Digital-«Tatort» aus München
Maria und die ungehackte Empfängnis

München -

Wenn künstliche Intelligenz so weit entwickelt ist, dass sie lernen und Gespräche führen kann - was unterscheidet sie dann noch vom Menschen? Dieser existenziellen Frage gehen Leitmayr und Batic im neuen München-«Tatort» nach. Die Antwort hat mit Eis zu tun.

Sonntag, 21.10.2018, 17:54 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 21.10.2018, 17:54 Uhr
Leitmayr (Udo Wachtveitl, l) und Batic (Miroslav Nemec) sind frustriert, weil die Befragung der Künstlichen Intelligenz «Maria» trotz Unterstützung durch Anna Velot (Janina Fautz) nicht so effizient vorangeht, wie sie sich das wünschen.
Leitmayr (Udo Wachtveitl, l) und Batic (Miroslav Nemec) sind frustriert, weil die Befragung der Künstlichen Intelligenz «Maria» trotz Unterstützung durch Anna Velot (Janina Fautz) nicht so effizient vorangeht, wie sie sich das wünschen. Foto: Hendrik Heiden

Künstliche Intelligenz und Gefahren aus dem Netz scheinen es denen bei der ARD angetan zu haben. Beim «Tatort» wird die digitale Bedrohung mehr und mehr zum Lieblingsthema.

Die neue Folge «KI» aus München, die an diesem Sonntag (21. Oktober) um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, ist also schon Teil eines eigenen kleinen Genres innerhalb der Sonntags-Krimi-Reihe.

Der 79. Fall von Batic und Leitmayr

In ihrem 79. Fall müssen Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) das Verschwinden der 14-jährigen Melanie aufklären. Sie ist die Tochter eines Freundes von Batic, ihre Eltern liegen nach der Trennung im Clinch.

Gerade noch saß das Mädchen in seinem Zimmer - dann war es plötzlich weg. Schon als die Kommissare in Melanies Zimmer den Laptop mit der großen Aufschrift «Caution» beschlagnahmen, ist klar: Auch hier kommt die Gefahr wieder aus dem Computer. Obacht!

München-Tatort: KI

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  • Die Ermittlungen beginnen als Melanie verschwindet. Bei der Suche nach Spuren im Zimmer des Mädchens wird Leitmayr (Udo Wachtveitl, vorne) plötzlich von einer Stimme aus dem Laptop angesprochen. Die Stimme fragt nach Melanie und stellt sich als MARIA vor.

    Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH
  • MARIA ist die gehackte Version einer Künstlichen Intelligenz, die am "Leibniz-Rechenzentrum" in München im Rahmen eines milliardenschweren EU-Projekts erforscht wird.

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  • Melanies Mutter (Lisa Martinek) ist mit der Situation überfordert und muss hilflos zusehen, wie sich ihre Tochter immer weiter zurückzieht.

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  • Robert Degner (Dirk Borchardt) findet seine Tochter Melanie nicht. Im Haus seiner Ex-Frau sieht es aus als ob es einen Einbruch gegeben hätte, daher ruft er seine Polizeikollegen an.

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  • Anna Velot (Janina Fautz) findet einen Chip.

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  • Die vierzehnjährige Melanie Degner (Katharina Stark) ist ein einsames Kind. Ihr Vater hat die Familie verlassen und lebt mit einer neuen Frau und deren Sohn zusammen. Auf ihrem Laptop hat Melanie einen Gesprächspartner gefunden, der ihre beste Freundin wurde: "MARIA".

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  • Christian Wilmots (Thorsten Merten) arbeitet im Rechenzentrum an den Servern. Als die Kommissare ihn nach MARIA fragen, verhält er sich merkwürdig ...

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  • Die Zeit läuft. Jede Stunde mehr lässt die Hoffnung sinken, das Mädchen noch lebend zu finden.

