Gescher
Mit feinem Sinn für Dramaturgie

Gescher. Am Nachmittag vor der Oscar-Verleihung in Los Angeles reichten sie kurzerhand noch eine Bewerbung ein – für das spannendste Drehbuch. Denn der SV Gescher bewies einen Sinn für feinste Dramaturgie. Ein Spiel frühzeitig entscheiden? Kann man machen, muss man nicht. Die Nerven der Zuschauer schonten sie jedenfalls nicht, ebenso wenig wie die des Trainers. „Das hätten wir einfacher haben können“, schüttelte Frank Schulz nach dem 3:1-Heimsieg gegen die SpVgg. Vreden II den Kopf. „Aber grundsätzlich haben es die Jungs wieder super gemacht.“

Sonntag, 24.02.2019, 20:34 Uhr aktualisiert: 25.02.2019, 09:38 Uhr
Gescher: Mit feinem Sinn für Dramaturgie
Strittige Szene: Der Vredener Hendrik Nünning (rechts) legt Marco Ostendarp auf dem Weg zum Tor – die Gescheraner werteten das als Notbremse, der Schiri nicht. Foto: Frank Wittenberg

Als Joker Mugdad Ismail in der Nachspielzeit endlich das 3:1 markierte, war das Chance Nummer acht für den SV in der zweiten Halbzeit – und dabei sind nur die Hochkaräter gezählt. „Es ist ja sehr gut, dass wir uns so viele Möglichkeiten erarbeiten“, sah Schulz auch die positive Seite. Sie müssen sie nur auch machen – „denn mit etwas Pech hätten wir auch den Ausgleich kassieren können“, dachte er an zwei Topchancen der Gäste beim Stand von 2:1.

Die Grundlage schafften die Gescheraner mit einer Anfangsphase, in der sie hellwach waren. Dabei hatten die Gäste aus Vreden Glück, dass sie nicht schon frühzeitig in Unterzahl gerieten: Hendrik Nünning foulte Marco Ostendarp auf dem Weg zum Tor, doch Schiri Henrik Jasper beließ es bei der gelben Karte und wertete die Aktion nicht als Notbremse (7.). Zwei Minuten später jubelte der SV erstmals: Thomas Lanfer zirkelte eine Ecke auf direktem Weg zum 1:0 ins Netz. Das 2:0 legte Raphael Busert in der 17. Minute nach Doppelpass mit Leon Bürger nach.

Diese Führung schien die Gastgeber aber ein wenig zu lähmen. „Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben und sind zurecht bestraft worden“, musste Frank Schulz den Anschlusstreffer notieren, den Marvin Rosing am langen Pfosten nach einer Hereingabe von Hendrik Brügging erzielte (32.).

Die Pause kam zur richtigen Zeit, und der Trainer fand die richtigen Worte. Denn die Gescheraner kamen engagierter aus der Kabine und hätten sich schnell belohnen können: Thomas Lanfer tauchte frei vor SV-Keeper Daniel Siehoff auf, zögerte aber zu lange und vergab (47.). Leon Bürger traf zwölf Minuten später nur das Außennetz – und dann durfte sich der SV bei Alexander Trogemann bedanken, der mit einer irren Parade gegen einen Kopfball von Hendrik Nünning die Führung festhielt (66.).

Was folgte, war die reine Verschwendung von Chancen, das Ding zu entscheiden: Thomas Lanfer per Kopf (76.), Patrick Sträter per Fuß (81., 86.), dazu Nils Epping, dessen Kopfball nach einer Lanfer-Ecke an den Innenpfosten und von da in die Arme des Torhüters flog (82.), sie alle vergaben und atmeten durch, als der Vredener Timo Depenbrock aus 22 Metern nur die Latte traf (85.). Dann kam Mugdad Ismail, verwertete die Vorlage von Raphael Busert und bescherte dem SV den zweiten Sieg in zweiten Spiel des Jahres – reif für den Oscar! 7 SV Gescher – SpVgg. Vreden II 3:1; Tore: 1:0 Thomas Lanfer (9.), 2:0 Raphael Busert (17.), 2:1 Marvin Rosing (32.), 3:1 Mugdad Ismail (90.+1).

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