Geher-Legende
«Der Olympiasieger mit den drei Herzen»: Hartwig Gauder tot

Hartwig Gauder galt als Geher-Legende. Er wurde Weltmeister und Olympiasieger. Wegen seiner persönlichen Leidensgeschichte engagierte er sich als Vorstandsvorsitzender von «Sportler für Organspende». Jetzt ist Gauder mit 65 Jahren gestorben.

Donnerstag, 23.04.2020, 14:10 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 14:12 Uhr
Hartwig Gauder passiert 1980 bei den Olympischen Spielen von Moskau als Sieger des 50-km-Gehens im Leninstadion die Ziellinie.
Hartwig Gauder passiert 1980 bei den Olympischen Spielen von Moskau als Sieger des 50-km-Gehens im Leninstadion die Ziellinie. Foto: DB IOPP

Erfurt (dpa) - Der deutsche Sport trauert um Geher-Olympiasieger Hartwig Gauder. Der Erfurter, dem 1997 ein Spenderherz transplantiert worden war, starb am Mittwoch im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt.

Dies bestätigte seine Ehefrau am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zuerst hatten die «Thüringer Allgemeine» und die «Ostthüringer Zeitung» darüber berichtet.

Gauder holte 1980 in Moskau Gold über 50 Kilometer Gehen, war zudem 1986 Europameister und 1987 Weltmeister. Wegen seiner Krankheitsgeschichte wurde er oft als «Olympiasieger mit den drei Herzen» bezeichnet.

Im März 1995 wurde bei dem bis dahin kerngesunden einstigen Weltklasse-Athleten eine Einschränkung der Herzleistungsfähigkeit festgestellt. Gauder bekam infolge einer bakteriellen Infektion am Herzen ein Spenderorgan, überstand zehn Monate mit einem künstlichen Herzen. Nach quälender Warterei gelang am 30. Januar 1997 die Transplantation. Gauder kämpfte sich zurück ins Leben.

«Das war mein zweiter Geburtstag. Dafür empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit», sagte Gauder einmal. «Deswegen stelle ich auch jedes Jahr am 30. Januar eine Kerze auf für alle die Menschen, die sich bereiterklärt haben, Organe zu spenden.» Der Diplom-Architekt war Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Vereins «Sportler für Organspende».

Gauder wurde im schwäbischen Vaihingen/Enz geboren, 1960 zog seine Familie nach Thüringen. Die Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles entgingen ihm wegen des Boykotts der DDR. Acht Jahre später in Seoul holte er noch einmal Bronze, trat 1992 in Barcelona erneut bei Sommerspielen an und landete auf Rang sechs.

Mit seinem Spenderherzen absolvierte Gauder 1999 den New-York-Marathon als Walker und bestieg 2003 Japans heiligen Berg Fuji. 2016 wurde der Geher in die «Hall of Fame» des deutschen Sports aufgenommen. «Hartwig Gauder war nicht nur eine Geher-Legende und ein großartiger Olympiasieger, sondern eine herausragende Persönlichkeit des Sports», sagte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Jürgen Kessing.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) kondolierte auf Twitter: «Heute hat #Thüringen mit Hartwig #Gauder einen seiner begabtesten Sportler und unermüdlichen Streiter für das Thema #Organspende verloren. Wir trauern um einen großen Menschen.»

Gauder arbeitete in Jena am Universitätsklinikum und später in Thüringen im Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit. Der thüringische Sportminister und Parteikollege Helmut Holter teilte mit: «Mit Hartwig Gauder verliert die Thüringer Sportfamilie ein großartiges und auch über seine aktive Laufbahn hinaus sehr aktives und geschätztes Mitglied. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Meine Gedanken gelten seiner Familie.»

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