Suche nach dem Ungewöhnlichen
Kurzfilmtage in Oberhausen mit 499 Beiträgen

Nach der Beobachtung der Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen denken gerade außereuropäische Filmemacher viel über die Folgen von Geo- und Identitätspolitik nach. Und von den Filmhochschulen kommt zur viel konventionelle Ware.

Mittwoch, 12.04.2017, 18:43 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 12.04.2017, 18:43 Uhr
Lars Henrik Gass ist Festivalleiter der Oberhausener Kurzfilmtage.
Lars Henrik Gass ist Festivalleiter der Oberhausener Kurzfilmtage. Foto: Roland Weihrauch

Oberhausen (dpa) - Schon im zweiten Jahr in Folge stellen die traditionsreichen Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen den deutschen Filmhochschulen ein künstlerisch unrühmliches Zeugnis aus.

«Wir haben in diesem Jahr sehr viele interessante Arbeiten gesehen, die von Kunsthochschulen stammen und nicht von klassischen Filmhochschulen», sagte Carsten Spicher, Leiter des deutschen Wettbewerbs, bei der Vorstellung des für Mitte Mai anstehenden Programms am Mittwoch.

«Ein Grund dafür ist sicher die Tatsache, dass die Kurzfilmtage immer nach dem Ungewöhnlichen suchen», erklärte Spicher. «Während Filmhochschulen ihre Absolventen stärker mit Blick auf die Konventionen von Fernsehen und Kino ausbilden, legen Kunsthochschulen mehr Wert auf die Freiheit der Form und des Ausdrucks, die wir in den Filmen suchen.» 2016 waren es vor allem Filmemacher aus der freien Szene gewesen, die den Wettbewerbsleitern positiv aufgefallen waren.

Vom 11. bis 16. Mai findet das traditionsreiche Festival zum 63. Mal statt. Zu sehen sind dann insgesamt 499 Kurzfilme zwischen einer und 45 Minuten Länge, ausgewählt aus knapp 7000 Einsendungen. 148 Beiträge laufen in den verschiedenen Wettbewerben.

Im deutschen Wettbewerb konkurrieren 22 Filme. Einer davon ist der in Oberhausen zur Uraufführung anstehende 15-Minüter «Moon Over Da Nang» des Medienkünstlers Bjørn Melhus, der Medienbilder von Vietnamkrieg und Mondlandung mit dem Da Nang von heute verknüpft. Der 1966 geborene Deutsch-Norweger Melhus ist dafür bekannt, dass er in seinen Filmen alle Rollen selber spielt. Zu seinem Werk gibt es dieses Mal auch ein eigenes Profil-Programm.

Der internationale Wettbewerb zeigt 56 Filme aus knapp 5500 Einreichungen. «In diesem Jahr fällt, vor allem in außereuropäischen Filmen, die Auseinandersetzung mit Folgen von Geopolitik und Identitätspolitik ins Auge», sagt Wettbewerbs-Leiterin Hilke Doering über die Themenschwerpunkte. Laut den Organisatoren sind die Hälfte der internationalen Wettbewerbsbeiträge Weltpremieren.

Im NRW-Wettbewerb laufen 13 Arbeiten, darunter der Animationsfilm «Ayny» über zwei Jungen und eine tragische Begebenheit in einem Flüchtlingslager, mit der der Kölner Filmstudent Ahmad Saleh 2016 in Los Angeles den Studenten-Oscar für den besten ausländischen Animationsfilm gewann.

Begleitet werden die Filme von einem Diskussionsprogramm zu Themen wie «Die autoritäre Wende in der Türkei: Wann fing alles an?», «Soziale Medien vor dem Internet» und «Die Politik des Kalten Krieges neu gelesen mit pan-afrikanischen Zeitschriften».

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4765658?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947955%2F947961%2F
Nachrichten-Ticker