Französischer Bestsellerautor
Olivier Guez hat kein Mitgefühl für Josef Mengele entwickelt

Olivier Guez hat einen Roman über Josef Mengele geschrieben. Mitleid mit dem KZ-Arzt hat er beim Schreiben nicht empfunden. Viel mehr waren es andere Gefühle, die den Prozess begleitet haben.

Samstag, 13.10.2018, 14:28 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 14:25 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 13.10.2018, 14:28 Uhr
Olivier Guez, Journalist und Schriftsteller aus Frankreich, hat einen Roman über den KZ-Arzt Josef Mengele geschrieben. Dessen Niedergang darzustellen, sei für ihn «fast wie ein Spaß» gewesen.
Olivier Guez, Journalist und Schriftsteller aus Frankreich, hat einen Roman über den KZ-Arzt Josef Mengele geschrieben. Dessen Niedergang darzustellen, sei für ihn «fast wie ein Spaß» gewesen. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - Der französische Bestsellerautor Olivier Guez hat beim Schreiben seines Romans über den KZ-Arzt Josef Mengele niemals Mitleid empfunden. «Ich habe nie Empathie gehabt», sagte Guez («Das Verschwinden des Josef Mengele») am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse.

Die grauenvollen Dinge, die Mengele mit seinen Experimenten als Arzt im KZ Auschwitz gemacht habe, seien wie «eine Mauer» gewesen. Das habe ihm Distanz ermöglicht.

Guez hat für seinen Roman drei Jahre Lang recherchiert - vor allem in Südamerika. Mengele, der sich nach dem Krieg zunächst nach Argentinien absetzte, starb 1979 in Brasilien. Den Niedergang Mengeles in Romanform darzustellen, sei für ihn «fast wie ein Spaß» gewesen, sagte Guez.

Der französische Autor nannte den aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden Mengele «einen Mann ohne Eigenschaften», der viel Böses getan habe. Sein Werdegang sei eine Warnung für uns alle. Erst nach dem Prozess 1960 in Israel gegen Adolf Eichmann, der an zentraler Stelle unter den Nationalsozialisten für die Ermordung von Millionen Juden verantwortlich war, sei Mengele «zum Symbol für Auschwitz geworden».

Der KZ-Arzt habe sich nach dem Krieg immer auch als Opfer gefühlt, sagte Guez. Die Medizinprofessoren, die Mengele nach Auschwitz schickten, hätten später in der Bundesrepublik ungehindert ihre Karriere fortsetzen können

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