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  • Von links: Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) wollen von den Mitarbeitern des Rechenzentrums Bernd Fehling (Florian Panzner) und Anna Velot (Janina Fautz) wissen, wie die Künstliche Intelligenz funktioniert.

    Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH
  • Von links nach rechts: Regisseur Sebastian Marka, Miroslav Nemec (als Kriminalhauptkommissar Ivo Batic), Janina Fautz (als Anna Velot) und Udo Wachtveitl (als Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr) bei den Dreharbeiten zum neuen Münchner Tatort "KI".

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  • Fasziniert von MARIA ist Anna Velot (Janina Fautz). Hochbegabt, Abitur mit 15 und jüngste Mitarbeiterin des Projektleiters Fehling. "K42 ist ein Ferrari. Aber wir lassen sie in einer 30er Zone fahren" sagt Anna und stellt fest, wie viel weiter sich MARIA gegenüber dem Original entwickelt hat.

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  • Von rechts: Janina Fautz (Rolle:Anna Velot) bespricht mit Regisseur Sebastian Marka ihre Rückfragen zur Szene, die gleich gedreht wird.

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  • Sicher ist nur: MARIA weiß mehr. Aber wie kommuniziert man mit einer KI? Und kann eine KI vor Gericht ein belastbarer Zeuge sein?

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  • Für Batic (Miroslav Nemec, rechts) und Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) stellt sich unterdessen die Frage, wer die Künstliche Intelligenz gespiegelt hat und welche Verbindung derjenige zu Melanie und ihrem Verschwinden hat.

    Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH
  • Von links: Janina Fautz (Rolle: Anna Velot), Florian Panzner (Rolle: Bernd Fehling), Regisseur Sebastian Marka, sowie Udo Wachtveitl (Rolle: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr) und Miroslav Nemec (Kriminalhauptkommissar Ivo Batic) besprechen die Szene, die gleich gedreht wird.

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  • Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind frustriert, weil die Befragung der Künstlichen Intelligenz "Maria" trotz Unterstützung durch Anna Velot (Janina Fautz, Mitte) nicht so effizient vorangeht, wie sie sich das wünschen. 

    Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH
  • Als Robert Degner (Dirk Borchardt) Melanies Laptop holen will, gerät er in einen Streit mit seiner Ex-Frau Brigitte Degner (Lisa Martinek): Ihre gemeinsame Tochter ist verschwunden.

    Foto: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH

Schnell wird klar: Maria, die neue Freundin des eigentlich so einsamen Mädchens, muss etwas über Melanies Verschwinden wissen. Schließlich haben sich die beiden bis zu sechs Stunden am Tag ausgetauscht - und standen auch zum Zeitpunkt ihres Verschwindens in Kontakt.

Kann eine Computerstimme eine Zeugin sein?

Das Problem: Maria ist kein Mensch, sondern eine Stimme aus dem Computer, ein ausgeklügeltes Programm künstlicher Intelligenz, das eigentlich in einem Münchner Forschungszentrum weitgehend unter Verschluss gehalten werden sollte und doch irgendwie den Weg nach draußen gefunden hat - wahrscheinlich durch einen Hacker. «Nix mit Maria und der ungehackten Empfängnis.» Man merkt dem streckenweise zähen Film an, wie sehr seine Macher sich auf diesen Satz gefreut haben.

Die besonderen Umstände des Falles stellen Batic und Leitmayr vor schwierige Fragen wie: Kann eine Computerstimme eine Zeugin sein? Wie stellt man einer solchen Zeugin die richtigen Fragen? Und vor noch viel schwierigere wie: Was unterscheidet eine künstliche, lernfähige Intelligenz überhaupt noch vom Menschen? Leitmayrs Antwort darauf: «Sie weiß nicht, wie Erdbeereis schmeckt.»

