TV-Tipp
Tatort: Die Nacht gehört dir

Das fränkische «Tatort»-Team um die Kommissare Voss und Ringelhahn hat seinen sechsten Fall zu lösen. Die Kriminalisten tauchen ein in die Welt von Datingportalen und deren Kunden.

Sonntag, 01.03.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 05:02 Uhr
Die Kriminalhauptkommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) ermitteln in einem Mordfall.
Die Kriminalhauptkommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) ermitteln in einem Mordfall. Foto: Hendrik Heiden

Nürnberg (dpa) - Geschlagene acht Minuten wird der Zuschauer beim neuen Franken-«Tatort» des Bayerischen Rundfunks in dem Glauben gelassen, er habe versehentlich die Programmtaste verwechselt und sei beim ZDF-Herzkino gelandet.

Ein ebenso ausgiebiger wie umständlicher Flirt von Hauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) mit einer Honigverkäuferin (Maja Beckmann) vor fränkisch-idyllischer Marktkulisse wird erst durch das Machtwort von Kollegin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) beendet: «Es geht hier nicht um Leben, sondern um Tod!» Und los kann es gehen mit den Ermittlungen zum Mord an einer erfolgreichen Grundstücksmaklerin, dem sechsten Fall der fränkischen «Tatort»-Crew aus Nürnberg. Er läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

Des Kommissars altmodische Flirtversuche hat Regisseur Max Färberbock bewusst als Kontrapunkt an den Anfang einer Geschichte gestellt, die sich vor allem um Beziehungen im Zeitalter des Internets rankt. In «Die Nacht gehört dir» wird schnell klar, dass das Mordopfer Barbara «Babs» Sprenger (Anna Tenta) eine Art Doppelleben führte: Erfolgreich, kontrolliert und beliebt ist sie im Beruf. «Die Frau hat sich keine Missverständnisse erlaubt, nie!», beschreibt ihr Chef die tote Mitarbeiterin.

An ihrem Geburtstag wird sie mit einem Sushi-Messer erstochen. Ihre unterkühlte Kollegin Theresa Hein (Anja Schneider) gesteht das Verbrechen auffallend rasch.

Die fränkische Ermittler-Crew um Ringelhahn und Voss braucht nicht lange, um herauszufinden, dass das Sauber-Frau-Image der Barbara Sprenger eine Fassade war. Laszive Videos aus Datingportalen tauchen auf, die Zahl der Verdächtigen nimmt zu - vom alternden Designer-Gigolo bis zum jungen Klaviertalent - gespielt vom Nürnberger Musikstudenten Lukas B. Amberger, dessen Schwester Muriel Baumeister ebenfalls schon schauspielerische Erfahrung im «Tatort» gesammelt hat.

«Für mich als jungen Schauspieler in der Ausbildung war es toll, sich mit den anspruchsvollen und seelisch teils beklemmenden Inhalten, die im Film und in der Figur selbst angelegt sind, so intensiv auseinanderzusetzen. Durch die Arbeit begegnet man sich Tag für Tag selbst», sagte Amberger im Presseheft zum Film.

Es ist der sechste «Tatort» aus Franken und der dritte unter der Regie von Max Färberbock («Aimée und Jaguar»), der zusammen mit Catharina Schuchmann auch wieder das Drehbuch schrieb. «'Die Nacht gehört dir', ist Färberböck pur», sagt die zuständige Redakteurin Stephanie Heckner vom Bayerischen Rundfunk. Der Regisseur zeige verzweifelte Figuren in einem intimen Fall um die Sehnsucht nach Liebe, den er bis in den Abgrund hinein auslote. «Was macht das Digitale mit der Sehnsucht nach der Liebe? Was macht es mit einsamen Menschen? Ist das Leben in einer Beziehung so einfach, so leicht und so spaßig, wie die Werbung diverser digitaler Dating-Plattformen einen glauben macht?»

Färberböck schafft es, auf die meisten dieser zentralen Fragen in den knapp 90 «Tatort»-Minuten eine Antwort zu finden. Teils auf der Suche nach Lokalkolorit auch mit Hilfe eines ein wenig gewollt wirkenden derb-fränkischen Akzents der Co-Ermittler Michael Schatz (Matthias Egersdörfer) und Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt).

«In jeder Sekunde geschehen unzählige, absolut unfassbare, von Menschen verursachte Katastrophen. Von so einem Moment erzählt der Film», sagt Färberböck im Presseheft. Das bislang so erfolgreiche Leben der Frau habe einen Endpunkt erreicht - schon vor dem Mord. Der altmodische Eingangsflirt von Kommissar Voss wirkt am Ende noch sympathischer.

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