WDR-Kabarett
Neue Ära bei den «Mitternachtsspitzen»

Mit dem Abgang der kabarettistischen Urgesteine Becker, Schmickler und Lyko ging bei den «Mitternachtsspitzen» eine Ära zu Ende. Der neue Gastgeber Christoph Sieber will vieles ändern - und einiges erhalten.

Freitag, 05.02.2021, 08:00 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 08:02 Uhr
Christoph Sieber übernimmt die «Mitternachtsspitzen».
Christoph Sieber übernimmt die «Mitternachtsspitzen». Foto: Oliver Berg

Köln (dpa) - Bei der traditionsreichen WDR-Kabarettsendung «Mitternachtsspitzen» beginnt eine neue Zeitrechnung. Mit Christoph Sieber übernimmt von diesem Samstag an (6. Februar/21.45 Uhr) ein neuer Mann das Ruder.

Er hat große Fußstapfen zu füllen: Im Dezember hatten sich nach fast 30 Jahren die Urgesteine Jürgen Becker (61), Wilfried Schmickler (66) und Uwe Lyko (66) verabschiedet.

Dementsprechend sehe er seiner neuen Aufgabe mit ziemlichem Respekt entgegen, sagte Sieber der Deutschen Presse-Agentur in Köln: «Die "Mitternachtsspitzen" sind ein Flaggschiff der deutschen Kabarett-Unterhaltung - und ich möchte der Kapitän sein, der dieses Schiff auf gutem Kurs hält.»

Dass künftig Vieles anders werden wird, liegt auf der Hand. Mit dem Abgang der altgedienten Protagonisten verschwinden auch beliebte Rubriken. Sketch-Reihen wie «Überschätzte Paare der Weltgeschichte», bei denen sich Schmickler als Bundeskanzlerin Angela Merkel Dialoge mit Prominenten lieferte, die von Lyko dargestellt wurden, könne man nicht einfach mit anderen Personen weiterführen, sagt Sieber. «Insofern wird sich das Publikum erst mal umgewöhnen müssen.»

Er wolle aber auch vieles beibehalten, betont der in Köln lebende 51-Jährige. Etwa die vom vorherigen Moderator Becker praktizierte «Volksnähe» - dass Kabarett nicht nur intellektuell und abgehoben mit erhobenem Zeigefinger sein müsse. Der «Alten Wartesaal» am Kölner Hauptbahnhof bleibe als feste Location, in der die Sendung donnerstags vor der Ausstrahlung aufgezeichnet wird - normalerweise vor Saalpublikum. Dass das wegen Corona zurzeit nicht gehe, sei sehr schwierig: «Es fehlen die Lacher und die Resonanz. Man weiß ja gar nicht, ob eine Pointe bei den Zuschauern ankommt.»

Prinzipiell ist der gebürtige Baden-Württemberger, der an der Essener Folkwang-Schule Pantomime studierte, aber sehr fernseherfahren. So moderierte er drei Jahre lang die SWR-«Spätschicht» und seit 2015 zusammen mit Tobias Mann die ZDF-Sendung «Mann, Sieber», die Ende 2020 eingestellt wurde. Daneben hatte er immer wieder Auftritte in TV-Kabarettshows, darunter auch den «Mitternachtsspitzen». Von deren Team bleiben Susanne Pätzold und Philip Simon auch künftig an Bord.

In der Sendung sollen wie bisher sowohl Newcomer als auch etablierte Künstler ihren Platz haben, sagt Sieber. Bei seiner Premiere als Moderator am Samstag seien zum Beispiel Helge Schneider und Christian Ehring dabei. Auch Sieber will als Gastgeber regelmäßig «satirisch das Florett schwingen und die ein oder andere Ungerechtigkeit aufs Korn nehmen».

Inhaltlich soll die am längsten existierenden Kabarettsendung im deutschen TV - die erste Folge lief 1988 - ihre Linie weitgehend beibehalten. Der Schwerpunkt werde weiter auf politischem Kabarett liegen, aber es dürfe auch mal Quatsch gemacht werden. Wichtig sei, dass immer ein gewisser Anspruch dahinter stehe, sagt Sieber. «Es bleibt eine Satire-Sendung, die keine Angst vor Albernheiten hat.»

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