TV-Tipp
Die Notlüge

Erst eine kleine Lüge, und dann bricht das Kartenhaus der Selbsttäuschungen zusammen. Josef Hader brilliert als selbstgerechter Patriarch in einer amüsant-bissigen Familien-Komödie.

Mittwoch, 24.01.2018, 00:02 Uhr

Hubert (Josef Hader) und Helga (Brigitte Hobmeier) mit Töchterchen Kathi (Tamara Hollosy).
Hubert (Josef Hader) und Helga (Brigitte Hobmeier) mit Töchterchen Kathi (Tamara Hollosy). Foto: Stefan Haring

Berlin (dpa) - Angefangen hat er als Kabarettist, aber Josef Hader hat sich längst auch als Schauspieler und Regisseur einen Namen gemacht. Er verkörperte den grantigen Detektiv Brenner in den TV-Krimis nach den Vorlagen des Schriftstellers Wolf Haas. Im vergangenen Jahr spielte er Stefan Zweig in dem hochgelobten Exildrama «Vor der Morgenröte». Und sein eigenes, bitterböses Regiedebüt «Wilde Maus» mit ihm selbst als kaltgestelltem Musikkritiker in der Hauptrolle lief im Wettbewerb der Berlinale 2017.

Amüsanter geht es in der quirligen TV-Komödie «Die Notlüge» zu, die am Mittwoch (24. Januar) um 20.15 Uhr im Ersten läuft. In dieser Koproduktion von Österreichischem Rundfunk (ORF) und Südwestrundfunk (SWR) verkörpert Hader den erfolgreichen TV-Moderator Hubert, dessen alles andere als heile Patchwork-Familie beim 80. Geburtstag der Mutter zusammenkommt. Der konfliktscheue Hubert wagt es nicht, seiner Mutter (Christine Ostermayer) zu gestehen, dass er sich von seiner Frau Helga (Brigitte Hobmeier) getrennt hat.

Also spielen die beiden für einen Tag weiter Ehepaar, während Huberts aktuelle Freundin Patricia (Pia Hierzegger) und Helgas neuer Partner Wolfi (Andreas Kiendl) zunächst noch gute Miene zum bösen Spiel machen. Aber schnell zeigen sich die tiefen Risse im nur mühsam verputzten Familiengebäude: Hubert entpuppt sich als aalglatter Opportunist, der weder Ex-Frau noch Freundin oder seine zwei Kinder wirklich ernst nimmt und stattdessen mit seinem Einkommen prahlt.

Aber auch für die von ihrem neuen Freund Wolfi schwangere Helga ziehen erste Gewitterwolken am Beziehungshimmel auf. Und die ins Abseits manövrierte Patricia hält das rotweinbefeuerte Palaver schließlich nicht mehr aus und verschwindet in Richtung Straßenbahnhaltestelle.

Lustvoll prallen in dieser gut besetzten, melancholisch eingefärbten Komödie in der Regie von Marie Kreutzer («Die Vaterlosen») die Gegensätze aufeinander. Das Drehbuch zum amüsant-bissigen Beziehungschaos stammt von Pia Hierzegger, die auch Huberts neue Freundin spielt. «Es hat mich interessiert, mir die verschiedenen Perspektiven anzuschauen, aber ich glaube auch, dass es hier kein Richtig und kein Falsch gibt, sondern dass jeder für sich selbst entscheiden muss. Dass daraus diese Lügengeschichte geworden ist, ist beim Schreiben entstanden», zitiert die ARD die Autorin.

Schließlich zeigt sich, dass man auch einer 80-jährigen, gesundheitlich labilen Mutter die Wahrheit zumuten kann. Vorher fuchteln noch zwei betrunkene Männer mit dem Jagdgewehr herum, aber dann hat sich die aufgekratzte Mischpoke beruhigt, und alle Lügengeschichten lösen sich am Ende eines langen Familientages in Luft auf.

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