Eine Frage der Pietät
Gräber unter dem Boden der Kasseler Karlskirche gefunden

Unter dem Fußboden einer alten Kirche im hessischen Kassel wurden bei Sanierungsarbeiten 27 Grabstätten mit den Überresten von 40 Menschen entdeckt. Ein außergewöhnlicher Fund, wie der Ausgrabungsleiter meint.

Donnerstag, 12.07.2018, 12:44 Uhr

Blick in die Kasseler Karlskirche mit den freigelegten Gräbern.
Blick in die Kasseler Karlskirche mit den freigelegten Gräbern. Foto: Uwe Zucchi

Kassel (dpa) - Bei Renovierungsarbeiten sind in der Kasseler Karlskirche 27 Gräber mit den Überresten von 40 Menschen gefunden worden. Sie befanden sich in gemauerten Gewölben einen halben Meter unter dem Kirchenboden.

Wegen der Zahl der Bestattungen und der Konstruktion der Grabanlagen sei der Fund außergewöhnlich, sagte der Ausgrabungsleiter Thilo Warneke am Donnerstag. Wie Nachforschungen ergeben hätten, handele es sich um Bürger der Kasseler Oberschicht. Sie wurden zwischen 1714 und 1797 dort bestattet. Das Wissen über die Gräber ging im Laufe der Jahrhunderte verloren. Ein Baggerfahrer hatte sie bei einer Grabung wiederentdeckt.

Unter den Bestatteten sind auch Kinder, beispielsweise die dreijährige Tochter des italienischen Baumeisters Giovanni Francesco Guerniero. Er konstruierte Kassels Wahrzeichen, den Herkules. Laut Warneke bezahlten die Begrabenen eine stattliche Summe Geld, um in der Kirche beerdigt zu sein. Die Gräber und menschlichen Überreste sollen trotz Sanierung dort bleiben: «Das ist eine Frage der Pietät, die Verstorbenen in ihren Gräbern zu belassen, soweit das möglich ist», erklärte der Archäologe.

Landgraf Karl ließ die Kirche ursprünglich für französische Glaubensflüchtlinge, die Hugenotten, bauen. Sie wurde 1710 geweiht.

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