TV-Tipp
Im Sog des Geldes

Mit beunruhigenden Einblicken in die Finanzwelt hat die Serie «Bad Banks» viele fasziniert. Jetzt zeigt 3sat ein ähnliches Format aus der Schweiz.

Mittwoch, 04.03.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 05:03 Uhr
Das vermeintliche Traumpaar Virginia Grangier (Lauriane Gillieron) und Paul Grangier (Vincent Kucholl).
Das vermeintliche Traumpaar Virginia Grangier (Lauriane Gillieron) und Paul Grangier (Vincent Kucholl). Foto: dpa

Berlin (dpa) - Ein sympathischer Mann wird in Genf zum Bankier des Jahres gewählt und liegt wenig später im Koma. So beginnt die sechsteilige Schweizer TV-Serie «Im Sog des Geldes» («Quartier des Banques»), die an diesem Mittwoch um 22.25 Uhr auf 3sat startet.

«Bis vor kurzem war das Leben schön für Schweizer Bankiers» - so spricht Paul Grangier (Vincent Kucholl), Präsident der Privatbank Grangier & Co. Wenig später liegt er bewusstlos in der Genfer Familienvilla - er hat sich wohl versehentlich zu viel Insulin gespritzt und fällt ins Koma. Seine Schwester Elisabeth (Laura Sepul) glaubt hingegen an ein Verbrechen, denn sie entdeckt bei ihm einen rätselhaften Fleck am falschen Arm. Paul hatte verfügt, dass sie seinen Posten im Vorstand der Familienbank übernehmen soll, falls ihm etwas zustößt. Das wiederum passt ihrem älteren Bruder Alexandre (Arnaud Binard) gar nicht, und auch ihre Mutter, Familienoberhaupt Blanche Grangier (Brigitte Fossey), scheint nicht gerade begeistert. Allein Elisabeths Ex-Mann Luc (Karim Barras) will ihr helfen.

Regisseur Fulvio Bernasconi (50, «Dick Marty», «Barmherzigkeit») lässt seine Serie in Genf, Bern, auf Malta und im Jahr 2012 spielen. Damals waren Schweizer Banken wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ins Visier amerikanischer und französischer Justiz geraten.

Die Serie zeigt zudem, dass eben jene Banken beim Geldscheffeln seit jeher ganz oben mitspielen, dank ziemlicher Skrupellosigkeit, absoluter Diskretion und einem großen Trumpf: dem Bankgeheimnis. Dass dabei - trotz aller geheuchelten Solidarität - auch dunkle Geschäfte gemacht wurden, wird hier symbolisiert durch die gefährliche Mafiachefin Nina Borova (Olga Korotyayeva) und ihre schlagkräftigen Begleiter. Und auch die Politik spielt kräftig mit.

Die Serie ist nicht ganz so spannend und knallhart wie «Bad Banks» auf ZDF und Arte, dafür aber deutlich emotionaler und zynischer. Sie mag konservativ erzählt sein, hat aber insgesamt doch alles, was eine moderne Serie heutzutage braucht: Intrigen, Machtspiele, Erpressung, Entführung, Geschäfte mit der Russenmafia, Steuerhinterziehung, Sorge um Arbeitsplätze, Verdacht auf Geldwäsche - und nicht zuletzt: familiäre Tragödien. Die Synchronisation ist etwas hölzern, aber die Schauspieler - allen voran Laura Sepul - agieren gut, und es gibt ein Wiedersehen mit Brigitte Fossey (74, die Mutter aus «La Boum - Die Fete»). Die Handlung ist überschaubar, und bis zum Schluss bleibt offen, wem hier wirklich zu trauen ist oder wer hier nur scheinheilig tut.

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