Rekordspendensammler
Captain Tom nach Covid-Erkrankung gestorben

Mit seiner Spendensammelaktion für den britischen Gesundheitsdienst ist der Kriegsveteran Tom Moore zu einem Helden der Corona-Pandemie geworden. Die Queen schlug den 100-Jährigen dafür zum Ritter. Nun ist Moore selbst mit einer Covid-Erkrankung gestorben.

Dienstag, 02.02.2021, 21:49 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 09:31 Uhr
Abschied von Captain Tom Moore, der nach einer Corona-Infektion gestorben ist.
Abschied von Captain Tom Moore, der nach einer Corona-Infektion gestorben ist. Foto: Joe Giddens

Bedford (dpa) - Er war ein Symbol der Hoffnung für Großbritannien in düsteren Corona-Zeiten, ein «Held im wahrsten Sinne des Wortes».

Mit 100 Runden an seinem Rollator in seinem Hinterhof hatte der 100 Jahre alte Weltkriegsveteran Tom Moore gewaltige Mengen an Spendengelder für den Gesundheitsdienst NHS gesammelt.

Eigentlich hatte sich «Captain Tom», wie ihn das Land bald nannte, nur 1000 Pfund als Ziel gesetzt - es wurden knapp 32,8 Millionen (etwa 37 Mio Euro). Dafür schlug Königin Elizabeth II. persönlich den 100-Jährigen zum Ritter - einer ihrer seltenen Vor-Ort-Termine in der Pandemie. Nun ist Tom Moore gestorben, wie seine Töchter Hannah und Lucy am Dienstag mitteilten.

Zuvor hatte sich Moore mit dem Coronavirus infiziert und wurde in einem Krankenhaus in Bedford rund 90 Kilometer nördlich von London behandelt. Kinder und Enkel hätten die letzten Stunden an seiner Seite verbracht, persönlich oder über einen Videochat, berichteten die Töchter. «Wir haben stundenlang mit ihm geplaudert und uns an unsere Kindheit und unsere wundervolle Mutter erinnert. Wir teilten Lachen und Tränen miteinander.»

Diese Prominenten sind 2021 gestorben

1/14
  • Sir Thomas Moore (* 30.4.1920 † 2.2.2021)

    Kapitän Sir Tom Moore ist im Alter von 100 Jahren gestorben . Er hatte sich zuvor mit dem Coronavirus infiziert. Der Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg hatte im vergangenen Jahr mit einem Spendenlauf knapp 32,8 Millionen britische Pfund (etwa 37 Millionen Euro) für den Nationalen Gesundheitsdienst NHS in der Corona-Pandemie gesammelt und hatte damit weltweite Berühmtheit erlangt.

    Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Jacob King
  • Dustin Diamond (* 7.1.1977 † 1.2.2021)

    Dieses von NBC veröffentlichte Bild zeigt den Schauspieler Dustin Diamond als Samuel Powers , besser bekannt als «Screech» aus der 1990er Serie «California High School» («Original: Saved by the Bell»). Der amerikanische Schauspieler Dustin Diamond, der als Kinderstar im US-Fernsehen bekannt wurde, ist tot. Er starb mit 44 Jahren an Krebs, wie sein Sprecher mitteilte.

    Foto: picture alliance/dpa/NBCU Photo Bank/AP | Paul Drinkwater
  • Cicely Tyson (* 19.12.1924 † 28.1.2021)

    Die amerikanische Schauspielerin Cicely Tyson ist tot . Tyson gehörte Anfang der 1960er Jahre zu den ersten Afroamerikanerinnen mit einer Hauptrolle in einer TV-Serie. 1973 erhielt sie eine Oscar-Nominierung für ihre Hauptrolle in dem Drama «Das Jahr ohne Vater». Die Trophäe ging damals an Liza Minnelli für «Cabaret», Tyson wurde aber 2018 von der Film-Akademie mit einem Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie holte mehrere Emmy-Trophäen, darunter als Hauptdarstellerin in dem Fernsehfilm «The Autobiography of Miss Jane Pittman» (1974), in dem sie eine frühere Sklavin spielte, die auf ihr Leben zurückblickt. Ihr Auftritt in dem Theaterstück «The Trip to Bountiful» brachte ihr 2013 die begehrte Tony-Trophäe als beste Darstellerin ein. 2016 verlieh ihr der damalige US-Präsident Barack Obama die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA.

