Gescher
„Matze“, geh du voran !

Gescher. Wahre Liebe! Mathias Efsing, 30, hat die treuesten Fans der Bezirksliga. Eva, seine Ehefrau, und Ella, ihr gemeinsames Töchterchen, sind Sonntag für Sonntag auf dem Fußballplatz. Bei Wind und Wetter stehen sie am Seitenrand und drücken ihm ganz feste die Daumen, damit der SV Gescher bloß nicht absteigt.

Freitag, 23.11.2018, 17:00 Uhr aktualisiert: 24.11.2018, 05:04 Uhr
Gescher: „Matze“, geh du voran !
Der Mann in Rot: Matthias „Matze“ Efsing ist omnipräsent. Ob Abwehrchef, Kapitän oder Co-Trainer von Frank Schulz – er macht alles. Foto: Ulrich Hörnemann

„Natürlich freu’ ich mich riesig über den Rückhalt“, erklärt Kapitän Matthias Efsing, den die Mitspieler kurz „Matze“ rufen, „das ist nicht selbstverständlich.“ Seine beiden „Frauen“, die Große und die Kleine, unterstützen ihn, wo sie nur können.

An Ellas Geburt kann er sich noch sehr gut erinnern. „In der Nacht von Samstag auf Sonntag kam sie zur Welt“, erzählt der stolze Vater, „das war am 27. Mai.“ Dem letzten Spieltag der vergangenen Saison, als der SV Gescher beim FC Marl gastierte. „Eva hat dann mittags gesagt, ich solle mal zur Mannschaft fahren.“ Weil er kaum ein Auge zugemacht hatte und noch total aufgewühlt war „vom schönsten Tag meines Lebens“, saß er auf der Bank und sah die 0:3-Niederlage seiner Mannschaft. „War egal, den Klassenerhalt hatten wir sicher.“

Aber aktuell stecken die Gescheraner wieder mittendrin im Abstiegs-Schlamassel. „Das sind wir gewohnt“, meint „Matze“ Efsing, der auch weiß, warum es so zäh läuft: „Die vielen Abgänge zu kompensieren, das fällt uns schwer.“ Dann listet er die Namen auf: René Böing, André Wellermann, Niklas Segbers und „Hubi“ Roling. Alle sind sie gegangen. „Wir versuchen, die Lücken mit eigenen Leuten aufzustocken.“ Was kein leichtes Unterfangen ist für Frank Schulz, der bei der Trainingsarbeit von den „Dreißigern“ tatkräftig unterstützt wird.

Matthias Efsing, Dennis Schültingkemper und Thomas Lanfer, alle drei vom Baujahr 1988, gehen voran und reißen die „jungen Büllekes“ mit. „Mit Dennis und Thomas habe ich so viel erlebt, die guten Zeiten, als wir 2014, nach der Fusion, in die Landesliga aufgestiegen sind, und auch die schlechten Zeiten, als wir gleich wieder abgestiegen sind.“ Die Klasse konnten sie damals nicht halten, weil Leistungsträger gegangen sind.

An attraktiven Angeboten anderer Klubs hat’s auch ihm nicht gefehlt. „Aber ein Wechsel kam für mich nie infrage“, betont er, „ich fühl mich wohl hier und versteh’ mich super mit den Jungs.“ Dreimal die Woche fährt er mit dem Rad zum Training. Auf ein Auto ist er nicht angewiesen. Sein Ford Mondeo, „unsere Familienkutsche“ (O-Ton Efsing), bleibt in der Garage.

Der Ur-Gescheraner hat einst als Mini-Kicker begonnen. Dieter Kramer und Marco Lingk waren seine ersten Trainer. Deren Söhne kicken jetzt auch beim SV. „Ich war immer Abwehrspieler“, erzählt „Matze“ Efsing, „oder Sechser.“ Alsbald nahm seine Karriere Fahrt auf: In der B-Jugend spielte er bei Preußen Münster, in der A-Jugend bei SuS Stadtlohn, ehe ihn Ted Herold, Coach der ersten Mannschaft des FSV Gescher, zurücklotste und in seiner zweiten Saison gleich zum Kapitän ernannte – die Binde trägt „Matze“ elf Jahre später immer noch. Bereitwillig übernimmt er Verantwortung, sei es beim Fußball oder im Beruf. Als Lehrer mit den Fächern Sport (was sonst!) und Mathematik unterrichtet er an der Sekundarschule Reken, ein Job, der ihm prima gefällt.

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