DM in Balve
Nach Aussetzer: Werth reitet zum 15. Dressur-Titel

Deutsche Meisterschaften in drei Disziplinen an einem Wochenende - und die kurioseste Geschichte schreibt wieder einmal die erfolgreichste Reiterin der Welt.

Sonntag, 16.06.2019, 17:02 Uhr aktualisiert: 16.06.2019, 17:04 Uhr
Isabell Werth freut sich über ihren Sieg auf Emilio.
Isabell Werth freut sich über ihren Sieg auf Emilio. Foto: Friso Gentsch

Balve (dpa) – Auch eine Seriensiegerin macht mal Fehler. Einen Tag nach ihrem unerklärlichen Aussetzer hat sich Dressurkönigin Isabell Werth bei den deutschen Meisterschaften in Balve doch noch ihren 15. nationalen Titel geholt.

Die 49-Jährige aus Rheinberg siegte in der Kür souverän. Für den Auftritt mit ihrem Pferd Emilio erhielt die Rekordreiterin 88,150 Prozent, nachdem sie sich am Vortag einen peinlichen Patzer erlaubt hatte.

«Heute war ich im Kopf klar», sagte Werth grinsend. «Gestern haben mich noch alle aufgezogen», berichtete sie vergnügt: «Aber jetzt bin ich total happy.» Hinter der Kür-Siegerin kam Jessica von Bredow-Werndl aus Tuntenhausen mit Dalera (85,600) auf Platz zwei. Dritte wurde Helen Langehanenberg aus Billerbeck mit Damsey (84,275).

Am Vortag hatte sich Werth im Grand Prix Special beim Sieg von Dorothee Schneider (Framersheim) auf Showtime mit Platz zwei begnügen müssen, weil sie sich verritten hatte. Die erfolgreichste Reiterin der Welt war auf dem Weg zu einer weiteren Goldmedaille, lag in Führung - und ritt dann mit Bella Rose Zweierwechsel statt einer Galopp-Traversalen. Der Chefrichter schien genauso geschockt darüber zu sein wie die Reiterin: Er reagierte erst mit Verspätung und klingelte als Zeichen für den Fehler deutlich verzögert. Danach musste Werth die Aufgabe neu anreiten.

«Ich war einfach nicht gut genug», kommentierte Werth und sagte: «Das Pferd war heute eindeutig besser als ich.» Mit Blick auf den CHIO sagte sie grinsend: «Ich hoffe, dass ich bis Aachen meine Gehirnzellen wieder rekultiviert habe.» Das gelang ihr aber schon am Sonntag, als sie sich in der Kür wieder in Topform präsentierte und mit ihrem Zweitpferd Emilio sicher gewann.

Während Werth immer wieder den Kopf schüttelte, konnte Schneider ihren Sieg im Special kaum fassen. «Ich hab's geschafft», rief die 50 Jahre alte Dressurreiterin. «Das ist sehr emotional», sagte die Siegerin, die mit 80,745 Prozent gewann. Hinter Werth wurde von Bredow-Werndl mit Dalera (79,588) Dritte.

Die Meisterschaften der Springreiter sicherte sich überraschend Felix Haßmann. Der 33 Jahre alte Profi aus dem westfälischen Lienen gewann den Titel mit Cayenne im Stechen. Zweiter wurde Jan Wernke aus Holdorf mit Nashville. «Das ist traumhaft», kommentierte der Sieger: «Mein Pferd sprang heute super.»

Nur Wernke und Haßmann schafften vier fehlerfreie Runden, sodass die Entscheidung im Stechen fallen musste. Der jüngere der reitenden Haßmann-Brüder setzte sich fehlerfrei durch, während sein Konkurrent in der entscheidenden Runde patzte. Dritter wurde Hendrik Sosath aus Lemwerder mit Casino Berlin, der in vier Runden ohne Abwurf blieb und nur drei Strafpunkte wegen Zeitfehlern sammelte.

An einem Wochenende mit Meisterschaften in den drei olympischen Pferdesportdisziplinen gehörte auch Vielseitigkeitsreiterin Julia Krajewski zu den Siegerrinnen. Die 30-Jährige aus Warendorf behauptete am Sonntag im abschließenden Springen auf ihrem Toppferd Samourai du Thot ihre knappe Führung nach der Dressur und dem Geländeritt und gewann wie im Vorjahr den Titel. Als letzte Starterin durfte sie sich keinen Zeitfehler mehr erlauben, um nicht den Titel noch an Ingrid Klimke zu verlieren. Durch die Nullrunde blieb sie vor der zweimaligen Team-Olympiasiegerin aus Münster auf der jungen Stute Asha. Am Ende trennte die beiden Paare gerade einmal 0,1 Strafpunkt. Dritter wurde Dirk Schrade aus Heidmühlen auf Unteam de la Cense.

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