Rosendahl
Gift und Galle im Derby

Rosendahl. Die Manöverkritik gleich nach dem 2:2-Unentschieden in Darfeld bereitete ihnen einige Kopfschmerzen. „Es war ein seltsames Spiel“, sagte Tobias Paschert, Trainer von Westfalia Osterwick, „ich weiß nicht, in welche Schublade ich es packen soll.“ Jens Frieling, sein „Co“, stimmte ihm zu: „Sehr, sehr hektisch, ein typisches Derby, mit Gift und Galle drin.“

Dienstag, 15.10.2019, 05:14 Uhr
Rosendahl: Gift und Galle im Derby
Ausgehebelt: Carsten Daldrup (links) startet durch – Tobias Schönnebeck macht eine Bauchlandung. Fotos: Ulrich Hörnemann Foto: az

Auf dem Darfelder Kunstrasen flogen bisweilen die Fetzen. Christoph Ipe, der für Vorwärts Wettringen pfeift, durfte sich über Langeweile nicht beklagen. Auch wenn ihm aus den Zuschauerreihen kritische Töne entgegenschlugen, bekam er von Markus Lindner ein Lob. „Der Schiri hat die Ruhe behalten und keine dreckigen roten Karten verteilt“, stellte der Turo-Coach fest. „Hut ab!“ Vier Gelbe gab es für Darfeld, eine mehr für Osterwick.

Nach dem Schlusspfiff gesellte sich Carsten Daldrup zu Paschert und Frieling. Alle drei waren sich einig, dass der Unparteiische auch härter hätte durchgreifen können. „Wenn zwei, drei Mann vom Feld geflogen wären“, so Daldrup, „hätte sich keiner beschweren dürfen.“ Stimmt! Doch Christoph Ipe, der im Kreis Steinfurt zum Schiedsrichter des Jahres gekürt wurde, ließ Gnade vor Recht ergehen.

Die Platzherren haderten hinterher mit dem Remis. „Zwei Punkte haben wir verschenkt“, moserte Lindner. „Unser geiles Spiel wurde nicht belohnt“, klagte Daldrup. „Viel zu viele Möglichkeiten versemmelt“, legte Lindner nach. „Nach 25 Minuten hätte es schon 2:0 oder 3:0 für uns stehen müssen.“ Zwei aussichtsreiche Konter, die aus Abspielfehlern der Gäste resultierten, wurden nicht genutzt.

Deshalb hielt die frühe 1:0-Führung nur eine halbe Stunde lang. André Uphaus hatte gleich nach dem Anpfiff den Ball aus der eigenen weit in die gegnerische Hälfte geschlagen. „Einmal ist die Kugel aufgetitscht, dann hat Carsten Daldrup volley abgezogen“, staunte Lindner über diesen Geniestreich nach nicht mal 30 Sekunden, „Tor des Monats.“ In der Tat: Mit einem Schuss in den rechten oberen Winkel hatte Daldrup dem bedauernswerten Keeper Dominik Chmieleck keine Abwehrchance gewährt.

Der große Zauber, den die Darfelder entfachten, verpuffte nach einer knappen halben Stunde. Denn die Osterwicker, die sich zuvor viele Schnitzer leisteten, kamen ins Rollen und durch Leon Eggemann in der 30 Minute zum 1:1-Ausgleich. Uli Wirz hatte Felix Gövert die Kugel abgeluchst. Mühelos versenkte „Egge“ die anschließende Flanke im gegnerischen Gehäuse.

Leon Eggemann, der sich in den vergangenen Wochen wieder seiner Bestform näherte, erzielte acht Minuten darauf auch das 2:1. Pascal Leipelt, einer der Ältesten im Osterwicker Team, leistete die Vorarbeit. „Die Pässe von ‚Passi’ sind lebenswichtig für unser Spiel“, adelte Karlheinz „Kalle“ Könning den quirligen Offensivmann, „auch wenn er länger ausgesetzt hat, sieht man sofort, dass er nichts verlernt hat.“ Dann kramte Könning rasch sein Handy aus der Hosentasche und tippte die aktuellen Infos ein. „Ich mach’ hier den Live-Ticker für Thomas Schräder.“ Sein Kumpel, der ihn normalerweise stets auf den Sportplätzen im Münsterland begleitet, weilt derzeit mit seiner Gattin Susanne in Andalusien und lässt sich bei 30 Grad die Sonne auf den Pelz scheinen.