    Foto: picture alliance / dpa | Shawn Thew
  • Cloris Leachman (* 30.04.1926 † 27.1.2021)

    Die Schauspielerin Cloris Leachman bei der Premiere von «The Comedian» während des AFI Festes. Die vielseitige Darstellerin starb am 27. Januar eines natürlichen Todes im kalifornischen Encinitas, wie ihre Sprecherin mitteilte. Leachman wurde 94 Jahre alt.

    Foto: picture alliance/dpa/Invision/AP | Richard Shotwell
  • Hal Holbrook (*17.2.1925 † 23.1.2021)

    Der preisgekrönte US-Schauspieler  Hal Holbrook  ist mit 95 Jahren gestorben. Holbrook war vor allem berühmt für die Darstellung des US-Schriftstellers Mark Twain (1835-1910) in einer von ihm konzipierten Ein-Mann-Show, für die er 1966 den US-Theaterpreis Tony als bester Schauspieler einheimst

    Foto: Justin Lane
  • Larry King (* 19.11.1933 † 23.1.2021)

    Der amerikanische Talkshow-Moderator Larry King ist tot. King sei im Alter von 87 Jahren gestorben , berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf seinen Sohn. King wurde mit seiner Show „Larry King Live“ bekannt, die von 1985 bis 2010 bei CNN zu sehen war. Sein praktisch immer gleiches Outfit mit Hornbrille, Hemd und Hosenträgern wurde zu seinem Markenzeichen.

    Foto: diverse
  • Bernd Kannenberg (*20.8.1942 † 13.1.2021)

    Bernd Kannenberg, Geher-Olympiasieger über 50 Kilometer von 1972 in München, ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren. Kannenberg hatte mit seinem Triumph bei den Heim-Sommerspielen zu dem „Goldenen Sonntag“ am 3. September 1972 beigetragen.

    Foto: picture alliance/dpa
  • Siegfried Fischbacher (*13. Juni 1939 † 13. Januar 2021)

    Der „Siegfried & Roy“-Magier Siegfried Fischbacher ist tot. Der gebürtige Rosenheimer starb am Mittwoch im Alter von 81 Jahren .

    Foto: diverse
  • Marion Ramsey (*10. Mai 1947 † 7. Januar 2021)

    Ihre hohe Stimme war ihr Markenzeichen: US-Schauspielerin Marion Ramsey wurde als Polizistin Laverne Hooks in «Police Academy» bekannt. Mit 73 Jahren ist sie nun gestorben .

    Foto: dpa
  • Helmut Claas (*16.7.1926 † 5. Januar 2021)

    Er war ein erfolgreicher Familienunternehmer und Landmaschinen-Pionier. Jetzt ist der langjährige Chef des Agrar-Konzerns Claas , Helmut Claas, im Alter von 94 Jahren gestorben.

    Foto: Claas
  • Bob Brett (*13.11.1953  5 Januar 2021)

    Der frühere Trainer von Tennis-Legende Boris Becker, Bob Brett (l), ist tot. Der Australier starb im Alter von 67 Jahren. Unter seiner Leitung gewann Becker 1989 in Wimbledon und bei den US Open und wurde 1991 nach seinem Triumph bei den Australian Open die Nummer eins der Welt.

    Foto: Michael Probst/dpa
  • Gerry Marsden  (*24.9.1942 † 3.1.2021)

    Der britische Musiker Gerry Marsden ist gestorben . Mit seiner Version von «You'll Never Walk Alone» bleibt er nicht nur Fußballfans in Liverpool in Erinnerung.

    Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Dave Thompson
  • Floyd Little  (*4.7.1942 † 1.1.2021)

    Die amerikanische Football-Liga NFL trauert um einen ihrer größten Spieler: Floyd Little, Football-Idol und Runningback der Denver Broncos ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

    Foto: imago/ZUMA
  • Rückblick: Im  Vorjahr (2020) starb unter anderem Diego Maradona.

    Foto: picture alliance/dpa/AP/​Shutterstock/DCM | Meazza Sambucetti

Schlagartig war Captain Tom weltweit berühmt geworden, als er im Sommer an einem Spendenlauf teilnahm. Unter großer Begeisterung marschierte der Senior die Strecke ab - und stellte einen Guinness-Weltrekord auf für die höchste Summe, die bei einem Spendenlauf je zusammenkam. Seine Töchter fassen es so zusammen: «Das letzte Lebensjahr unseres Vaters war geradezu bemerkenswert. Er war verjüngt und erlebte Dinge, von denen er nur geträumt hatte.»

In der Tat war die Begeisterung für Sir Tom, wie er sich seit dem Ritterschlag nennen durfte, enorm. Ehrenhalber zum Colonel befördert, stürmte er sogar mit seiner eigenen Version der Fußball-Hymne «You'll Never Walk Alone» an die Spitze der Charts in Großbritannien. Den Song nahm er gemeinsam mit dem britischen Sänger und Schauspieler Michael Ball und einem NHS-Chor auf. Zu seinem 100. Geburtstag im April 2020 erhielt er etwa 125.000 Glückwunschkarten aus aller Welt. Über sein Haus in dem beschaulichen Örtchen Marston Moretaine in der Grafschaft Bedfordshire donnerten damals zu seinen Ehren Kampfflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Der Höhepunkt war der Ritterschlag der Queen. Die Königin möge sich hoffentlich mit dem Schwert nicht ungeschickt anstellen, witzelte er bei der Zeremonie in Schloss Windsor.

Umso größer war das Entsetzen, als Moores Krankenhausaufenthalt am Sonntagabend bekannt geworden war. «Er steht auf bemerkenswerte Weise für uns alle. Er ist so ein Geschenk, und deshalb beten wir weiter für ihn», sagte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, noch am Dienstagmorgen dem Sender ITV. Wegen Medikamenten, die er zur Behandlung einer Lungenentzündung erhalten hatte, war Moore nicht gegen Covid-19 geimpft worden.

Die Nachricht sorgte landesweit, über politische Grenzen hinweg und sogar im Königshaus für Bestürzung. Die Queen brauchte nur wenige Minuten, bis sie ihre Trauer ausdrückte. Sie habe eine private Nachricht an Moores Familie geschrieben und es sehr genossen, Moore im vergangenen Jahr in Windsor kennenzulernen, hieß es auf Twitter vom Königshaus. «Captain Sir Tom Moore war im wahrsten Sinne des Wortes ein Held», twittere Premierminister Boris Johnson. Schon im Zweiten Weltkrieg habe Moore für die Freiheit gekämpft und in der dunkelsten Krise der Nachkriegszeit alle vereint und aufgemuntert.

Am Regierungssitz in der Downing Street wehte der Union Jack in Gedenken an Moore auf Halbmast. In der Hauptstadt wurden Wahrzeichen wie das Riesenrad London Eye oder das Wembley-Stadion in den Nationalfarben beleuchtet, vor Moores Haus legten Menschen Blumen nieder und brachten Dankesbilder an.

Außenminister Dominic Raab schrieb, der 100-Jährige habe «die Moral der ganzen Nation» gestärkt. Auch Oppositionsführer Keir Starmer sowie Schottlands und Nordirlands Regierungschefinnen Nicola Sturgeon und Arlene Foster gedachten Moores und seiner Verdienste. Selbst das Weiße Haus kondolierte. «Wir schließen uns dem Vereinigten Königreich und der Welt an, das Andenken an Captain Sir Tom Moore zu ehren, der Millionen mit seinem Leben und seinen Handlungen inspiriert hat», hieß es in einem Tweet aus dem Amtssitz von US-Präsident Joe Biden.

© dpa-infocom, dpa:210202-99-273020/10

 

Nachrichten-Ticker