Der Musiker, Sänger und Produzent Tom Westborn aus Dülmen hat einen ehrgeizigen Plan
„Jeden Tag einen Song komponieren“

Dülmen -

Der Dülmener Musiker, Sänger und Produzent Tom Westborn möchte 365 Lieder in 365 Tagen komponieren – ein ehrgeiziges Projekt. Aber Westborn ist gut vorbereitet.

Freitag, 15.11.2019, 19:40 Uhr
Der Musiker, Sänger und Produzent Tom Westborn hat für sein Ziel, 365 Lieder in 365 Tagen zu produzieren, auch den „Dire Straits“-Gitarristen Phil Palmer für ein paar Gitarren-Riffs eingespannt. Und der lieferte prompt.
Der Musiker, Sänger und Produzent Tom Westborn hat für sein Ziel, 365 Lieder in 365 Tagen zu produzieren, auch den „Dire Straits“-Gitarristen Phil Palmer für ein paar Gitarren-Riffs eingespannt. Und der lieferte prompt. Foto: privat

Manchmal wird forsches Vorgehen auf wunderbare Weise belohnt. So bei Tom Westborn. Als eingefleischter Fan der britischen Band „Dire Straits“ traute er sich, den Gitarristen Phil Palmer, der auch schon für Eric Clapton, Tina Turner und Bryan Adams gearbeitet hat, auf Facebook um ein paar Gitarren-Riffs für einen seiner Songs zu bitten. Zwar musste Westborn, der seit zwei Jahren in Dülmen wohnt, wegen anderer Verpflichtungen Palmers ein bisschen warten. Doch am Ende bekam er, was er erhofft hatte: eine digitale Datei mit dem typischen Gitarren-Sound Palmers in Top-Qualität. Der nun bei Westborns Song „Ahoi, ahoi!“ zu hören ist.

Der Musiker, Sänger und Produzent Westborn staunt selbst noch über die „Schnelligkeit, mit der es heute möglich ist, mit mittags in Rom von Palmer eingespieltem und online versendetem Musik-Material abends einen Song zu produzieren“. Westborn kam dabei auf eine weitere Idee: Ein Jahr lang will er täglich einen Song produzieren. Seit Ende September lädt er auf seiner Internetseite zur „Ein-Jahr-Challenge“ ein.

365 Lieder in 365 Tagen – ein ehrgeiziges Projekt. Aber Westborn ist vorbereitet. Seit 2016 hat er 15 Alben veröffentlicht – ausschließlich digital. Auch sein aktuelles Album „Ich sah Land“ ist online verfügbar. „Ich habe viele Songs im Archiv, vom Jahr 1999 angefangen, die noch nicht so schön produziert sind.“ Und so greift der Musiker, der Akustik- und E-Gitarre spielt, aber auch E-Piano und Akkordeon beherrscht, für seine „Challenge“ tatsächlich auf eigene Lieder zurück. Diese legt er im Studio daheim im Domizil in Dülmen neu auf, er mixt sie neu – oder er produziert einen ganz neuen Song.

Ein bis drei Stunden verwendet Westborn, der hauptberuflich im Gesundheitsbereich arbeitet, auf einen Song. „Erst programmiere ich den Schlagzeug-Part, dann kommen Gitarre, Gesang und Bass hinzu, am Schluss vielleicht noch Streichersätze“, schildert Westborn.

Seine Lieder tragen Titel wie „Ich habe dich immer noch lieb“, „Yesterday“ oder eben „Ahoi, ahoi!“. Als „Emo-Pop“ (von: Emotion) bezeichnet der 38-Jährige seine musikalischen Werke, die mal poppig, mal rockig klingen.

„Lieder zu produzieren ist, als wenn man eine Idee in eine Form gießt“, sagt Westborn. Einer seiner Songs, „Wie Schnee“, hat es einst sogar mehrfach bis ins Radio geschafft. Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg nennt er als Vorbilder. Doch Westborn sagt von sich selbst: „Ich sehe mich in erster Linie als Songschreiber.“ Wann er Zeit dafür hat? Morgens vor der Arbeit. „Ich stehe früh auf und mache das dann in Ruhe.“

Mit seiner „Ein-Jahr-Challenge“ möchte Westborn auch deutlich machen, dass „Musik-Alben in heutiger Zeit eigentlich überholt sind“. Der gebürtige Duisburger weiß, wie hart das Musikgeschäft inzwischen ist. Unzählige Demo-Dateien von ihm gingen bei verschiedenen Plattenfirmen ein. Doch: „Die Plattenindustrie verwendet keine Zeit auf den Neuaufbau eines Künstlers“, konstatiert Westborn. Das müsse man als Musiker heute schon selbst erledigen. Die Challenge könnte also ein kluger Schachzug sein.

 

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