Fußball: 1989 schafft „der etwas andere Verein“ den doppelten Aufstieg
Tornado wirbelt durch die Ligen

Gescher. Der Schritt raus aus der Bezirksliga hinein als Spielertrainer in die Kreisliga C mit nur 26 Jahren war gewiss nicht gewöhnlich. Aber er hatte Bock auf die Aufgabe – und setzte sich selbst unter Erfolgsdruck. „Der Meistertitel sollte her, sonst hätte ich nach einem Jahr wieder aufgehört“, erinnert sich Michael Roling. Die Erwartungen erfüllte er, und in diesem Sog wirbelten sich die gesamten Tornados in einen Rausch. Denn im erst zweiten Jahr im offiziellen Punktspielbetrieb schafften gleich beide Mannschaften im Mai 1989 das Kunststück, die gesamte Konkurrenz hinter sich zu lassen und in die Kreisliga B aufzusteigen. „Wir wollten weg vom Thekenmannschaft-Image“, lächelt der heute 58-Jährige. Und das ist eindrucksvoll gelungen.

Samstag, 09.05.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 12:31 Uhr
Fußball: 1989 schafft „der etwas andere Verein“ den doppelten Aufstieg: Tornado wirbelt durch die Ligen
Meister der Kreisliga C 2 1989 – Sportfreunde Tornado Gescher I: (oben von links) Betreuer/Geschäftsführer Jürgen Funke, Stefan Wienand, Gerd Brüning, Markus Schlemmer, Eamon Fitzgerald, Jürgen Gottheil, Ralf Hemsing, Betreuer Heinz Bienias; unten von links: Manfred Wies, Ulrich Wienand, Peter Hagemann, Christoph Tenhumberg, Spielertrainer Michael Roling, Dieter Richter, Christoph Osterkamp, Vorsitzender Martin Pollmann; es fehlen: Klaus Osterkamp, Andreas Ahlmer, Ludger Niehaus, Martin Heidemann, Klaus-Dieter Hoschke. Foto: Archiv Manfred Wies Foto: Archiv Manfred Wies

Dabei hatten sie sich eine positive „Thekenmannschaft-Eigenschaft“ bewahrt: Sie gingen gemeinsam durch dick und dünn. „Der Zusammenhalt war einfach super“, schwärmt Roling noch heute. Nicht nur im Erfolgsfall. Mit dem Doppel-Aufstieg, vor allem aber auch mit der Atmosphäre drumherum leiteten die Sportfreunde Tornado Gescher die erfolgreichen 90er Jahre ein, in denen sie mehrfach an der Tür zur Bezirksliga anklopften.

Erst ein Jahr zuvor, in der Saison 1987/88, hatte sich der 1980 gegründete Club erstmals in der Kreisliga C gemeldet. „Wir haben es sofort ins obere Drittel geschafft“, erzählt Klaus Döring, damals Trainer der Truppe. „Es lief alles so goldig, und wir haben noch etliche Spieler dazubekommen.“

Unter anderem Michael Roling, der bis dato für den FSV Gescher die Schuhe geschnürt hatte. Zwei Teams konnten die Tornados zur Saison 1988/89 melden – Roling übernahm die erste Mannschaft in der Kreisliga C 2, Döring mit Unterstützung von Hermann-Josef Weghake die Reserve in der C 3. „Wir hatten ein sehr junges Team“, berichtet Michael Roling. Nur Keeper Manfred „Enno“ Wies und Torjäger Peter Hagemann waren älter als der damals 26-Jährige.

Der Start verlief etwas holprig. Erst ein 3:2 gegen SW Holtwick III, dann ein 3:2 bei der DJK Dülmen III – und am dritten Spieltag setzte es ein 0:1 bei TSG Dülmen III. Nervös geworden ist Michael Roling dadurch nicht, im Gegenteil. „Ich kannte ja meine Spieler und wusste, dass wir stark genug sind“, lächelt er. „Vielleicht war diese Niederlage zum dem Zeitpunkt gar nicht verkehrt.“ Der Hallo-Wach-Effekt wirkte: Bis zum Saisonende sollte das die einzige Niederlage der Tornados bleiben, die 17 Siege in Serie hinlegten und lediglich am 21. Spieltag beim Ortsrivalen BSV Harwick (1:1) noch einen Punkt abgaben.

Dennoch blieb es lange Zeit eng, denn vor allem die Dülmener ließen sich nicht abschütteln. Umso wichtiger war das Rückspiel am 5. März 1989 auf dem legendären Ascheplatz am Brink in Gescher. Nur ein Zähler trennte die beiden Kontrahenten – ein echtes Spitzenspiel also, in dem Ulrich Wienand in der 24. Minute einen Handelfmeter zum 1:0 verwandelte. Aber nur zwei Minuten später glichen die Dülmener ebenfalls per Handelfmeter aus. Vor rund 200 Zuschauern im Berkelstadion besorgte Andreas Ahlmer das umjubelte 2:1 (38.). Und in der 86. Minute machte Stefan Wienand nach Vorarbeit von Gerd Brüning mit dem 3:1 alles klar. „Das war ein Riesenschritt zum Titel“, erzählt Roling. Ein 3:1-Erfolg gegen den Ortsrivalen FSV Gescher III brachte die Vorentscheidung, ehe zwei Spieltage vor Schluss mit einem satten 9:0-Sieg gegen Raspo Coesfeld III das Meisterstück vollbracht war.

Nicht genug der guten Laune: In diesem Sog ballerte sich auch die zweite Mannschaft nach oben, übernahm am elften Spieltag mit einem 1:0-Sieg gegen TSG Coesfeld die Spitze und ließ sich nicht mehr von diesem Platz verdrängen. „Wir sind eigentlich ganz locker in die Saison gegangen“, erzählt Klaus Döring. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass da mehr möglich ist.“ Mit dem 2:0-Sieg bei DJK Coesfeld V am letzten Spieltag krönte sich auch die Tornado-Reserve zum Meister und Aufsteiger. „Das war nur möglich, weil sich die beiden Mannschaften gegenseitig super unterstützt haben“, ist sich Döring sicher.

In der Saison 1989/90 gelang beiden Teams der Klassenerhalt in der B-Liga – die Zweite kam als 13. ins Ziel, die Erste auf Rang neun, nachdem sie in der Hinrunde lange Kontakt zur Spitzengruppe hatte. Danach übergab Michael Roling an an Ludger „Sticke“ Tenkleve, der die Tornados 1991/92 erstmals in die Kreisliga A führte. Roling zog es wieder in die Bezirksliga zur SpVgg Vreden. „Leider habe ich mich dann verletzt und musste lange pausieren“, berichtet der 58-Jährige, der später bei Westfalia Gemen wieder gegen den Ball trat und anschließend bei SW Holtwick und DJK Dülmen als Spielertrainer aktiv war.

Die enge Verbindung zu den Tornados, die 2008 mit dem BSV Harwick zum SV Gescher 08 und 2013 mit dem FSV zum SV Gescher fusionierten, blieb immer erhalten. So eng, dass Michael Roling 2006 mit 44 Jahren noch dazu beitrug, dass die Tornados auf den letzten Drücker den Klassenerhalt in der A-Liga schafften. „Markus Schlemmer und Andreas Ahlmer waren aus dem Aufstiegsteam von 1989 auch noch dabei“, lacht er. Auf den Zusammenhalt kommt es eben an.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7401790?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947787%2F947829%2F
Nachrichten-Ticker