Fußball: 1973 schaffen die Holtwicker den Aufstieg in die Bezirksklasse Emsland
Schwarz-Weiß glänzt und strahlt

Holtwick. Eigentlich darf es als logische Konsequenz angesehen werden. 1971 Platz fünf, 1972 Rang drei – nach dem Gesetz der Serie musste es also wieder zwei Plätze und damit aufs oberste Treppchen hochgehen. „Wir hatten eine gute Mannschaft“, blickt Othmar „Otti“ Thentie zurück. „Trotzdem kam das überraschend.“ Aber die Kicker von SW Holtwick steigerten sich im Saisonverlauf, legten eine ganz starke Rückrunde hin und feierten im Mai 1973 verdient den Meistertitel in der Kreisliga A inklusive Aufstieg in die Bezirksklasse Emsland – bis heute der letzte Sprung der Schwarz-Weißen in die überkreisliche Liga.

Samstag, 27.02.2021, 12:30 Uhr
Fußball: 1973 schaffen die Holtwicker den Aufstieg in die Bezirksklasse Emsland: Schwarz-Weiß glänzt und strahlt
Einer der überragenden Spieler bei SW Holtwick in der Meistersaison 1972/73: Rudi Damhus (links). Foto: SW Holtwick

Dabei fängt die Spielzeit 1972/73 gar nicht gut an für die Holtwicker: Zum Auftakt kassiert das Team beim ESV Coesfeld II eine 0:1-Niederlage. Eine Woche später gelingt der erste Sieg: Zwei Treffer von Otti Thentie und ein Tor von „Bubi“ Roling bescheren den 3:1-Erfolg beim SuS Hochmoor. „In der Hinrunde mussten wir viele Auswärtsspiele austragen“, erinnert sich Thentie. Denn der Ascheplatz, der seit einigen Jahren mit Kunstrasen versehen ist, musste erst noch gebaut werden.

Immerhin: Die Schwarz-Weißen bleiben dem großen Favoriten VfL Billerbeck, der in der Saison zuvor knapp hinter SF Merfeld den Aufstieg verpasst hatte, auf den Fersen. Die Billerbecker dominieren zunächst die A-Liga, kassieren erst am sechsten Spieltag mit dem 1:1 beim SuS Hochmoor den ersten Punktverlust und dürfen sich im Dezember 1972 auch mit dem inoffiziellen Titel des Herbstmeisters schmücken. Aber nur zwei Punkte dahinter liegen die Holtwicker in Lauerstellung. „Irgendwann war uns klar, dass wir es packen können.“

Und tatsächlich startet die Mannschaft nach der Winterpause richtig durch. „Wir hatten in der Saison ein richtiges gutes Team zusammen“, denkt Otti Thentie an Kicker wie Herbert Schier, „Bubi“ Roling, Rudi Damhus oder Franz-Josef „Puskas“ Mönsters. Der heute 73-Jährige trägt mit einigen Treffern zum Erfolg bei und ist zudem sehr flexibel einsetzbar. „Sturm, Mittelfeld, zur Not habe ich auch im Tor ausgeholfen“, lächelt er.

Was die Schwarz-Weißen in dieser Spielzeit auszeichnet, ist die Konstanz. Das 1:2 gegen DJK Dülmen am 14. Spieltag bleibt bereits die letzte Niederlage – in der Rückrunde sammelt das Team elf Siege bei vier Unentschieden ein. Mit dem 2:0-Erfolg gegen Adler Buldern am 18. Spieltag durch Tore von Rudi Damhus und Herbert Schier übernehmen die Holtwicker erstmals die Tabellenführung, die sie anschließend nicht mehr abgeben. Als Damhus am drittletzten Spieltag das goldene Tor zum 1:0-Sieg im Nachbarschaftsderby gegen Westfalia Osterwick erzielt, hat die Mannschaft drei Punkte Vorsprung auf Adler Buldern. Und am 20. Mai 1973 ist im Heimspiel gegen DJK Coesfeld das Meisterstück möglich – das sich die Schwarz-Weißen nicht mehr nehmen lassen: Herbert Schier besorgt die 1:0-Führung, die Rudi Damhus nach der Pause zum 2:0-Endstand ausbaut. Zum zweiten Mal nach 1952 schafft SW Holtwick mit 45:15 Punkten und 64:28 Toren den Aufstieg in die Bezirksklasse! „Das haben wir ordentlich gefeiert“, lächelt Thentie, der eine Woche später im letzten Spiel beim 1:1 gegen VfL Billerbeck den Ausgleich erzielt.

In der Bezirksklasse Emsland, in der es die Holtwicker mit Mannschaften wie SpVgg Vreden, SuS Neuenkirchen, TSG Dülmen oder Borussia Emsdetten zu tun bekommen, läuft es nicht so rund weiter. Zum Auftakt kann der Aufsteiger trotz der Treffer von Herbert Schier und Rudi Damhus eine 2:3-Niederlage gegen Raspo Coesfeld nicht verhindern. Zwar gelingt am dritten Spieltag mit dem 2:0 gegen Vorwärts Gronau (Tore erneut Schier und Damhus) der erste Sieg, am Ende steht aber mit 14:46 Punkten und 26:75 Toren der direkte Wiederabstieg in die 1. Kreisklasse.

Für Otti Thentie enden das Abenteuer Bezirksklasse und die gesamte aktive Karriere schon früher. Am siebten Spieltag zieht er sich beim 0:3 gegen GW Nottuln einen Kreuzbandriss zu. „Ich bin im Rasen hängengeblieben“, zuckt er mit den Schultern. In Hellersen wird versucht, den Schaden im Knie zu beheben – „aber damals war die Kunst noch nicht so weit wie heute.“ Mit nur 25 Jahren muss er die Treter an den Nagel hängen, bleibt dem Fußball aber als Schiedsrichter treu, über 30 Jahren lang bis 2006. Und Stammgast auf den Plätzen ist Thentie noch immer, wenn denn der Ball endlich wieder rollt. Gerne verfolgt er die Spiele seiner Enkel Mario (SuS Stadtlohn) und Maurice (SW Holtwick) – und drückt die Daumen, dass sein Heimatclub mal wieder den Sprung in die Bezirksliga schafft. „Vizemeister waren wir mal“, denkt er an die Saison 2015/16 zurück. „Aber den letzten Aufstieg haben wir 1973 geschafft.“

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