Lauter große Namen
Milliardärin zeigt erstmals ihre Sammlung

Premiere für eine Privatsammlung: Die Milliardärin Heidi Goëss-Horten zeigt erstmals 170 ihrer gesammelten Werke. Die Schau im Leopold Museum in Wien ist wie ein «Who is Who» der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Donnerstag, 15.02.2018, 16:10 Uhr

Heidi Horten im Leopold Museum in Wien.
Heidi Horten im Leopold Museum in Wien. Foto: Andreas Tischler

Wien (dpa) - Die groß dimensionierte «Forest Scene» des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein von 1980 hängt normalerweise in der Empfangshalle ihres Luxus-Domizils am Wörthersee.

Auch die von ihr gesammelten Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Lucian Freud, Francis Bacon, Paul Klee, Egon Schiele, Gustav Klimt, Gerhard Richter, Damien Hirst und Andy Warhol verschönern als Wandschmuck den Alltag der 77-jährigen österreichischen Milliardärin Heidi Goëss-Horten. Die Witwe des deutschen Kaufhaus-Königs Helmut Horten (1909-1987) hat eine Sammlung höchstkarätiger Kunst aufgebaut. Nun hat sie erstmals 170 Gemälde und Skulpturen zu einer Schau für die Öffentlichkeit zusammenstellen lassen. Bis zum 29. Juli ist «WOW! - The Heidi Horten Collection» im Wiener Leopold Museum zu betrachten.

Eine «außergewöhnliche Privatsammlung» - sie umfasst insgesamt rund 700 Werke - ermögliche nun einen Gang durch die Kunstgeschichte der vergangenen 110 Jahre, meinte der Direktor des Leopold Museums, Hans-Peter Wipplinger, am Donnerstag. Ein Schwerpunkt der Schau liegt auf den deutschen Expressionisten. Max Pechstein («Gelbe Maske II»/1910), Emil Nolde («Anna Wieds Garten»/1907), Ernst Ludwig Kirchner («Rote Akte»/1912) oder August Macke («Zwei Frauen vor dem Hutladen»/1913) werden präsentiert. Eines der bekanntesten Landschaftbilder des Jugendstilmalers Klimt, die «Kirche in Unterach am Attersee» von 1916, hängt unweit von Egon Schieles «Damenbildnis» von 1912, auf dem er seine Lebensgefährtin Wally Neuzil verewigte.

Ein Schwammmbild von Yves Klein («RE 1»/1958) hat Horten genauso gekauft wie die radikalen Schlitzbilder des italienischen Avantgardekünstlers Lucio Fontana, der Leinwände bewusst zerschnitt. Die Sammlung Horten ist verbunden mit einem Auktionscoup 1994 bei Sotheby's in London. Damals gelang es der Milliardärin anonym, 34 Bilder allererster Güte zu ersteigern. Darunter auch ihr erklärtes Lieblingsmotiv «Les Amoureux» (1916) von Marc Chagall.

Goëss-Horten gilt mit einem vom Magazin «Forbes» auf 2,7 Milliarden Euro geschätzten Vermögen als reichste Österreicherin. Die Tochter eines Graveurs hatte ihren Mann Helmut Horten 1959 am Wörthersee kennengelernt. Ihr Mann hatte den Grundstein seines Vermögens in der NS-Zeit gelegt, als er von der Enteignung der Juden durch die Nazis profitierte. Mit dem Verkauf seines Kaufhausimperiums genau zum richtigen Zeitpunkt - Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre - wurde Horten zum Milliardär und sparte durch den Umzug in die Schweiz 250 Millionen Mark an Steuern. Der Bundestag verabschiedete unter dem Eindruck dieses Vorfalls, der die Bürger empörte, die «Lex Horten», und stopfte eine Lücke im Steuerrecht.

Die 77-Jährige hat nach dem Tod ihres Mannes das Sammeln von Kunst zu ihrer Aufgabe gemacht. Sie startete damit zu einem guten Zeitpunkt, denn der Kunstmarkt bot in den 90er Jahren höchst attraktive Preise für Käufer. Darüber hinaus sitzt sie im Stiftungsrat der Horten-Stiftung, die medizinische Einrichtungen und Forschungen unterstützt. Goëss-Horten, die mit der 100 Meter langen «Carinthia VII» eine der weltweit größten Yachten besitzt, engagiert sich als Ehrenpräsidentin des Klagenfurter Athletiksportclubs (EC KAC) auch im Eishockey.

Für die Dauer der Ausstellung hat sie ein Luxusproblem, das dann doch keines ist. Die in ihren Villen verwaisten Wände könne sie mit anderen Bildern schmücken. «Wir werden schon was finden, was wir aufhängen», sagte sie im ORF-«kulturMontag».

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