Rosendahl
Kein Wetter für Edeltechniker

Rosendahl. Der Ball, den Tobias Voßkamp in der 17. Minute Richtung Westfalia-Strafraum schlug, flog zehn Meter hoch und zehn Meter weit, dann fiel er herunter wie ein Stein. Und in der zweiten Halbzeit segelte ein weiterer Versuch, diesmal mit Rückenwind, weit am Ziel vorbei. „Flach!“, rief Johannes Dönnebrink die Anweisung gegen den Sturm. „Sonst habe ich keine Chance!“

Montag, 11.03.2019, 17:53 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 10:16 Uhr
Rosendahl: Kein Wetter für Edeltechniker
Eine der dicken Ausgleichschancen für SW Holtwick: Tobias Voßkamp (links) schnappt sich den Ball, bringt ihn aber bedrängt von Johannes Sicking nicht entscheidend aufs Tor. Fotos: fw Foto: az

Ob das Derby zwischen Westfalia Osterwick und SW Holtwick hätte angepfiffen werden dürfen? Schiri Holger Derbort, an der Linie unterstützt von Gordon Hoff und Frederik Horn, entschied sich dafür, wohlwissend, dass es viel schlimmer nicht hätte kommen dürfen. Denn Tief „Eberhard“ pfiff durch das Westfalia-Stadion, dass eine Ballkontrolle selbst für Edeltechniker bisweilen zu einer unlösbaren Aufgabe wurde. „Für beide Seiten waren die Bedingungen gleich“, stellte SW-Spielertrainer Jojo Dönnebrink fest. Zumal der Wind über 90 Minuten stramm von der Tribünenseite kam, also keine der beiden Mannschaften mit Rücken- oder Gegenwind spielen musste. „Natürlich war es zwischendurch heftig“, gab Westfalia-Trainer Jürgen Meier zu, dem der Sturm auf der gegenüberliegenden Seite mächtig ins Gesicht blies. „Keiner hat sich heute einen Ball selbst reingehauen.“ Auf das Tor des Tages, erzielt von Luis Lammers in der 70. Minute, hatte Eberhard keinen Einfluss.

Mit dem Wind hatten die Kicker zu kämpfen, dazu mit einem zwar durchaus bespielbaren, aber rutschigen und teilweise holprigen Rasenplatz. Von „grenzwertigen Bedingungen“ sprach Mario Beeke, der mit Jojo Dönnebrink für die Holtwicker zuständig ist. „Auf Kunstrasen wäre es sicherlich besser gegangen.“ Die Westfalia-Verantwortlichen entschieden sich aber für den Naturrasen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Zuschauer, die so Zuflucht unter der Tribüne fanden, während sie am Kunstrasen dem Wetter ausgesetzt gewesen wären.

Am Ende der 95 Minuten in Wind und Regen jubelte der Tabellenführer aus Osterwick. Dass die Holtwicker auch im dritten Spiel dieser Saison gegen die Westfalia ohne eigenes Tor geblieben war, lag nicht zuletzt am jüngsten Spieler auf dem Platz: Julian Wensky, 18 Jahre jung, eigentlich Torwart der A-Jugend der JSG Osterwick/Darfeld. „Der hält hier alles“, schüttelte Jojo Dönnebrink schon kurz vor dem Abpfiff anerkennend den Kopf. Tatsächlich schien der Youngster in seinem ersten Seniorenspiel überhaupt nicht nervös, rettete unter anderem überragend gegen Schüsse von Chris Klöpper (60.), Andreas Schulenkorf (76.) und Tom Kuschel (88.). „Sensationell“, lobte Jürgen Meier seinen Schnapper, der die Vertretung übernehmen muss, weil Julian Medding und Florian Prause wegen Verletzung beziehungsweise Beruf nicht mehr zur Verfügung stehen. „Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“ Denn Wensky ist nur einer aus dem starken Westfalia-Talentschuppen.

So groß der Jubel auf Osterwicker Seite war, so bitter die Enttäuschung bei den Schwarz-Weißen. „Angesichts unserer Chancen wäre mindestens ein Punkt verdient gewesen“, betonte Mario Beeke, der zudem traurig darüber war, dass der Ortsnachbar einer zunächst angedachten Verlegung des Spiels auf 17 Uhr letztlich doch nicht zugestimmt habe. „Dann hätte es personell bei uns besser ausgesehen“, sagte er. „Sehr bedauerlich, dass es offenbar nicht möglich war.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6465828?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947787%2F947889%2F
Nachrichten-Ticker