TV-Tipp
Der Traum von der Neuen Welt

Auswanderung nicht nach Europa, sondern von Europa nach Amerika schildert Kai Christiansen auf Arte in seiner Dokumentation. Mithilfe von Originalbriefen und Tagebüchern lässt der Regisseur Migranten aus der Zeit von 1840 bis 1939 zu Wort kommen.

Samstag, 03.06.2017, 00:04 Uhr

TV-Tipp : Der Traum von der Neuen Welt
Foto: dpa

Berlin (dpa) - Migration ist mediales Dauerthema in Zeiten, in denen mehr und mehr Zuwanderer und Asylsuchende in Deutschland und anderen Ländern Europas leben.

Der deutsch-französische Kultursender Arte lenkt den Blick auf eine andere Epoche, in der sich Menschen aus Angst vor politischer Unterdrückung oder wirtschaftlichem Elend noch viel weiter nach Westen aufmachten: Zwischen 1840 und 1939 sind 55 Millionen Europäer nach Amerika ausgewandert - hauptsächlich in die Vereinigten Staaten. Über die politisch-wirtschaftlichen Hintergründe und die Erfahrungen der Männer und Frauen, die damals ihre Heimat verlassen haben, erzählt Kai Christiansen in seiner Dokumentation «Der Traum von der Neuen Welt».

Der Vierteiler wird ab Sonnabend, 3. Juni (20.15 Uhr), auf Arte ausgestrahlt. Anhand von Tagebüchern und Briefen der Auswanderer sowie mithilfe von Fotos, Filmaufnahmen, Expertenmeinungen und Spielszenen zeichnet der Regisseur ein facettenreiches Bild von der Auswanderung damals. Zu den ersten, die Europa nach einer Hungerkatastrophe aufgrund grassierender Kartoffelfäule in ihrem Land in größerem Umfang verließen, gehörten die Iren.

Bald folgten Deutsche, darunter viele Hessen, aus Unzufriedenheit mit ihrer Ständegesellschaft, die einen sozialen Aufstieg erschwerte. Arme schwedische Landarbeiter sowie um 1900 Südeuropäer und von Pogromen verfolgten Juden aus Russland und Polen waren weitere wichtige frühe Auswanderergruppen.

Im Mittelpunkt des ersten Doku-Teils steht ein Promi - der Deutsche Carl Schurz (1829-1906). Er brachte es vom 1848er-Revolutionär in seiner Heimat zum General und Innenminister in den USA. Später wurde er in New York Statthalter der Reederei HAPAG, die Auswanderer ab Hamburg über den Atlantik in die Staaten transportierte.

Weniger bekannt ist seine Frau Margarethe Meyer-Schurz (1833-1876), die 1856 in Watertown (Wisconsin) den ersten Kindergarten der USA gegründet hat. Spannend sind aber auch Beispiele von Auswanderern, deren Namen niemand kennt, etwa das einer irischen Köchin oder jener jungen Mädchen, die gegen Geld in Saloons mit Männern tanzten. Eine zweischneidige Sache, denn um ihren Ruf stand es nicht zum Besten, aber manchmal wurden sie dadurch wirtschaftlich unabhängig.

Dass die USA sich als Einwanderungsland verstanden, belegt der Homestead Act, ein 1862 von Präsident Abraham Lincoln unterzeichnetes Gesetz, das Landerwerb erleichterte. Planvoll warb die Regierung damit um Siedler im riesigen Staatengebiet mit seinen fruchtbaren Ackerböden und sagenhaften Möglichkeiten in Ökonomie und Industrie.

Was die Dokumentation aber auch nicht verhehlt, sind die bis heute drängenden Aspekte des Rassismus und der Ausgrenzung. Die betrafen nicht nur die in Nordamerika lebenden Indianer und die lange als Sklaven gehaltenen Schwarzen. Ausgrenzung begann bereits bei Vorbehalten der in der Hierarchie ganz oben angesiedelten weißen Protestanten gegenüber Katholiken. Und über Italiener wurde sogar gestritten, ob sie überhaupt als «weiß» gelten dürften.

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