Gelb, Geld, Gold
Stresstest und «Bonus»-Wochen für Flieger Geiger

Mit dem bisherigen Winter hat Skispringer Karl Geiger schon all seine Erwartungen übertroffen. Doch in den verbleibenden Wochen gibt es die Chance auf 60.000 Euro - und bisher nie erreichte Einzelerfolge.

Donnerstag, 05.03.2020, 12:13 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 12:16 Uhr
Der derzeit beste deutsche Skispringer: Karl Geiger jubelt nach einem Sprung.
Der derzeit beste deutsche Skispringer: Karl Geiger jubelt nach einem Sprung. Foto: Markku Ulander

Oslo (dpa) - Mit dem Schwung des Erfolgs vom Jubiläumsweltcup geht es für Skispringer Karl Geiger in die stressigsten Wochen des Jahres.

Gerade einmal fünf Tage nach seinem Sieg beim 1000. Weltcup beginnt für Deutschlands besten Skispringer am Freitag die turbulente Raw-Air-Serie in Skandinavien, bei der an zehn aufeinanderfolgenden Tagen immer gesprungen wird. «Mein Ziel ist es, wie bei der Tournee wirklich durchzuziehen und dann bin ich schon happy mit dieser Saison. Sie ist sensationell verlaufen», sagte Geiger vor dem Aufbruch nach Norwegen der Deutschen Presse-Agentur.

Erst Geld und Gelb, dann auch noch Gold? In den verbleibenden drei Wochen dieses Winters kann Geiger nicht nur die bisher herausragende Saison krönen, sondern auch ganz neue Erfolge einfahren. Zunächst winkt bei der Raw Air ein Sieger-Preisgeld von 60.000 Euro. Gleichzeitig ist Geiger im Gesamtweltcup erster Herausforderer von Österreichs Stefan Kraft, der sein Gelbes Trikot derzeit mit 118 Punkten Vorsprung vor dem Allgäuer trägt. Bei der Skiflug-WM im slowenischen Planica vom 19. bis 22. März wartet schließlich noch die Chance auf Edelmetall.

«Es ist mit Abstand meine beste Saison und es freut mich extrem, dass es so aufgegangen ist. Es gibt einem auch Motivation. Ich bin extrem zufrieden und alles, was jetzt noch kommt, ist mehr oder weniger Bonus», sagte der 27-Jährige vor dem Stresstest in Norwegen, der neben dem Auftakt in Oslo auch Wettbewerbe in Lillehammer, Trondheim und auf der Flugschanze in Vikersund beinhaltet. Das Duell mit dem konstant starken Kraft wird für Geiger zu einer Riesenaufgabe, denn bei einem Rückstand von 118 Zählern ist der Oberstdorfer auch auf Schützenhilfe in den verbleibenden vier Einzelspringen angewiesen.

Keinen Zweifel lässt Geiger daran, wie viel Wert er dem Gelben Trikot beimisst. «Der Gesamtweltcup ist leistungsmäßig schon das Größte, was man so als Sportler gewinnen kann, weil es die Leistung über eine ganze Saison zeigt», sagte der Tournee-Dritte. «Bei WM oder Olympia ist es ein Wettkampf und wenn der daneben geht, dann hat man die nächste Chance in vier Jahren. Da gehört auch eine Portion Glück dazu», begründete Geiger.

Die vor drei Jahren in Norwegen neu eingeführte Wettkampfserie Raw Air bildet auch gewissermaßen eine Konkurrenz für die traditionelle Vierschanzentournee und erntet von Athleten und Trainern regelmäßig großes Lob. In drei Punkten scheint die Raw Air der Tournee derzeit sogar voraus: Der Transport von Schanze zu Schanze wird zentral organisiert und damit den Teams erleichtert. Zudem ist das Preisgeld deutlich höher und die Gleichberechtigung schon ein großes Stück weiter fortgeschritten.

Während bei der Tournee nach 68 Jahren noch über eine Beteiligung der Frauen diskutiert wird, ist sie in Skandinavien bereits im dritten Raw-Air-Jahr eingeführt worden. Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl lobte: «Die Logistik bei der Raw Air ist sensationell.» Anders wäre das zehntägige Dauerspringen mit über 1000 Reisekilometern wohl gar nicht möglich.

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