TV-Tipp
50 Jahre «ZDF-Hitparade»

Sie war Kult - und sie hatte sie alle: In der Musiksendung gaben sich die Größen der Schlagerszene das Mikro in die Hand. Das ZDF feiert 50 Jahre «Hitparade» mit einer Jubiläumshow, präsentiert von Thomas Gottschalk. Der eigentliche Star des Abends fehlt allerdings.

Samstag, 27.04.2019, 00:01 Uhr
Thomas Gottschalk (l) und David Hasselhoff in «50 Jahre ZDF Hitparade».
Thomas Gottschalk (l) und David Hasselhoff in «50 Jahre ZDF Hitparade». Foto: Silas Stein

Offenburg (dpa) – Das ZDF hat Grund zum Feiern. In der Show «50 Jahre ZDF-Hitparade» nimmt Thomas Gottschalk die Zuschauer mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Kultformats. Gut 30 Jahre lang hat die Sendung ab 1969 die deutsche Musiklandschaft geprägt wie keine andere. Wer sich für Schlager interessierte, kam in der Ära vor YouTube nicht an ihr vorbei.

Für die Sänger galt das ebenfalls - egal ob Udo Jürgens oder Nena, Wolfgang Petry oder Nicole, Howard Carpendale oder Trio, Caterina Valente oder Mary Roos. Und sie machte Dieter Thomas Heck, der sie präsentierte, selbst zur Berühmtheit. Das ZDF zeigt die Jubiläumssendung am Samstag (27. April) um 20.15 Uhr.

Heck, der 2018 starb, ist zum Auftakt in einem Einspieler mit seiner legendären Anmoderation von 1969 zu sehen und zu hören: «Hier ist Berlin. Das Zweite Deutsche Fernsehen präsentiert Ihnen Ausgabe Nummer eins der Hitparade!» In der Jubiläumssendung dürften sich viele Zuschauer ins elterliche Wohnzimmer von damals zurückversetzt fühlen. Als Kinder und Jugendliche haben sie die «Hitparade» immer samstags nach dem Baden geschaut, verrieten Fans vor der Aufzeichnung in der zweiten Aprilwoche in Offenburg. Sie seien gekommen, um die Helden ihrer Jugend wiederzusehen. «Wenn wir hier nachher rausgehen, sind wir 20 Jahre jünger», prophezeite ein 65-jähriger Zuschauer.

Vor einem halben Jahrhundert setzte die Hitparade einen Kontrapunkt zur Beatmusik. «Mister Hitparade», wie Heck bald genannt wurde, war ein überzeugter Schlagerfan und wollte deutschsprachiger Musik eine Plattform bieten. Die «Hitparade» war in mehrfacher Hinsicht innovativ: Das Studiodesign war funktional-modern, die Auftretenden wurden nicht kunstvoll in Szene gesetzt, sondern sangen inmitten der Zuschauer live zu Instrumental-Playback, das von einem Pult im Studio gesteuert wurde.

Die Show war auch Abbild der sich wandelnden Musikszene. In den achtziger Jahren öffnete sich die Show englischsprachigen Interpreten und führte Vollplayback ein, bevor das Format in den neunziger Jahren wieder zu deutschem Live-Gesang zurückkehrte. Im Jahr 2000, nach 368 Ausgaben und zwei weiteren Moderatoren - Viktor Worms und Uwe Hübner - war dann Schluss.

Gitterrohroptik, Tonmischpult und Klappzahlenuhr – optisch orientiert sich die Jubiläumsshow an den Anfängen der Hitparade, mit einem Unterschied: Gottschalk hat eine halbrunde Couch mitgebracht, die an seine eigene frühere Show «Wetten, dass ..?» erinnert. Von hier aus führt er gewohnt locker durch den Abend und empfängt Gäste, von denen einige durch die Hitparade einem Millionen-Publikum bekannt wurden.

Ihren ersten Auftritt in der «Hitparade» hatte Marianne Rosenberg mit 14 Jahren. Danach habe sie in der Schule Autogramme geben müssen, erzählt sie. Michael Holm erklärt, welche Bedeutung die Sendung für die Künstler ahtte: Nach einem Auftritt habe sich eine Nummer in der Regel gut verkauft.

Auch Howard Carpendale, der 57 Auftritte in der «Hitparade» hatte, gehört zu den Gästen. Für ihn sei die Sendung immer wie ein Familientreffen gewesen. Wer in dieser Familie das Oberhaupt war, wird ebenfalls deutlich: Dieter Thomas Heck habe man alles zu verdanken, sagt Michael Holm. Die Sendung ist in weiten Teilen eine Verneigung vor dem Moderator mit den unverkennbaren Stakkato-Ansagen.

Musik darf beim «Hitparaden»-Geburtstag natürlich nicht fehlen. Howard Carpendale, Marianne Rosenberg und Heino geben ihre Hits zum Besten genauso wie Wencke Myhre, Bonnie Tyler, Bernhard Brink, Nicole, Matthias Reim, David Hasselhoff und weitere. Das Publikum hält es bei den Liedern nicht auf den Plätzen.

Und selbst Thomas Gottschalk, der nicht gerade als Schlager-Fan bekannt ist, gibt sich am Ende geläutert. Er habe sich gefragt, ob eine Schlager-Show seiner Karriere schaden könne, hatte er vor Beginn der Show noch gewitzelt. Zum Schluss verspricht er, auch für die Jubiläumsgala zum 75. zur Verfügung zu stehen. Die Fans hätten nichts dagegen: «Der macht’s halt immer super», sagt eine Zuschauerin. Und der 65-jährige Fan vom Anfang korrigiert seine Aussage von vor der Show: Nicht 20, sondern 25 Jahre jünger seien er und seine Frau jetzt.

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