TV-Tipp
Das Geheimnis der Schwestern

So manches Krimiformat wächst dem Zuschauer über die Jahre regelrecht ans Herz. Das gilt auch für die langjährige ZDF-Reihe «Unter anderen Umständen». Im neuesten Fall geht es um ein Familiendrama und zwei Schwestern, die sich verdächtig machen.

Montag, 19.02.2018, 09:26 Uhr

Jana Winters (gespielt von Natalia Wörner) steckt in einem moralischem Dilemma.
Jana Winters (gespielt von Natalia Wörner) steckt in einem moralischem Dilemma. Foto: Marion von Der Mehden

Berlin (dpa) - Wie der Titel der Reihe verrät, geht es seit dem Start 2006 stets um andere Umstände. Das kann vieles sein. Aber immer geht es auch um Mord.

Für die 14. Folge der Reihe «Unter anderen Umständen» mit dem Titel «Das Geheimnis der Schwestern», die am Montag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist, gilt das natürlich auch.

Eine junge Frau hat Zoff mit ihrem Zuhälter, rennt fast vor einen Lkw und liegt am nächsten Tag tot in einem Naturschutzgebiet an der Schlei nahe von Schleswig, angeknabbert von ein paar Wildschweinen.

Polizeihauptkommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) sitzt währenddessen bei Kriminaldirektor Dr. Fabian (Hansjürgen Hürrig), der ihr anbietet, nach einer Fortbildung in zwei Jahren ihren derzeitigen Chef, Arne Brauner (Martin Brambach), als Kriminalrat abzulösen. Der bekommt Wind davon, ebenso wie ihr Kollege Matthias Hamm (Ralph Herforth).

Darunter leiden die Ermittlungen, in deren Fokus verstärkt die beiden Schwestern Katharina Seidel (gut: Nele Mueller-Stöfen) und Sybille Barghaus (glaubhaft: Janna Striebeck) geraten. Die beiden verstricken sich immer weiter in Missverständnissen und Unglaubwürdigkeiten.

Autor André Georgi (52, drei Folgen) und Regisseurin Judith Kennel (59, alle bisherigen Folgen) haben wohltuend ruhig und nachvollziehbar einen spannenden Krimi inszeniert, der nach und nach ein Familiendrama offenlegt. Dabei werden auch Geheimnisse offenbart, regelrechte Lebenslügen, die die mühsam gezimmerte Eigenheim-Idylle alsbald einstürzen lassen.

Hinzu kommen die mehr oder minder verdeckten Anspielungen von Jana Winters männlichen Kollegen, die um die künftige Zusammenarbeit mit ihr fürchten und um ihre Pfründe. Insbesondere der Ex-Trinker und leicht jähzornige Mittfünfziger Brauner rechnet für sich mit dem Schlimmsten.

Das ist vermutlich alles unbegründet, denn ohne Jana Winter - die wieder ohne ihren geschätzten Kollegen Malte Larssen (Magnus Krepper) von der Vermisstenstelle Kopenhagen auskommen muss - wäre das Ganze alles nichts. Wörner spielt gewohnt gut, obgleich sie gerne etwas öfter lächeln dürfte, während Herforth und vor allem Brambach deutlich hinter ihren Möglichkeiten bleiben.

Der Film wurde vor etwa einem Jahr gedreht - und behandelt dennoch derzeit besonders aktuelle Themen wie Macht, Demütigung, Sexualität und Unterdrückung. «Die Struktur und Machtverdichtungen in unserer Gesellschaft sind im Umbruch.

Sexuelle Gewalt und Brutalität gegen Frauen und ein kollektives Schweigen werden nicht mehr hingenommen nach diesem gesellschaftlichen Aufbäumen», erklärt Natalia Wörner in einem Statement der Produktionsfirma Network Movie. «Wir können alle dankbar sein, dass diese wichtige Debatte nicht an Intensität und Differenzierung verloren hat, im Gegenteil. Ich wünsche mir von den Frauen einen ehrlichen, selbstkritischen Blick und von den Männern eine tief empfundene Solidarität.»

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