Fußball: Peter Ellermann hat beim FSV Gescher eine Ära geprägt
Er kann es immer noch nicht lassen

Gescher. Mit dem Ruhestand ist das so eine Sache. Peter Ellermann hat es versucht, musste aber schon zwei Mal erkennen, dass er sich noch nicht so ganz trennen kann. Beim RC Borken-Hoxfeld ist er eingesprungen, jetzt aktuell beim SC Südlohn. „Im Sommer ist aber endgültig Schluss“, versichert der Mann, der zweifellos als Fußballtrainer mit Leib und Seele bezeichnet werden darf. „Im September werde ich 70, dann ist es wirklich genug.“ Ganz sicher. „Sag niemals nie“ war das Motto von James Bond alias Sean Connery – Peter Ellermann probiert es mit „Time to say goodbye“.

Samstag, 21.03.2020, 10:00 Uhr
Fußball: Peter Ellermann hat beim FSV Gescher eine Ära geprägt: Er kann es immer noch nicht lassen
Offizielles Dankeschön in Gescher: 2007 bekam Peter Ellermann (links), hier mit Martin Klein (rechts) und Dennis Böing, beim FSV sein Abschiedsspiel mit vielen Weggefährten aus achteinhalb Jahren Trainertätigkeit. Foto: Archiv

Neun Vereine hat er als Trainer auf Kurs gebracht, satte achteinhalb Jahre davon an der Seitenlinie des FSV Gescher mit zwei Aufstiegen von der Kreis- in die Landesliga. „Eine außergewöhnliche Zeit“, lächelt der Raesfelder. Nicht nur sportlich, sondern auch zwischenmenschlich. „Ich werde noch heute noch zu Geburtstagen und Hochzeiten nach Gescher eingeladen.“

1998 hat der ehemalige Verbandsliga-Stürmer am Borkener Damm angeheuert. Schon am Ende der ersten Saison standen der Meistertitel in der Kreisliga A und der Bezirksliga-Aufstieg. Zwei Jahre spielten sie dort eine gute Rolle, dann hatte der Trainer Bock auf mehr. „Ich habe einen Brief an die Mannschaft geschrieben, dass eigentlich noch mehr möglich ist, wenn jeder zum Beispiel seine Wochenend-Aktivitäten überdenkt“, erinnert er sich. „Und siehe da, es hat geklappt!“ Denn am Ende der Spielzeit 2001/02 stand tatsächlich der Sprung in die Landesliga.

Drei Jahre lang mischten die Gescheraner im Konzert der Großen mit – und das war gewiss nicht selbstverständlich, denn teure Neuverpflichtungen von außerhalb mag es überall gegeben haben, nicht aber beim FSV. „Kein Geld der Welt“, der Slogan schaffte es nicht nur auf die Trikots. „Damit sind wir sogar in die Süddeutsche Zeitung gekommen“, lacht Ellermann. „Wir haben Schlagzeilen gemacht.“ Das Konzept, voll und ganz mitgetragen von seinen Kapitänen Martin Klein und Dennis Böing, sei aber auf Dauer nicht mit der sportlichen Klasse einer Landesliga kompatibel gewesen. „Als Leistungsträger wie Christian Lanfer aufgehört haben, war der Abstieg mit dem Generationenwechsel leider nicht mehr zu vermeiden.“

Im Herbst 2006, als Peter Ellermann nicht mehr alle Teile der Mannschaft erreichte, war Schluss. Was sich zunächst wie ein bitterer Abgang anfühlte, wandelte sich schnell in gegenseitige Dankbarkeit für eine tolle Zeit. Von der „Ellermann-Ära“ wird noch heute gerne in Gescher gesprochen – und die vielen Kontakte sind ohnehin erhalten geblieben. „Dieses Gemeinschaftsgefühl hat es außergewöhnlich gemacht“, schwärmt der 69-Jährige. „Eine Stunde nach dem Spiel mussten wir aus der Kabine raus, weil die Fans uns im überfüllten Clubheim sehen wollten.“

Dem Fußball ist der Raesfelder immer treu geblieben. Mehrere Trainerstationen hat er nach Gescher absolviert, unter anderem fünf Jahre beim SC Südlohn, zu dem sich eine ähnlich innige Verbindung entwickelt hat. So innig, dass Ellermann im dort im Dezember als Interimstrainer wieder eingestiegen ist. Raus aus dem Ruhestand, zurück auf den Platz – „ich habe immer gesagt, dass ich das nur für zwei Vereine machen würde“, betont er. „SC Südlohn und SV Gescher.“

Anders ist das geworden in all den Jahren, daran lässt er keinen Zweifel. Die rustikalere Gangart, die offenen Worte, das hat ihn immer geprägt. „Da musste ich mich im Laufe der Zeit ändern“, gibt er zu. Denn ein Trainer ist heute auch verstärkt als Psychologe gefragt. „Früher haben sich die Spieler auf die Bank gesetzt, wenn sie nicht aufgestellt wurden. Heute musst du alles erklären.“ An die Smartphone-Generation, die kurz nach dem Abpfiff schon über den Bildschirm wischt, kann er sich nur schwer gewöhnen: „Ich werde nie verstehen, warum eine Niederlage nach fünf Minuten schon nicht mehr interessiert.“ Und doch, riesig Spaß macht ihm das erneute Comeback in Südlohn allemal. „Es gibt nichts Schöneres, als abends um 18.30 Uhr in die Kabine zu kommen und 14,15 Spieler zwischen 18 und 30 Jahren um dich zu haben, die sich immer auf den neuesten Stand bringen.“

Einige Wochen wird er das genießen, wenn die Corona-Krise hoffentlich bald wieder einen Spielbetrieb zulässt. „Das ist jetzt eine bittere Zeit, aber da müssen wir durch“, sagt Peter Ellermann, dessen Optimismus grenzenlos ist, dass diese Saison irgendwie noch zu Ende gespielt werden kann. Und dann? „Dann geht es zu 100 Prozent in den Garten“, lacht der 69-Jährige. Das Urgestein macht endgültig Schluss. Zumindest mit dem Trainerjob, nicht aber mit der Leidenschaft für den Fußball: „Auf irgendeinem Sportplatz wird man mich als Zuschauer immer sehen.“

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