Rosendahl
Lust in Osterwick und Frust in Holtwick

Rosendahl. Als sich der ganze Trubel um den zweifachen Torschützen ein wenig gelegt hatte, haute Jürgen Meier wieder einen seiner typischen Sprüche raus. „Eggemann“, sagte er mit todernster Miene und hob noch mal den Ton an, „Eggemann war heut’ der schlechteste Mann auf dem Platz.“

Dienstag, 11.09.2018, 05:42 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 10.09.2018, 14:42 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 11.09.2018, 05:42 Uhr
Rosendahl: Lust in Osterwick und Frust in Holtwick
Ab durch die Mitte: Tobias Lanvers, Künstlername „Bomber“, erwischt Stefan Uppenkamp (li.) und Tobias Kühlkamp (r.) auf dem falschen Fuß. Foto: az

Die Zuhörer schauten ihn an, als stehe der arme Kerl kurz vor der Einweisung in die Klapsmühle. Hallo? Geht’s noch? „Okay, okay“, meinte Meyer und schüttelte sich vor Lachen, „war doch bloß ein Witz.“ Ach so.

Der Bursche mit der Nr. 3 auf dem rot-weißen Trikot, 19 Jahre jung und voller Tatendrang, war zweifellos der Spieler, der in diesem Derby den Unterschied ausmachte. Leon „Egge“ Eggemann profitierte einmal mehr von den Nebenleuten, die ihn mit blitzsauberen Steilpässen wunderbar in Szene setzten. „Das war eine beeindruckende Mannschaftsleistung“, stellte Meier den Kollektivgedanken in den Vordergrund. „Jeder hat für den anderen gekämpft! Das hat hervorragend funktioniert, denn hinten haben wir nie die Ordnung verloren und vorne immer wieder Nadelstiche gesetzt“, freute sich der „Ruhri“ aus Gelsenkirchen-Schalke, der mit einer Bierruhe ausgestattet ist.

Die tief enttäuschten Holtwicker erhoben umgehend Einspruch gegen die 0:2-Heimniederlage. „Diesmal hat mit Sicherheit nicht die bessere Mannschaft gewonnen“, bemerkte „Johannes „Jojo“ Dönnebrink und stimmte seinem Trainerkollegen Mario Beeke zu: „Viel investiert haben die Osterwicker wirklich nicht.“ Beeke hatte zuvor schon kritisiert, „dass der Gegner doch bloß auf Konter gelauert habe“. Er sah Parallelen zur Fußball-WM in Russland: „Da wurde Ballbesitz auch nicht belohnt.“ Dafür führten Ballverluste prompt zu überfallartigen Angriffen.

Nach der Pause hatten die Holtwicker zweifellos enormen Druck erzeugt. Andreas Schulenkorf, der Schützenkönig, der in der 40. Minute für den eigentlichen Regisseur Stefan Uppenkamp gekommen war, zog nun die Strippen im Mittelfeld und brachte mehr Zug in die Aktionen der Gastgeber.

Die Chancen, um den Rückstand aus der 26. Minute von Leon Eggemann zu egalisieren, waren durchaus vorhanden. „Drei, vier Hundertprozentige hatten wir auf dem Fuß“, zählte „Jojo“ Dönnebrink auf, „der Gegner taucht dreimal vor unserer Hütte auf, schießt zwei Tore – und wir kein einziges.“ Begreife, das wer will, sagte er und klagte: „Wenn wir einen Lauf hätten, wären die Dinger rein gegangen.“ Stattdessen klebe ihnen das Schusspech an den Stollenschuhen, betonte Dönnebrink, „das 0:1 war ein Traumtor, dann machen wir auf und kriegen kurz vor Schluss noch das 0:2. Fußball ist manchmal ungerecht.“

Mario Beeke bemängelte allerdings auch „die fehlende Kreativität im letzten Drittel“. Da seien sie zu langsam gewesen, nicht gedankenschnell genug, um die dichte Abwehrmauer der Gäste zu sprengen. „Und wenn du fast alle Zweikämpfe gewinnst, nur nicht die entscheidenden“, monierte „Jojo“ Dönnebrink, „dann kriegst du so ein Ergebnis serviert.“

Jürgen Meier konnte den Frust der Gegenseite gut nachvollziehen. „Für uns ist das eine schöne Geschichte, für Holtwick eher nicht“, erklärte er und dachte in diesem Moment an den taktischen Masterplan, den er mit seinen Spielern in der Kabine ausgeheckt hatte: „Alles hat hingehauen, was wir uns vorgenommen hatten.“ Dass seine sattelfeste Deckung die Null gehalten hatte, stimmte ihn hoffnungsfroh für die nächsten Aufgaben in der Kreisliga A.

Nach den ersten sechs Spieltagen sind die Osterwicker Tabellenzweiter mit 15 Punkten. Das macht Lust auf mehr! Viel deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Spitzenreiter SuS Olfen hin. Jürgen Meier, der alte Kämpe, der schon einiges erlebt hat in seiner langen Karriere, ob als Spieler bei Schalke 04 oder als Trainer, mahnt zu Geduld: „Abwarten“, lautet sein Credo, „die Saison ist noch lang.“ Und die Holtwicker? Sie haben den Start gründlich verpatzt, ähnlich wie im Vorjahr. Mit sechs Zählern hängen sie zwischen Bier und Schaum. Platz zwölf genügt keineswegs den Ansprüchen, die Johannes „Jojo“ Dönnebrink und Wegbegleiter Mario Beeke am Ende der Vorbereitungsphase ausgegeben haben.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6042011?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947787%2F947889%2F
Nachrichten-Ticker