissabon einer Operation am rechten Knie unterziehen musste. Der 28 Jahre alte Ex-Gladbacher sprach damals von einer vorbeugenden Maßnahme. Doch noch immer ist ter Stegen nicht auf den Rasen zurückgekehrt. Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt und Bernd Leno vom FC Arsenal sind in der Ukraine die Ersatztorhüter.

In Kiew bestreitet Neuer, der vor der Corona-Pandemie im November 2019 letztmals im DFB-Tor stand, sein 93. Länderspiel. Die 100 dürfte der gebürtige Gelsenkirchener im EM-Jahr 2021 vollmachen, wenn er gesund bleibt. Das Ende seiner Ära in der Nationalmannschaft ist nicht in Sicht. Hängt Neuer nun das durch die Corona-Krise verlorene Jahr im DFB-Team einfach hinten dran? Beim FC Bayern hat er seinen Vertrag schon bis 2023 verlängert. Nein, so könne man das nicht ganz sehen, antwortete der Torwart: «Ich war ja auch schon fast zwei Jahre verletzt. Wenn ich das auch noch dazu packe, würde ich gar nicht mehr aufhören zu spielen.» Aber er betonte auch: «Ich bin fit, ich fühle mich richtig gut, ich habe Spaß am Fußball.»

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