Fußball: Im Jahr 1998 schafft der BSV Harwick den Aufstieg in die Kreisliga A
Der „Kleine“ lässt die Muskeln spielen

Gescher. Aller guten Dinge sind – in diesem Fall sieben. Sieben Jahre, so lange hatte Manni Höing kontinuierlich und geduldig gearbeitet, dann war die Überraschung perfekt: Der „kleine“ BSV Harwick ist erstklassig, bewegt sich auf Augenhöhe mit den großen Gescheraner Konkurrenten FSV und Tornado! „Die Chemie stimmte“, erinnert sich der damalige Trainer gerne an 1998 und den Aufstieg in die Kreisliga A zurück. „Vorstand, Mannschaft, Umfeld, das passte.“

Samstag, 11.07.2020, 13:14 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 13:30 Uhr
Fußball: Im Jahr 1998 schafft der BSV Harwick den Aufstieg in die Kreisliga A: Der „Kleine“ lässt die Muskeln spielen
Mit dieser Mannschaft hat sich der BSV Harwick in der Saison 1998/99 zum Klassenerhalt in der Kreisliga A gespielt: (oben von links) Cafer Göknur, Klaus Horstick, Christian Mesken, Uli Altrogge, Michael Reers, Andreas Ening, Andreas Heming, Ahmed Hammoud, Gregor Mensing, Trainer Manni Höing; unten von links: Stefan Döker, Michael Kostulski, Bernd Bushues, Christian Kaup, Alexander Horstick, Christian Büter, Alexander Wolthaus, Thomas Simon. Es fehlen Patrick Pollmann und Wolfgang Brüning. Foto: az

Am 24. Mai 1998 war der Sprung in die A-Liga, in der der BSV bis dato nur von 1974 bis 1977 gespielt hatte, in trockenen Tüchern. Bei BW Lavesum, damals trainiert vom Coesfelder Thomas Rotthäuser, setzten sich die Harwicker durch zwei Treffer von Thomas Simon mit 2:1 durch – sieben Punkte Vorsprung auf Arminia Appelhülsen am vorletzten Spieltag, das Ding war geritzt. Die 0:1-Niederlage zum Abschluss eine Woche später gegen DJK Coesfeld II durch ein Gegentor von Frank Tschiskale juckte niemanden mehr.

Davon konnten sie nur träumen, als Manni Höing im Sommer 1991 seinen Dienst im legendären Eichenbaum-Stadion am Ahauser Damm antrat, auf dem die gegnerischen Mannschaften immer überlegen mussten, ob sie erst bergauf oder bergab spielen wollen. „Auch das war einfach Harwick“, lächelt Höing. „So wie der Weg von den Kabinen zum Platz über die kleine Straße.“ Sportlich war nicht immer eitel Sonnenschein. 1993 mussten sie runter in die C-Liga, aus der sie 1995 die Rückkehr in die Kreisliga B schafften. Drei Jahre später folgte das nächste Meisterstück.

Und das ausschließlich mit Jungs, die Bock hatten, in Harwick zu kicken. „Mit Geld ging da gar nichts“, erinnert sich der heute 62-Jährige. Vielmehr setzte Höing auf etliche Kicker aus der eigenen Jugend und zweiten Mannschaft – und auf einige erfahrene Akteure wie Andreas Heming oder Klaus Horstick, die er davon überzeugen konnte, noch einmal anzupacken. Die Mischung stimmte, unter anderem mit den Mensing-Brüdern Bernhard und Gregor. „Das war nicht immer unanstrengend, hat aber Spaß gemacht“, sagt Manni Höing mit einem Augenzwinkern.

Plötzlich waren sie mittendrin in der A-Liga. Wobei der Trainer zunächst überlegt hatte, ob der Meistertitel in der Kreisliga B nicht ein guter Abschluss seiner Zeit beim BSV sei. „Mehr war ja fast nicht zu erreichen“, zuckt er mit den Schultern. Und doch entschied er sich für Jahr Nummer acht und das Projekt Klassenerhalt.

Diese Saison 1998/99 bescherte ihm und seinen Harwickern gleich vier Ortsderbys gegen die großen Konkurrenten. Gegen den FSV Gescher, der am Ende der Spielzeit unter Peter Ellermann den Sprung in die Bezirksliga schaffte, setzte es mit 0:3 und 0:4 zwei klare Niederlagen. Viel prickelnder waren da die beiden Partien gegen die Sportfreunde Tornado, bei denen auch noch Höings Brüder Helmut als Spielertrainer und Reinhard mitmischten. „Und ausgerechnet Reinhard macht dann das Kopfballtor zum 1:0-Endstand“, erinnert sich Manni Höing an der erste Brüderduell am vierten Spieltag. Die Revanche gelang in der Rückrunde, als die Harwicker ihren Ortsrivalen eiskalt auskonterten und durch Tore von Bernd Bushues (2) und Klaus Horstick mit 3:0 gewannen.

Am Ende stand für den Aufsteiger der Klassenerhalt: Mit einem 3:2-Sieg am letzten Spieltag gegen DJK Rödder schaffte der BSV noch den Sprung auf Platz 14 und verdrängte SW Holtwick auf den Relegationsplatz – ein perfekter Abschied für Manni Höing nach acht Jahren. Bernfried Kramer übernahm und führte die Harwicker erneut zum Klassenerhalt. Nach einem Fehlstart in die Spielzeit 2000/01 übernahm Markus Schütte das Kommando im Eichenbaum-Stadion. Vier weitere Male verhinderten sie den Abstieg, ehe es den Club 2004/05 doch erwischte. 2006 folgte der Zusammenschluss zur SG Tornado/Harwick, die mit Helmut Höing in der A-Liga und mit Markus Schütte in der B-Liga ins Rennen ging. 2008 kam die Fusion zum neuen Großverein SV Gescher 08, mit der die eigenständige Geschichte des 1960 gegründeten BSV endete.

Und Manni Höing? Der Erfolgstrainer verabschiedete sich aus dem Seniorenbereich, zeichnete sich später noch für die B-Jugend und die A-Jugend beim FSV verantwortlich und war bis vor einigen Jahren noch als Spielleiter der Ü 50 zunächst beim FSV und dann beim SV Gescher tätig. In dieser Ü 50 tritt er hin und wieder noch gegen den Ball. „Nicht mehr so häufig wie früher“, gibt der 62-Jährige zu, der sich dort aber immer wieder über die Treffen mit alten Weggefährten freut. „Christian Lanfer zum Beispiel, den ich in der E-Jugend trainiert habe, oder auch Stefan Döker.“ Letzterer zählte zur der legendären BSV-Mannschaft, die 1998 in die Erstklassigkeit gestürmt ist.

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