Musik
Ehrenrettung der Bratsche: D.A. Carpenters «12 Seasons»

Berlin (dpa) - David Aaron Carpenter, derzeit einer der besten Violaspieler, stellt auf dem Album «The 12 Seasons» mit dem Salomé Chamber Orchestra die Bratsche als Solo-Instrument in den Mittelpunkt der drei Konzerte - mit je vier Jahreszeiten - von Vivaldi, Piazzolla und Shor.

Freitag, 29.04.2016, 09:32 Uhr

David Aaron Carpenter beherrscht sein Instrument.
David Aaron Carpenter beherrscht sein Instrument. Foto: Chris Melzer

Den Werken der drei Musikschaffenden gemein ist das stets aktuelle Thema des Jahreslaufs. Dem wohl bekanntesten Werk dieses Sujets von Antonio Vivaldi gesellt Carpenter zwei Kompositionen mit der gleichen Thematik hinzu, wobei er mit dem von ihm und seinen Geschwistern gegründeten Orchester einen weiten Bogen schlägt: Astor Piazzolla beschrieb den südamerikanischen Ablauf des Jahres mit «Cuatro Estaciones Portenas», und Alexey Shore ließ sich bei den «Four Seasons of Manhattan» von der besondern Atmosphäre des Big Apple inspirieren.

Dem 1986 in New York geborenen Carpenter gelingt es, neben der Unzahl bereits eingespielter Jahreszeiten, Vivaldis Dauerbrenner eine neue Facette hinzuzufügen, indem der den Lauf des Jahres durch den warmen und weichen Klang der Viola in neuem Licht erscheinen lässt. Das im Gegensatz zur Violine wenig expressive, aber schwerer zu handhabende Instrument scheint heutzutage besser zur leicht gedämpften venezianischen Stimmung dieses Meisterwerks zu passen.

Der Argentinier Piazzolla befasste sich zwischen 1965 und 1970 mit den «Cuatro Estaciones Portenas» der Südhalbkugel, bei dessen Hören man in Betracht ziehen sollte, dass sie ja im Kontrast zu denen der nördlichen Hemisphäre stehen. Alexey Shore wiederum komponierte seine Hommage an das Zentrum von New York, der Stadt mit diesem einzigartigen Flair, speziell für das Salomé Chamber Orchestra.

Mit «The 12 Seasons» kann die Bratsche, das Instrument des Jahres 2014, immerhin ein wenig aus dem Schatten von Violine und Violoncello, der kleinen und der großen Schwester, heraustreten. Ihr voller und weicher, bis in die höchsten Lagen dunkler Klang, trägt immer eine etwas melancholische Stimmung mit sich. Dabei ist der leicht näselnden Viola auch etwas Raues und Wildes zu eigen.

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