Hallen-Europameisterschaft
Wegweiser nach Tokio: DLV-Asse mit Licht und Schatten

Der Härtetest für die deutschen Leichtathleten bei der Hallen-EM in Torun zeigt: Der Weg bis zu den Tokio-Spielen in der Pandemie wird schwer. Auch die Vorzeigeathletin Malaika Mihambo kann trotz des Silbergewinns nicht überzeugen. Insgesamt gibt es sechs Medaillen.

Sonntag, 07.03.2021, 19:31 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 19:34 Uhr
Malaiko Mihambo sprang bei der Hallen-EM mit 6,88 Metern zu der Silbermedaille.
Malaiko Mihambo sprang bei der Hallen-EM mit 6,88 Metern zu der Silbermedaille. Foto: Darko Vojinovic

Torun (dpa) - Die Hallen-EM ist kein Sprungbrett für mögliche Medaillen bei den Olympischen Spielen in Tokio für die deutschen Leichtathleten gewesen - eher ein Wegweiser.

«Es war ein Schritt in die richtige Richtung», sagte Weitsprung-Star Malaika Mihambo, die sich mit großen Sätzen bestens auskennt und im polnischen Torun auf dem Silberrang landete. Für die Weltmeisterin und ihre deutschen Mitstreiter gibt es bis zur Olympia-Eröffnung am 23. Juli noch viel zu tun, um trotz Pandemie optimal vorbereitet in Tokio zu starten.

«Die deutsche Mannschaft hat in Torun gut performt. Man hat aber auch gesehen, dass viel mehr in ihr steckt, als sie in Torun in manchen entscheidenden Momenten zeigen konnte», bilanzierte Annett Stein, Cheftrainerin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Insgesamt gewannen DLV-Asse sechs Medaillen - 2019 waren es fünf.

«Ich habe mich in dieser Hallensaison schwer getan mit dem langen Anlauf, aus dem ich ein Jahr nicht gesprungen bin», sagte Mihambo. «Jetzt geht es darum, bis zum Sommer daran zu feilen.» Wegen Rückenbeschwerden hatte sie ihren Körper 2020 schonen wollen und machte 16 statt 20 Schritte bis zum Absprung. Seit der Rückkehr zum langen Anlauf trifft sie das Brett seltener, fliegt weniger weit.

Im Finale von Torun verschenkte Mihambo beim Silbersatz über 6,88 Meter einige Zentimeter und wohl den ersten Sieben-Meter-Sprung im Winter. «Effektiv war ich die Beste, aber im Ergebnis nur die Zweitbeste», befand die 27-Jährige von der LG Kurpfalz. «Ich bin zuversichtlich und weiß, dass ich noch einen Sprung über sieben Meter bringen kann.»

Fortgesetzt hat Dreispringer Max Heß die bronzene Medaillenserie. Nach 2019 und 2017 gelang ihm erneut mit 17,01 Meter der Sprung auf Rang drei hinter dem Portugiesen Pedro Pablo Pichardo (17,30 Meter) und Alexis Copello (Aserbaidschan/17,04). «Das ist die ärgerlichste Bronzemedaille», klagte der Chemnitzer. «Es waren vier ungültige Versuche dabei, die das Potenzial hatten, bei Gold mitzuspielen.»

Völlig überraschend gewann Dreisprung-Kollegin Neele Eckardt ebenfalls Bronze. Erst im letzten Versuch wurde die Göttingerin von Ana Peleteiro (Spanien) vom 2. Platz verdrängt. Sie war wie die deutsche Hallen-Meisterin 14,52 Meter weit geflogen, hatte aber insgesamt die besseren Versuche. «Ich war fassungslos, mit 14,52 Meter habe ich nicht gerechnet. Besser hätte es nicht laufen können», sagte Eckardt, die zudem die Olympia-Norm knackte. Den Titel holte mit nur einem Zentimeter mehr Patricia Mamona aus Portugal.

Als Nummer eins in Europa ging Kevin Kranz an den Start, mit Silber über 60 Meter reiste er nach Wetzlar zurück. «Auch wenn ich Bestzeit gelaufen wäre, hätte ich nicht gewonnen», sagte der 22-jährige Sprinter. In 6,60 Sekunden kam er hinter dem Italiener Lamont Marcell Jacobs ins Ziel, der in 6,47 Sekunden eine Weltbestzeit rannte. «Ich wäre gerne schneller gelaufen, bin aber erstmal glücklich.»

Mehr als Glück empfand Hanna Klein nach Bronze in 4:20,07 Minuten über 1500 Meter. «Es war mein Traum, eine Medaille zu gewinnen. Es ist meine erste bei einer großen Meisterschaft - die Farbe ist mir relativ egal», sagte die Tübingerin. Schlecht gelaufen ist es für Gesa Krause. Die Hindernis-Europameisterin wurde in dem Lauf nur Letzte. «Trotz dieses Rennens bin auf gutem Weg nach Tokio», sagte die Triererin. «Ich bin aus einem Tief immer stärker herausgekommen.»

Olympia-taugliche Höhen erreichte auch Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko nicht. Gehandicapt durch Fußprobleme überquerte der 28-jährige Leverkusener nur 2,19 Meter. «Ich bin echt traurig», sagte er verzagt, versicherte nach einer schwierigen Phase aber dennoch: «Das Fluggefühl ist wieder da. Im Sommer geht es richtig ab.»

Einen «Salto nullo» legte Bo Kanda Lita Baehre hin. Der WM-Vierte aus Leverkusen scheiterte an der Anfangshöhe. Für Vereinskamerad Torben Blech war schon in der Qualifikation Endstation. Der Landauer Oleg Zernikel wurde im Finale mit 5,70 Meter Vierter. Europameister wurde Armand Duplantis mit 6,05 Meter. Der Schwede scheiterte jedoch am Versuch, seinen Weltrekord auf 6,19 Meter zu verbessern.

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