Doppel-Vergabe im Vorjahr
Literaturnobelpreisträger wird verkündet

Erst der Skandal um Frostenson und Arnault, dann die doppelte Preisvergabe mit der umstrittenen Auszeichnung von Peter Handke: Die Schwedische Akademie hat eine aufreibende Zeit hinter sich. Nun kürt sie den nächsten Literaturnobelpreisträger.

Donnerstag, 08.10.2020, 04:41 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 04:44 Uhr
Doppelte Vergabe: Olga Tokarczuk aus Polen (l) und Peter Handke aus Österreich mit ihren Medaillen bei der Nobelpreisverleihung.
Doppelte Vergabe: Olga Tokarczuk aus Polen (l) und Peter Handke aus Österreich mit ihren Medaillen bei der Nobelpreisverleihung. Foto: Jonas Ekstromer

Stockholm (dpa) - Nach der Doppel-Vergabe im Vorjahr ruft die Schwedische Akademie heute den Literaturnobelpreisträger des Jahres 2020 aus.

Frühestens um 13.00 Uhr will die Institution in Stockholm bekanntgeben, wer die mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) dotierte Auszeichnung in diesem Jahr erhält. 197 nominierte Kandidaten kommen diesmal dafür infrage. Nach Angaben der Akademie sind darunter 37, die zum ersten Mal nominiert worden sind.

Weil die Preisvergabe 2018 wegen eines umfassenden Skandals um das mittlerweile ausgetretene Akademiemitglied Katarina Frostenson und ihren Ehemann Jean-Claude Arnault zunächst ausgefallen war, hatte die Akademie im vergangenen Jahr gleich zwei Preisträger bestimmt. Die Polin Olga Tokarczuk war nachträglich als Preisträgerin für das Jahr 2018 ernannt worden, der Österreicher Peter Handke erhielt die Auszeichnung für 2019.

Während die Ehrung von Tokarczuk viel Zuspruch erhielt, führte diejenige von Handke zu Kritik und Protesten. Der Österreicher hatte sich im Jugoslawien-Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. Bei der Beerdigung des gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic hielt er 2006 sogar eine Rede.

Wer den Nobelpreis bekommt, wird wie immer vorab geheimgehalten. Namen wie diejenigen der Kanadierin Margaret Atwood, des Japaners Haruki Murakami, des Kenianers Ngugi wa Thiong'o und von Maryse Condé aus dem französischen Überseegebiet Guadeloupe werden immer wieder als Favoriten genannt. Als eher unwahrscheinlich betrachten es Experten, dass der Preis nach der Auszeichnung einer Polin und eines Österreichers vor einem Jahr wieder nach Europa geht.

In den vergangenen drei Tagen sind bereits die Nobelpreisträger in den wissenschaftlichen Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Unter den Auserwählten war mit dem Astrophysiker Reinhard Genzel auch ein Deutscher.

Am Freitag wird außerdem der diesjährige Friedensnobelpreisträger benannt, zum Abschluss folgt dann am Montag noch der Wirtschaftsnobelpreis, der als einziger nicht auf das Testament von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel zurückgeht. An dessen Todestag, dem 10. Dezember, werden die Ausgewählten offiziell ausgezeichnet. Wegen der Coronavirus-Pandemie findet das in diesem Jahr in anderem und deutlich kleinerem Rahmen statt.

© dpa-infocom, dpa:201008-99-866512/2

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