TV-Tipp
Glück ist was für Weicheier

Ein Vater, zwei Mädchen und der Tod: Um eine besondere Familiengeschichte geht es zum Start einer Filmreihe im ZDF. Was schwermütig klingt, gelingt wunderbar leicht und humorvoll.

Donnerstag, 16.07.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 05:06 Uhr
«Glück ist was für Weicheier» mit Jessica (Ella Frey) und ihrem Filmvater Gabriel (Martin Wuttke).
«Glück ist was für Weicheier» mit Jessica (Ella Frey) und ihrem Filmvater Gabriel (Martin Wuttke). Foto: Bernd Spauke

Berlin (dpa) - Ein alleinerziehender Vater mit zwei pubertierenden Töchtern kämpft sich mühsam durchs Leben, das für das jüngere und lungenkranke Kind bald zu Ende sein wird.

Wie die drei Menschen mit dieser Krise fertig werden, zeigt das Filmdrama «Glück ist was für Weicheier» an diesem Donnerstag (23.15 Uhr) im ZDF. Der Film wird zum Start der fünfteiligen Reihe «Shooting Stars - Junges Kino im Zweiten» gezeigt. Leider laufen alle Beiträge erst im Spätprogramm.

«Der sexuelle Orgasmus ist wie eine Maus - während der Orgasmus des Todes ein wahrer Elefant ist.» Mit diesem skurrilen Vergleich versucht Stefan (Martin Wuttke) einem sterbenden Mann den nahen Abschied von dieser Welt leichter zu machen - doch der schnarcht vernehmlich. Ein anderer stirbt mitten im Gespräch. Stefan ist Sterbehelfer und hat selbst ein schweres Päckchen zu tragen, denn vor elf Jahren kam seine Frau bei einem Autounfall ums Leben. Seitdem erzieht er seine beiden Töchter im kleinen Häuschen in Bielefeld-Quelle allein, was sich angesichts seiner immer wiederkehrenden Depressionen zunehmend schwieriger gestaltet.

Sabrina (Emilia Bernsdorf) ist 16 und hat eine schwere Lungenkrankheit, an der sie in den nächsten Wochen sterben wird. Das hindert sie nicht daran, reihenweise Horrorfilme zu gucken. Ihre Schwester, die zwölfjährige Jessica (Ella Frey), scheint ein paar merkwürdige Ticks zu haben, erfindet sie doch komische Geschichten und glaubt an gute Zahlen wie die 4 und böse Zahlen wie die 98. Letztere könne Unheil bringen für den, der mit ihr zu tun hat. Was dann leider auch für die 8, die 9, die 198 etc. gilt.

Zur Behandlung ihrer Neurosen ist Jessica bei Dr. Wolfgang Teuter (Christian Friedel), der sie auffordert, ein «Zwangstagebuch» zu führen. Da hineinschreiben soll sie auch, dass sie in der Schule gemobbt wird, weil ihre Mitschüler sie für einen Jungen halten - das Buch wird randvoll.

Angesichts dieser Figuren - die wahrlich keine Weicheier sind - und ihrer Schicksale könnte das ein zutiefst trauriger Film sein. Das ist er aber zum Glück nicht. Vielmehr zeigt die rumänische Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu (40, Regie bei den Serien «Hackerville» und «Wir sind die Welle») in ihrem zweiten Langfilm nach «Die Reise mit Vater» wunderbar leicht und humorvoll, wie die Figuren im Film die Komik und die Tragik im Leben meistern und dabei lernen, die Endlichkeit des eigenen Lebens zu akzeptieren. Oder wie Stefans Hospizchefin Renate Gems (Sophie Rois) es ausdrückt: «Sterbebegleitung ist kein Ausflug nach Legoland» - nachdem sie für ihn gekocht hat und ihn zum Dessert vernaschen möchte.

Der Film (Buch: Silvia Wolkan) bietet eine etwas andere Familiengeschichte, viele ungewöhnliche Einstellungen (Kamera: Christian Stangassinger) und ebensolche Musik (Vivian Bhatti, Ketan Bhatti). Er wird vor allem getragen von den drei herausragenden Schauspielern Martin Wuttke (58, «Ottilie von Faber-Castell - Eine mutige Frau»), Emilia Bernsdorf (22, «Meine Mutter spielt verrückt») und der jungen Ella Frey (16, «Auf Augenhöhe»), die das Anderssein ihrer Figur derart grandios spielt, dass es kaum einen Zuschauer unberührt lassen dürfte. Aussehen sei gar nicht so wichtig, im Leben zählten andere Dinge - nur welche, verrät ihr Film-Vater leider nicht. Jessica wird sich nicht unterkriegen lassen - und es herausfinden.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-789077/2

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