Fußball: Ernst Schütte ist seinem Sport seit sieben Jahrzehnten eng verbunden
Spieler, Trainer, Fan und Fachmann

Gescher. So ein Spaziergang mit ihrem Mann kann für Erika Schütte bisweilen zu einer zähen Angelegenheit werden. „Er muss überall stehenbleiben und sich unterhalten“, lächelt sie mit Blick auf ihren Gatten. So viele Bekanntschaften hat er geschlossen – wofür nicht zuletzt der Fußball verantwortlich ist. Denn Ernst Schütte gehört zum Sportplatz wie der Ball und der Mittelkreis: als Spieler, als Trainer in Coesfeld und Osterwick, noch heute als treuer Fan und interessierter Fachmann.

Samstag, 20.06.2020, 14:16 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 14:20 Uhr
Fußball: Ernst Schütte ist seinem Sport seit sieben Jahrzehnten eng verbunden: Spieler, Trainer, Fan und Fachmann
Erinnerungen an bewegte Jahre: Seit rund 70 Jahren ist Ernst Schütte dem Fußball als Spieler, Trainer, Fan und kritischer Begleiter immer erhalten geblieben. Foto: Frank Wittenberg

Ein Rechtsfuß, der auf Linksaußen eingesetzt wird – für den heute 78-Jährigen, der die Rolle bei seinem Stammverein FSV Gescher häufig ausfüllen musste, kein Problem. Schließlich gehört er zur Generation Straßenfußballer. „Das habe ich mir selbst angeeignet“, erzählt er und denkt zurück an den Eingangsbereich seines Elternhauses in Gescher, wo eine Wand als Sparringspartner herhalten muss. Immer und immer wieder ballert er die Kugel mit dem linken Fuß gegen das Mauerwerk. Trainingsfleiß, der Ernst Schütte zu einem beidfüßigen Kicker macht.

Angefangen im Verein hat er „mit neun oder zehn Jahren“. Nach der Jugendzeit kommt Schütte 1960 als 18-Jähriger zu den Senioren, die damals unter Trainer Bubi Meis aus Stadtlohn in der Bezirksklasse Emsland spielen. In der Saison 1962/63 holt der FSV unter Trainer Engels aus Bochum sogar den Titel des Bezirksmeisters und schafft den Aufstieg in die Landesliga – zweifacher Torschütze am 9. Juni beim entscheidenden 4:2-Heimsieg gegen den SV Mesum: Ernst Schütte. „Leider sind wir im Jahr darauf direkt wieder abgestiegen“, erinnert er sich.

Vor genau 50 Jahren, im Sommer 1970, schlägt er das nächste Kapitel im Sportlerleben auf: Als Spielertrainer wechselt der Gescheraner zur DJK Coesfeld. Die Mannschaft muss runter in die 2. Kreisklasse, schafft aber direkt die Rückkehr in die 1. Kreisklasse. Nach drei Spielzeiten wird Ernst Schütte vom damaligen Vorsitzenden Klemens Lembeck als Spieler verabschiedet, dem Club bleibt er aber weiter als Trainer erhalten. „Das hat damals sehr viel Spaß gemacht“, erinnert er sich gerne an stolze Zuschauerkulissen an der Reiningstraße und mit großem Einsatz „gespielte“ dritte Halbzeiten im Vereinslokal Herbstmann. Einen guten Draht zu seinen ehemaligen Spielern wie Horst Goerke pflegt er noch immer. „Zum 75. haben sie mich besucht“, lacht er. „Und zum 80. wollen sie wiederkommen.“

Von Coesfeld aus zieht es ihn anschließend zu Westfalia Osterwick. Den Rosendahler Club führt er vier Jahre erfolgreich durch die 1. Kreisklasse, auch wenn er vor der Saison 1977/78 in der AZ die Trainingsbeteiligung monieren muss: „Hier muss sich noch einiges an der Einstellung der Spieler zu ihrem Sport ändern, wenn wir vorne mitspielen wollen.“ Auch hier gilt: Die Verbundenheit bleibt. „Wenn Gescher bei DJK Coesfeld oder Westfalia Osterwick spielt, dann bin ich gerne vor Ort“, stehen bestimmte Auswärtstouren noch heute fest im Kalender.

Und natürlich die Heimpartien. Seinem FSV Gescher, bei dem er unter anderem 1975 und 1977 als bester Torschütze der Altherren geehrt wird, hält er immer die Treue, trainiert zwischenzeitlich auch noch die B-Jugend, „allerdings nie meinen eigenen Sohn Markus.“ Bis vor einigen Jahren steuert er sogar noch den Bus, den die Mannschaft zu den Auswärtsspielen bringt.

Heute besucht er die Spiele des SV Gescher, dem Fusionsverein aus SF Tornado, BSV Harwick und FSV. „Für die ältere Generation war dieser Zusammenschluss nicht einfach“, weiß Schütte. „Einige sind auch ausgetreten.“ Bezirksliga, so wie damals zu seiner eigenen aktiven Zeit, das ist in Ordnung für eine Stadt dieser Größenordnung, findet der 78-Jährige: „Auch wenn die A-Jugend immer wieder gute Spieler nach oben bringt.“ Verändert hat sich der Fußball seit seiner aktiven Zeit, daran lässt er keinen Zweifel. Deutlich schneller ist es geworden, intensiver in den Zweikämpfen – „aber leider geht es ja auch viel mehr um Geld als früher.“

Übrigens: Wer hätte gedacht, dass Ernst Schütte auch mal eine Damenmannschaft trainiert hat? Ebenfalls exakt 50 Jahre ist es her, und das Engagement währt zwei Wochen. „Zum 50-jährigen Bestehen des FSV sollte ein Damenspiel gegen DJK Coesfeld ausgetragen werden.“ Also sucht Schütte einige Frauen zusammen, die sich dem erfahrenen Gegner stellen – dazu zählt auch seine eigene Frau Erika, die so zu ihrem einzigen Fußballspiel überhaupt kommt. „Ich kam nachher nicht mehr die Treppe hoch“, weiß sie noch um die körperlichen Leiden. Das Ergebnis dieses besonderen Spiels? Daran kann oder will sich heute keiner mehr erinnern. „Ich glaube, wir haben hoch verloren“, gibt Ernst Schütte zu. „Aber aus diesem Jux ist dann die Damenmannschaft beim FSV entstanden.“

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