Rosendahl
Schwestern-Duell im Oberhaus

Sonntag, 06.06.2010, 00:00 Uhr

-fw Osterwick. So richtig freuen können sie sich auf dieses Wiedersehen nicht. Denn wenn sich die Schwestern in der Bundesliga über den Weg laufen, müssen sie für 90 Minuten ihre familiäre Bande vergessen. "Natürlich will ich gewinnen", sagt Ina Mester. "Aber Lynn soll ja auch nicht schlecht aussehen." Eine Zwickmühle, der sich die Osterwickerinnen stellen müssen, wenn sie sich im Fußball-Oberhaus begegnen: Ina hat mit der SG Essen-Schönebeck den Klassenerhalt geschafft, Lynn mit Bayer Leverkusen den Aufstieg perfekt gemacht. Dabei lief die Saison für Ina Mester nicht wirklich perfekt. In der Vorbereitung musste sich die 20-Jährige einer Blinddarm-OP unterziehen. Als sie wieder fit war, stieg sie schnell zur Stammspielerin auf - bis zu diesem bitteren Zwischenfall im Training im Februar. "Ich wusste gleich, dass etwas kaputt ist", erinnert sich die Reno-Fachangestellte. Mittelfußbruch lautete die Diagnose, seitdem halten sechs Schrauben und eine Eisenplatte den Knochen zusammen. "Spätestens nach einem Jahr muss die wieder raus", erklärt sie. "Wenn nicht vorher schon Schmerzen auftreten." Joggen geht Ina Mester schon wieder, zum Vorbereitungsstart am 25..Juni will sie wieder fit sein. Und dann will die Defensivspielerin wieder angreifen. Hinten links musste sie meist ran, wie Philipp Lahm. "Nicht meine Traumposition, aber das ist okay", lächelt sie. "Für die Innenverteidigung bin ich nicht groß genug." In der neuen Saison will Ina Mester dazu beitragen, dass es nicht wieder so ein Zitterspiel im Kampf um den Klassenerhalt wird. "Das war ganz schön stressig, auch wenn ich selbst nicht mehr spielen konnte", blickt sie zurück. Jetzt werden die Karten neu gemischt: Mit dem Coesfelder Markus Högner, ein bei Schalke-Amateure, kommt ein neuer Trainer, auch einige Spielerinnen aus Duisburg stoßen hinzu. Für ihre zwei Jahre jüngere Schwester Lynn wird die Bundesliga Neuland - "aber einen Kopf mache ich mir noch nicht", sagte die Bayer-Spielerin, die in ihrem ersten Jahr als Mittelfeldspielerin gleich die stolze Bilanz von 18 Toren vorweisen kann. Eine Umstellung von den Jungs der Westfalia Osterwick war es dennoch: "Bei den Frauen ist mehr Technik als Körpereinsatz gefragt." Eingelebt hat sie sich schnell in Leverkusen, wo sie bei der Bayer AG eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert. "Etliche Spielerinnen kannte ich ja schon von der Jugendnationalmannschaft", erzählt die 18-Jährige. "Und mein Cousin Matze Mester wohnt in der Nähe, das ist cool." Wenn sie sich in der nächsten Saison zwei Mal in der Bundesliga gegenüber stehen, dann sind das nicht die Spiele, auf die man sich am meisten freut, versichert Lynn Mester: "Zumal es für beide wohl um den Klassenerhalt gehen wird." Schwierig wird es auch für ihre Eltern Andrea und Udo, die so viele Spiele wie möglich live verfolgen. "Sie werden sich wohl einen geteilten Schal anschaffen", lacht Ina Mester, die der "Fußballverrücktheit" ihrer Eltern nur Positives abgewinnen kann: "Ohne sie hätten wir gar nicht die Möglichkeit, so weit oben zu spielen." Und vielleicht wird aus dem Bundesliga-Duo irgendwann ein Trio: Schwester Alicia (14) ist mächtig heiß. "Sie hat einen riesigen Ehrgeiz", versichert Ina. Alle drei Mester-Mädels in der ersten Liga, das wäre ein Traum. "Dann noch in einer Mannschaft." Das würde den Stress für die gesamte Familie deutlich verringern.

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