Roman kondensiert
Margaret Atwoods «Report der Magd» als Graphic Novel

In einer düsteren Zukunft existieren Frauen nur als Untergebene eines Herrn. Aus dieser Welt berichtet die Hauptfigur in Margaret Atwoods Roman «Der Report der Magd». Die Zeichnerin Renee Nault hat den Roman um eine weitere Ebene als Graphic Novel erweitert.

Dienstag, 12.11.2019, 14:46 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 14:48 Uhr
Margaret Atwoods «Report der Magd» als Graphic Novel von Renee Nault.
Margaret Atwoods «Report der Magd» als Graphic Novel von Renee Nault. Foto: ---

Berlin (dpa) - Margaret Atwood ist die bekannteste und erfolgreichste kanadische Schriftstellerin der vergangenen Jahrzehnte. Immer wieder wird Atwood, die am 18. November 80 Jahre alt wird, als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis genannt.

Ihr bekanntester und erfolgreichster Roman war «Der Report der Magd», den sie 1985 veröffentlichte. Die düstere Geschichte um eine Zukunft, in der Frauen jegliche Rechte verloren haben und nur als Gebärmaschinen dienen, wurde schon bald in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Auch in anderen Kunstgattungen wurde die Geschichte zum Erfolg. 1990 verfilmte Volker Schlöndorff das Buch mit Natasha Richardson, Faye Dunaway und Robert Duvall in den Hauptrollen. 2017 wurde der Stoff zu einer hochgelobten Fernsehserie bearbeitet. Auch Bühnenfassungen als Theater, Oper und Ballett wurden produziert. Im September kehrte Atwood mit dem Roman «Die Zeuginnen» in die Welt der «Magd» zurück.

Fast 35 Jahre nach dem Erscheinen des Originals ist eine neue Bearbeitung des Romans verfügbar. Die kanadische Zeichnerin und Illustratorin Renee Nault hat eine Version des «Reports der Magd» als Graphic Novel erarbeitet. Nault hat in Zusammenarbeit mit Atwood die ursprünglich rund 400 Seiten Romantext so weit kondensiert, dass sie zu den gänzlich anderen Anforderungen des Genres passen. Die Erzählung kann nun primär durch Bilder statt durch Worte kommuniziert werden.

Nault hat die Geschichte in eindringliche Bilder umgesetzt. Die Welt der jungen Frauen, die ihr Leben nur als Dienerinnen und Sexsklavinnen fristen, besteht nur aus Grauschattierungen, zu denen die weißen Gesichter und roten Gewänder einen drastischen Kontrast bilden. Im Gegensatz dazu stehen die Szenen, in denen sich die junge Dienerin Vonfred oder die Hausherrin Serena an frühere, glückliche Zeiten erinnern. Diese werden stilistisch anders aufbereitet, so als entstammten sie einem Strip der 60er Jahre.

Für Renee Nault ergab sich dabei eine besondere Herausforderung: «Meine Hoffnung war, nicht einfach nur die Geschichte in Bildern zu zeigen, sondern den Geist des Romans einzufangen», erzählte sie dem Portal der Fernsehproduktionsgesellschaft shondaland.

Die Graphic Novel «Der Report der Magd» ist eine gelungene Interpretation des Stoffes von Margaret Atwood, nicht einfach nur eine Bildersammlung, die den Romantext noch einmal darstellt. Diese Graphic Novel zeigt auf beeindruckende Weise, wie das grafische Medium einen etablierten Text bereichern und erweitern kann.

- Margaret Atwood: Der Report der Magd. Graphic Novel von Renee Nault. Berlin Verlag, 240 Seiten, 25,00 Euro, ISBN 978-3-8270-1405-4.

Nachrichten-Ticker