Tour de France
Chris Froome strebt fünften Toursieg an

Der umstrittene Radprofi Chris Froome will unbedingt ein «Erbe» hinterlassen und ist im Juli heiß auf seinen fünften Toursieg. Er startet am 12. Februar in Kolumbien in die Saison. Sein Kollege Geraint Thomas widersteht der Froome-Empfehlung für einen Giro-Start.

Montag, 11.02.2019, 09:37 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 09:40 Uhr
Geraint Thomas (l) fährt im Gelben Trikot des Gesamtführenden auf der letzten Etappe der Tour de France 2018 neben Chris Froome.
Geraint Thomas (l) fährt im Gelben Trikot des Gesamtführenden auf der letzten Etappe der Tour de France 2018 neben Chris Froome. Foto: Marco Bertorello

Medellin (dpa) - Das Unternehmen Toursieg Nummer fünf beginnt für Chris Froome in Medellin. Am 12. Februar startet der britische Radprofi beim 13 Kilometer langen Zeitfahren zum Auftakt der extrem schweren Kolumbien-Rundfahrt in die Saison.

Sein Teamkollege, der aktuelle Tour-de-France-Champion Geraint Thomas, legte die ersten Wettkampf-Kilometer 2019 bei der Valencia-Rundfahrt mit mäßigem Erfolg zurück. Aber immerhin widerstand der Waliser den Empfehlungen des Altmeisters, der ihn zum Giro-Start («Die Strecke ist perfekt für ihn») loben wollte.

Froome hatte seinem Freund einen Start ab dem 11. Mai in Italien sehr schmackhaft gemacht, wohl wissend, dass Thomas dann womöglich in Frankreich das letzte Quäntchen im Kampf um Gelb vielleicht nicht mehr aktivieren könnte. So erging es Froome im vergangen Jahr - in Paris hatte es für den viermaligen Triumphator nach vorangegangenem Giro-Sieg nur zu Rang drei gereicht. «Ich will nicht meine Tour-Chancen riskieren. Als Titelverteidiger muss ich dort in der besten Verfassung antreten», ließ Thomas in einem BBC-Interview wissen und vertröstete die Veranstalter in Italien auf 2020.

Der 33 Jahre alte Froome wurde etwas pathetisch: «Ich habe viermal die Tour gewonnen und bin im richtigen Alter, um ein Erbe zu hinterlassen. Ein fünftes Mal zu gewinnen, wäre der beste Weg, den Kreis zu schließen.» Mit dem heiß ersehnten fünften Erfolg auf den Champs-Élysées würde er zu den Branchen-Klassikern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufschließen.

Abgesehen von Fragen der Team-Hierarchie gibt es beim Team Sky im letzten Jahr des Sponsorings natürlich das handfeste Problem der zukünftigen Finanzierung der hoch bezahlten Stars. Thomas ist jedenfalls zuversichtlich. «Wir haben jedes Vertrauen, dass wir einen neuen Sponsor finden. Seit dem Teamstart 2010 bin ich dabei. Es fühlt sich wie eine Familie an und wir wollen zusammenbleiben.» Letztes Gerücht war ein möglicher Einstieg des schillernden Milliardärs Oleg Tinkow, der einst das Team von Bjarne Riis kaufte und dort seinen Topstar Alberto Contador mit kritischen Kommentaren quälte.

Tinkow und Sky, das wäre eine illustre Kombination. «Er hat doch einen Charakter», sagte Thomas mit einem Lächeln zu den Spekulationen. Der Russe will von einem Rad-Comeback aber nichts wissen. Bis ein möglicher Investor gefunden ist, wollen Thomas, Froome und Co. mit Siegen Werbung betreiben. Dafür steht der Team-Spirit an oberster Stelle - auch für Froome, der wegen der Kortison-Affäre im vergangenen Jahr erst in letzter Sekunde die Tour-Starterlaubnis erhalten hatte. «Bei Sky fahren wir immer für das Team. Letztes Jahr hat mich der Sieg von Geraint bei der Tour sehr gefreut», sagte der Seriensieger aus Großbritannien, der sich 2018 ohne Murren in den Dienst des stärkeren Thomas gestellt hatte. In dieser Saison muss sich die Freundschaft in Frankreich einer weiteren harten Belastungsprobe stellen.

Wenn der fünfte Toursieg glücken sollte, hat Froome noch mindestens ein Karriere-Highlight im Visier. Bei den Olympischen Spielen in Tokio ist er 2020 heiß auf Gold im Straßenrennen. «Ich müsste mein Vorbereitungs-Programm komplett ändern, aber das wäre es wert», meinte der im kenianischen Nairobi geborene Sky-Profi, der sich seit Anfang des Monats auf über 3000 Meter Höhe auf seine Premiere bei der Sieben-Etappen-Tour in Kolumbien vorbereitet. Gold im Olympiarennen hat auch Thomas auf seinem langfristigen Wunschzettel.

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