Kultur-Events
Was wird aus großen Hallenveranstaltungen?

Münster -

Noch funktioniert Kultur draußen. Doch was passiert, wenn das Wetter schlechter wird? Und wann sind wieder große Konzerte möglich? Vorstöße in diese Richtung ernten Skepsis - selbst unter Konzertveranstaltern. Für sie ist die Lage brenzlig, aber Sicherheit geht vor, sind sie sich einig.

Dienstag, 11.08.2020, 14:45 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 14:48 Uhr
Noch in weiter Ferne sehen Konzertveranstalter Live-Erlebnisse, die an eine gewohnte Qualität heranreichen können. Große Stars würden wohl erst wieder touren, wenn Corona global besiegt sei.
Noch in weiter Ferne sehen Konzertveranstalter Live-Erlebnisse, die an eine gewohnte Qualität heranreichen können. Große Stars würden wohl erst wieder touren, wenn Corona global besiegt sei. Foto: Gunnar A. Pier

Das Aufatmen war groß – die Enttäuschung auch. Als die ersten Theater wieder spielen durften unter Corona-Bedingungen – auf Abstand, mit Hygiene, meist mit halbierter Platzzahl, hoffte mancher mehr als er sicher war: „Bei so wenigen Plätzen wird es kaum Karten geben.“ Dem war nicht so. Selbst Münsters freies Ensemble „Freuynde und Gaesdte“, das aufgrund seiner hohen Auslastung den Titel „Theater ausverkauft“ trägt, musste im LWL-Planetarium die Erfahrung machen, dass es bis zuletzt kein Problem war, an Tickets für die neueste Produktion zu kommen.

Missverständnis? Vorsicht? Unbehagen bei einer Saalveranstaltung? Welche Umstände eine solche Entwicklung auch begründen: Die Veranstalter stehen vor einer großen Herausforderung für die kommende Kultursaison, die witterungs­bedingt kaum draußen stattfinden kann. Wie gelingt eine sichere Veranstaltung, die wirtschaftlich ist?

„An unbestuhlte Konzerte, und dann auch noch in geschlossenen Veranstaltungsräumen, ist im Moment nicht zu denken: Allein schon die geforderten Abstandsgrenzen zwischen Besuchern lassen sich dort nicht einhalten oder kontrollieren, Genehmigungen dafür sind im Moment unrealistisch“, erläutert Andreas Möller vom Konzertbüro Schoneberg. „Größere Tourneen internationaler Stars sind erst dann wieder durchführbar, wenn das Virus auch global besiegt worden ist.“

Neue Konzepte

Frankreich lässt Konzerte mit bis zu 5000 Menschen unter Auflagen wieder zu . In NRW gilt das Großveranstaltungsverbot bis zum 31. Oktober. Mindestens. In Leipzig sammeln Wissenschaftler der Universität Halle am 22. August Daten bei einem Konzert von Tim Bendzko mit bis zu 4000 Besuchern unter strengen Hygiene­auflagen.

Für Kim Lisa Dallügge vom Bielefelder Konzertveranstalter Stratmann Event ein Beweis dafür, dass die gesamte Branche gerade versucht, Konzepte zu ent­wickeln, die ein Konzerterlebnis mit Sicherheitsfaktor möglich machen: „Es ist besser, nach Möglichkeiten zu suchen, statt den Kopf in den Sand zu stecken.“ Durchführen kann Stratmann Event gerade keine Veranstaltung. Und auch für die Zeit nach dem 1. November rechnet Dallügge mit Konzerterlebnissen, die sich von der gewohnten Normalität unterscheiden werden.

Optimistisch blickt das Büro auf die Termine für die Zeit ab März 2021, um Aufgeschobenes nachzuholen. „Bis gewährleistet werden kann, dass alles sicher und glatt über die Bühne geht, arbeiten wir weiter mit Herzblut und Hochdruck gemeinsam an neuen Alternativen und Lösungen“, erklärt sie. Andreas Möller ergänzt: „Falls es noch länger dauert, bis wir ein Gegenmittel haben, wird sich die Veranstaltungswirtschaft auf allen Ebenen deutlich verändern (müssen).“ Davon werde auch abhängen, wie die Ticketverkäufer langfristig darauf reagieren werden.

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