Tokio als Ziel
Ringer vor Marathon-Debüt in Valencia

So gut war noch kein Marathon in diesem Jahr besetzt. Valencia könnte als Mini-WM durchgehen, ein Jahr vor dem ersehnten Olympia-Start wollen sich viele Asse noch einmal zeigen. Richard Ringer freut sich auf sein Debüt. Er glaubt: «Da werden die Bestzeiten nur so purzeln.»

Donnerstag, 03.12.2020, 11:55 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 11:58 Uhr
Will im Elite-Feld in Valencia ein ordentliches Debüt abliefern.
Will im Elite-Feld in Valencia ein ordentliches Debüt abliefern. Foto: Jörg Carstensen

Valencia (dpa) - Beim späten Marathon-Highlight in Valencia will Richard Ringer im Feld der Super-Profis ein ordentliches Debüt abliefern und gleich mal ein Signal für Olympia setzen.

«Mein Ziel Nummer eins ist Tokio, ich will zu den Olympischen Spielen, ganz klar. Ich hab' einfach Bock auf Marathon», sagte der 31-Jährige vom LC Rehlingen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. An diesem Sonntag rennt der Routinier in Spanien seine ersten 42.195 Wettkampfmeter am Stück - und Ringer ist selbst gespannt.

«Sicherlich wird mein erster nicht gleich mein bester Marathon. Und die Zeit ist mir jetzt auch erst mal egal. Ich will herausfinden, ob ich überhaupt der Typ Marathonläufer bin», sagte der frühere Bahnspezialist, der wie viele Kollegen nun sein Glück auf der Straße sucht. Vor gut vier Jahren holte Ringer in Amsterdam EM-Bronze über 5000 Meter; auf der doppelten Distanz gewann er 2018 den Europacup. Nach langwieriger Verletzung trainiert der deutsche Serienmeister erst seit August dieses Jahres speziell für die längste olympische Laufstrecke.

Seither betreibt der Dauerläufer vom Bodensee einen «sehr großen Aufwand» für sein neues Abenteuer. Dennoch: Auf eine Zeit beim Debüt in dem reinen Profirennen will sich der Schützling von Trainer Wolfgang Heinig nicht festlegen. «Beim ersten Marathon darf man sich auch mal überraschen lassen», meinte Ringer, der als Controller bei einer Maschinenbaufirma in Friedrichshafen arbeitet und sich auf seine drei treuen Sponsoren verlassen kann: den Ausrüster Asics, seinen Verein und die Deutsche Sporthilfe.

In Valencia möchte Ringer «mit den anderen Deutschen im Feld mithalten» - zwei seiner Mitstreiter haben die Olympia-Norm (2:11:30 Stunden) für die auf 2021 verschobenen Sommerspiele schließlich schon geliefert: die beiden Wattenscheider Hendrik Pfeiffer (2:10:18 Stunden), der in Valencia nicht dabei ist, und Amanal Petros (2:10:29). Und nur ein Trio darf in Japan starten.

«Richard kommt ja nicht von irgendwo: Er hat schon viele Jahre langstreckenspezifisch trainiert», sagte Trainer Heinig der dpa. «Klar geht es am Sonntag um die Olympia-Norm, aber die bedeutet ja nichts: Er kann die Norm laufen - und doch nur Vierter werden. Das ist noch nicht gegessen», meinte der 69-Jährige, der seinem Schützling Großes zutraut: «Richard kann in den nächsten zwei, drei Jahren den deutschen Rekord verbessern. Er kann in der Region um 2:06 Stunden ankommen, das ist für mich durchaus realistisch», meinte der frühere Bundestrainer aus Frankfurt. Seit fünf Jahren steht der DLV-Rekord von Arne Gabius bei 2:08:33 Stunden.

Für Ringer hatte das verrückte Corona-Jahr auch gute Seiten. «Das war gar nicht so schlecht, dass man auch mal durchschnaufen konnte und nicht so gehetzt war», sagte der langgediente Leichtathlet. «Man konnte sich mal fragen: Was will man denn im Leben überhaupt machen? Und mit Leben meine ich nicht nur den Sport.»

Doch der bleibt die größte Herausforderung. Nie war ein Marathon- Elitefeld so gut bestückt wie in Valencia: Bei den Männern kommen neun Läufer mit Bestzeiten von unter 2:05 Stunden, insgesamt 35 sind schon unter 2:10 Stunden gerannt. Das ist auch die Chance für die zweite Reihe. Ringer: «Da werden die Bestzeiten nur so purzeln.»

© dpa-infocom, dpa:201202-99-548381/7

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