Die achtteilige Serie „Das Boot“ im ZDF
Seekrieg und ein bisschen Liebelei an Land

Der Film von Wolfgang Petersen ist Legende: „Das Boot“ zeigte die Not einer U-Boot-Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Sky hat aus dem Stoff eine Serie gemacht, die jetzt erstmals von ZDF gezeigt wurde. Eine kritische Würdigung.

Montag, 06.01.2020, 18:24 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 19:17 Uhr
Frauen an Bord bringen Unglück. Dennoch besucht Übersetzerin Simone Strasser (Vicky Krieps) ihren Bruder Frank (Leonard Scheicher) in der Sky-Serie auf dem U-Boot.
Frauen an Bord bringen Unglück. Dennoch besucht Übersetzerin Simone Strasser (Vicky Krieps) ihren Bruder Frank (Leonard Scheicher) in der Sky-Serie auf dem U-Boot. Foto: ZDF

Es gibt in der Serie zwei Figuren, die die Geschehnisse an Bord und an Land klug verschränken. Vicky Krieps und der weniger bekannte Leonard Scheicher spielen das aus dem Elsass stammende Geschwisterpaar Strasser. Sie ist Übersetzerin im Dienst der deutschen Besatzer im französischen La Rochelle, er Funker an Bord der U-612 in „Das Boot“, der Neuverfilmung des Romans von Lothar Günther Buchheim durch den österreichischen Regisseur Andreas Prochaska. Und wie immer bei Neuverfilmungen eines populären Stoffes – Wolfgang Petersens Kinofilm von 1981 ist unvergessen und wird auch musikalisch zitiert – stellt sich die Frage, ob das Remake etwas taugt.

Das kann man insofern bejahen, als Petersens Erfolgsfilm seinerzeit fast nur an Bord des U-Boots spielte, also eine waschechte Männergeschichte war. Nun, in der neuen Version, für die der Bezahlsender Sky, die Bavaria Fiction und Sonar Entertainment verantwortlich zeichnen, haben die Autoren Tony Saint und Johannes W. Betz den Achtteiler in zwei parallele Handlungsstränge aufgespalten. Das zeitgeschichtliche Panorama ist somit ein größeres, weil die Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht und der Kampf der Résistance dagegen thematisiert werden. Dass dieser Strang aber von Folge zu Folge mehr zu einer Dreiecksgeschichte zwischen dem Kriminalrat Hagen Forster (gespielt von Tom Wlaschiha), der Widerstandskämpferin Carla Monroe (Lizzy Kaplan) und der Übersetzerin gerät, ist schade. Auch die Folterszenen an einer Gefangenen zu Beginn sind nicht unbedingt ein Gewinn, zumal man Vergleichbares schon oft gesehen hat.

Ordentliche Einschaltquoten

Vermutlich ist dieser Handlungsstrang an Land ein Zugeständnis an die jüngere Zielgruppe, die Sky für die Serie im Auge hat. Das gilt auch für das Geschehen im Boot, wo die Seeleute Poker spielen und in einer der nächsten Folgen sogar gegen den jungen „Kaleu“ Hoffmann meutern, der sich unversehens in einem Beiboot ausgesetzt sieht – ein bisschen „Bounty“ und „Seewolf“ also. Rick Okon spielt ihn als Sohn, der schwer zu tragen hat an der Bürde des ach so erfolgreichen Vaters.

Sein Gegenspieler ist August Wittgenstein als Oberstleutnant Tennstedt, der als regimetreuer Seemann trotz dieses dramaturgisch reizvollen Duelles etwas eindimensional bleibt. Was für viele Figuren der Serie gilt – bis auf Rainer Bock als Fregattenkapitän Gluck und Tom Wlaschiha als Kriminalrat, denen eine Ambivalenz zu Eigen ist. Technisch – und das ist gut so – versucht die Serie gar nicht erst, das Original zu überflügeln.

Mit den Quoten kann das ZDF als Zweitnutzer zufrieden sein. Die Auftaktfolgen am Freitag kamen auf 4,7 Millionen Zuschauer und 15,2 Prozent Marktanteil. Der hat sich am Wochenende bei 12,3 Prozent eingependelt. Die Folgen liefen allerdings, wie das gestrige Finale, zu späterer Stunde.

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