Der Spieler mit der Nr. 3 auf dem Rücken tauchte derweil an der Seitenlinie auf. „Wie lange noch?“, wollte Eggemann wissen. „Zeit genug, um zwei weitere Treffer zu machen“, antwortete Roland Kortüm, Co-Trainer aus Osterwick, schlagfertig. „Leg los! Fünf Minuten bleiben dir noch.“

In der Kabine schworen sich die Gäste auf den zweiten Durchgang ein. „Wir hatten einen klaren Plan, den wir allerdings nicht umgesetzt haben“, kritisierte Tobias Paschert die unbefriedigende Vorstellung seines Personals. „Es war eigentlich abgesprochen, dass wir über die Außen spielen“, ging er ins Detail, „das hat überhaupt nicht funktioniert.“

Im Gegenteil: Die Darfelder drückten vehement auf den Gleichstand, der ihnen auch frühzeitig gelang. Kevin Botella Ferreira setzte in der 51. Minute Felix Gövert in Szene, der Julius Fliß bediente. Kalt wie Hundeschnauze verwandelte Fliß die Maßvorlage zum 2:2. Hellauf begeistert sprach Markus Lindner von „einer Traum-Kombination“ und freute sich vor allem für den jungen Schützen, dem er in dieser Saison den ganz großen Durchbruch vorhergesagt hat.

In der Endphase wurde es immer hektischer. Florian Feitscher und Tobias Schönnebeck beharkten sich und lösten im Nu eine Rudelbildung aus. Mittendrin Kevin Botella Ferreira, der Heißsporn, der frisch Vater geworden ist und in seiner neuen Familienrolle hoffentlich mehr Geduld zeigt als auf dem Fußballplatz. Christoph Ipe bereinigte die Situation mit einer Bierruhe, zeigte Feitscher und Schönnebeck den gelben Karton. Und Ferreira? Der durfte zwei Stoßgebete gen Himmel schicken, dass ihm die dunkelrote Farbe erspart geblieben ist.

Florian Richters, der Joker, den Paschert in der 77. Minute eingewechselt hatte, wäre kurz vor Schluss fast noch zum Matchwinner avanciert, als er frei vor Jan-Simon Wilmer auftauchte. Torwächter Wilmer parierte den Richters-Schuss und rettete seinen Mitspielern einen Zähler.

Mit diesem 2:2 war freilich kein Darfelder zufrieden. Markus Lindner schon gar nicht: „Wir haben die dicksten Dinger verballert“, haderte er mit der mageren Ausbeute, „die beiden Gegentore haben wir den Osterwickern durch dumme Fehler geschenkt. Ansonsten habe ich von unserm Gegner nichts gesehen, denn die zweite Halbzeit ist klar an uns gegangen.“

Neben dem Verlust von zwei Punkten schmerzte ihn der Ausfall von Linus Sonneborn, der sich wohl einen Bänderriss zugezogen hat. Noch mal Lindner: „Sein Knöchel ist sofort angeschwollen.“

Tobias Paschert und Jens Frieling mussten eingestehen, dass ihnen an diesem Tag bei spätsommerlichen Temperaturen die Glücksgöttin Fortuna Beistand geleistet hat. „Einen Dreier“, bemerkte Paschert, „hätten wir nicht verdient gehabt.“ Und wäre dieses nachbarschaftliche Treffen 2:3 ausgegangen, „hätten wir uns nicht beschweren dürften“, betonte Frieling, der genauso enttäuscht war wie sein Klubkamerad. „Nein, das war keine Glanzvorstellung, die wir hier abgeliefert haben“, fügte Paschert hinzu.

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