Digitale Bedrohungen als Filmstoff

Die Idee, zu den hochbrisanten Themen digitaler Bedrohungen einen Film zu machen, hatten vor den Münchnern schon andere «Tatort»-Macher: 2016 hatte Schauspieler Ken Duken in Stuttgart Angst vor «Big Data». Kurze Zeit später, in der Bremer Episode «Echolot», war die digitale Kopie des Mordopfers die Täterin. In der Neujahrs-Folge 2018 aus dem Saarland ging es laut Titel um «Mord ex Machina» - und in Berlin vor rund einem Monat im Grunde auch. In «Tiere der Großstadt» aus Berlin mussten die Ermittler nämlich die Frage beantworten, ob eine mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschine zum Mörder werden kann.

Realistische Darstellung der Chancen und Risiken

Beim Tatort «KI» werde das Thema insgesamt realistisch dargestellt, sagt Florian Röhrbein vom Lehrstuhl für Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme der Technischen Universität (TU) München, der als beratender Experte an diesem «Tatort» mitgearbeitet hat, dem Bayerischen Rundfunk.

«Die Darstellung der Chancen und Risiken empfinde ich als sehr ausgewogen. Dazu gehört die Gefahr, dass eine KI als Person wahrgenommen werden kann, mit der man eine Beziehung aufbaut, obwohl sie letztlich doch nur Antworten wie im Rahmen einer Google-Suchanfrage liefert.»

 

Chronologie der Münster-Tatorte

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  • Der erste Münster Tatort „Der dunkle Fleck“. Erstausstrahlung 2002.

    Foto: Bernd Thissen
  • „Fakten, Fakten“, 2002.

    Foto: NDR/WDR/Michael Böhme
  • „Dreimal schwarzer Kater“, 2003.

    Foto: NDR/WDR/Michael Böhme
  • „Sag nichts“, 2003.

    Foto: SWR/WDR/Michael Böhme
  • „Mörderspiele“, 2004.

    Foto: WDR
  • „Eine Leiche zuviel“, 2004.

    Foto: WDR/Jürgen Thiele
  • „Der Frauenflüsterer“, 2005.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Der doppelte Lott“, 2005.

    Foto: ARD
  • „Das ewig Böse“, 2006.

    Foto: Nicole Fenneker dpa
  • „Das zweite Gesicht“, 2006.

    Foto: WDR
  • „Ruhe sanft“, 2007.

    Foto: Kirsten Neumann dpa
  • „Satisfaktion“, 2007.

    Foto: WDR/Trambow
  • „Krumme Hunde“, 2008.

    Foto: WDR/Guido Engels
  • „Wolfsstunde“, 2008.

    Foto: Wdr Uwe Stratmann
  • „Höllenfahrt“, 2009.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Tempelräuber“, 2009.

    Foto: ARD
  • „Der Fluch der Mumie“, 2010.

    Foto: ARD
  • „Spargelzeit“, 2010.

    Foto: WDR
  • „Herrenabend“, 2011.

    Foto: WDR
  • „Zwischen den Ohren“, 2011.

    Foto: Thomas Kost
  • „Hinkebein“, 2012.

    Foto: WDR
  • „Das Wunder von Wolbeck“, 2012.

    Foto: ARD
  • „Summ, Summ, Summ“, 2013.

    Foto: Martin Menke/WDR
  • „Die chinesische Prinzessin“, 2013.

    Foto: ARD
  • „Der Hammer“, 2014.

    Foto: ARD
  • „Mord ist die beste Medizin“, 2014.

    Foto: ARD
  • „Erkläre Chimäre“, 2015.

    Foto: WDR
  • „Schwanensee“, 2015.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • „Ein Fuß kommt selten allein“, 2016.

    Foto: ARD
  • „Feierstunde“, 2016.

    Foto: ARD
  • „Fangschuss“, 2017.

    Foto: ARD
  • „Gott ist auch nur ein Mensch“, 2017.

    Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach
  • „Schlangengrube”, 2018

    Foto: Thomas Kost/WDR/ARD/dpa

 

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