US Open & Co.
Reisebeschränkungen und Corona: Warten im Tennis geht weiter

Das Warten geht weiter. Wann wird weltweit wieder Tennis gespielt? Vor allem das Reisen wird zum Problem. Zu viele Fragen sind noch nicht gelöst. Dass so die US Open stattfinden, scheint nur sehr schwer vorstellbar. Doch die Macher versuchen alles.

Mittwoch, 22.07.2020, 14:02 Uhr aktualisiert: 22.07.2020, 14:06 Uhr
Die Austragung der US Open sind weiter mehr als fraglich.
Die Austragung der US Open sind weiter mehr als fraglich. Foto: Peter Morgan

New York (dpa) - Die Beschwichtigung der US-Open-Macher ließ nicht lange auf sich warten.

Nur kurz nach der Absage des ATP-Turniers in Washington verschickte der amerikanische Tennis-Verband USTA ein Statement und machte deutlich, dass er nach wie vor fest gewillt ist, trotz der heftigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie vom 31. August an das Grand-Slam-Turnier in New York auszutragen. Doch dass das Millionen-Event und das zuvor geplante aus Cincinnati importierte Masters-Turnier tatsächlich in Flushing Meadows stattfinden, ist seit dieser Woche fraglicher denn je.

Zum einen sprechen die stetig weiter wachsenden Corona-Fälle in den USA gegen eine Durchführung der Mammut-Veranstaltung. Was den Bossen um Turnierdirektorin Stacey Allaster aber am meisten Sorgen bereitet, sind die weltweit herrschenden Reisebeschränkungen. Denn derzeit ist völlig unklar, ob die aus der ganzen Welt anreisenden Spielerinnen und Spieler nach der Einreise in die USA erst einmal in Quarantäne müssen, oder nicht.

Gleiches gilt für die Frage, was bei der Rückkehr nach Europa passiert, wo die Tennis-Tour ab Mitte September mit den Sandplatz-Turnieren in Madrid, Rom und den French Open in Paris wieder richtig Fahrt aufnehmen soll. Eine zweiwöchige Quarantäne im Anschluss an die US Open würde den Profis den Start in Madrid zum Beispiel unmöglich machen.

«Leider gibt es im Moment noch zu viele Faktoren, die außerhalb unserer Kontrolle liegen», sagte ATP-Boss Andrea Gaudenzi zur Absage der Veranstaltung in Washington. Bis zuletzt hatten die Organisatoren in der US-Hauptstadt um eine Durchführung gekämpft, am Dienstag gaben sie auf. Auch, um auf die ungelösten Probleme der Reisebeschränkungen aufmerksam zu machen. «Ich glaube, unsere Absage könnte die Lösung der Einreise-Probleme beschleunigen», sagte Turnierdirektor Mark Ein der «New York Times». Zumal es selbst innerhalb der USA bei der Reise zwischen verschiedenen Bundesstaaten unterschiedliche Regeln gibt.

Doch wie eine Lösung aussehen soll, weiß im Moment niemand. «Das wird uns noch das ganze Jahr beschäftigen», sagte WTA-Boss Steve Simon der Zeitung «The National». «Woche für Woche ist derzeit alles provisorisch. Aber wir müssen so viel wie möglich versuchen, denn dieses Virus ist morgen nicht weg», sagte Simon. Eine Normalität werde es wahrscheinlich sogar erst 2022 wieder geben.

Auch die Spieler warten täglich gebannt auf Neuigkeiten. «Ich möchte gerne rübergehen», sagte Davis-Cup-Profi Jan-Lennard Struff im TV-Sender Sky. «Wir haben solange nicht gespielt, es brennen alle auf den Wettkampf», sagte die deutsche Nummer zwei. Bei den Damen soll es am 3. August in Palermo wieder losgehen.

Seit Mitte März ruht die weltweite Tour, die Profis versuchen sich bei Einladungsturnieren wie zuletzt in Berlin oder ab der kommenden Woche in Halle/Westfalen fit zu halten und zumindest ein klein wenig Matchpraxis zu bekommen. Die Tatsache, dass fast täglich neue Events mit Show-Charakter bekanntgegeben werden, zeigt, dass die Branche selbst riesige Zweifel an einer Durchführung der US Open hat. «Ich kann es mir, um ehrlich zu sein, nur schwer vorstellen», sagte Barbara Rittner, Damen-Chefin im Deutschen Tennis Bund. «Wenn ich Spielerin wäre, würde ich im Moment nicht nach New York reisen.»

Doch die Macher in New York wollen die US Open mit aller Macht durchziehen. Auch weil seitens Sponsoren und dem TV-Sender ESPN offenbar Druck gemacht wird. Der Organisatoren würden eine «sichere und kontrollierte» Umgebung für alle Spielerinnen und Spieler sowie ihre Begleitpersonen gewährleisten, wiederholte der Verband am Dienstag. Geplant ist, dass alle Beteiligten in einem Flughafen-Hotel wohnen und sich nur zwischen Unterbringung und Anlage bewegen dürfen.

Ohne eine Antwort auf die vielen Reisefragen kann die geplante Blase aber noch so sicher geplant sein - dann wird es die US Open in diesem Jahr nicht geben. Eine Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen.

© dpa-infocom, dpa:200722-99-884961/2

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