„Jojo Rabbit”
Hitler im Kopf, Jüdin auf dem Dach

Ein zehnjähriger Junge wird gegen Ende der Nazizeit als Hasenfuß verspottet. Er phantasiert sich Hitler persönlich als Motivationscoach herbei – und findet dann ein jüdisches Mädchen auf dem Dach seines Elternhauses. Ein wilder Mix aus Tragödie und Satire, sechsfach oscarnominiert.

Donnerstag, 23.01.2020, 13:16 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 17:36 Uhr
Der kleine Jojo Betzler (Roman Griffin) hält seltsame Zwiesprache mit Adolf Hitler (Taika Taititi).
Der kleine Jojo Betzler (Roman Griffin) hält seltsame Zwiesprache mit Adolf Hitler (Taika Taititi). Foto: imago

Jojo wär so gern ein mutiger Nazi. Ein stolzer Hitlerjunge ist der Zehnjährige schon, voller Eifer, obgleich sich der Zweite Weltkrieg schon dem Ende nähert. Doch als er im Trainingslager an der Aufgabe scheitert, einen Hasen zu töten, wird er als „Jojo Rabbit“ verspottet. Fortan hält er Zwiesprache mit seinem eingebildeten Mentor: Adolf Hitler persönlich, oder vielmehr die kindliche Version, die seine Vorstellungskraft aus dem Diktator macht. Die nächste Erschütterung seiner antisemitischen Arierseele folgt allerdings sogleich: Jojo entdeckt, dass seine Mutter (Scarlett Johansson) auf dem Dachboden das jüdische Mädchen Elsa versteckt.

Unterhaltsam gegen den Hass 

Scherze über Hitler und den Holocaust sind heikel. Selbst jüdische Regisseure von Ernst Lubitsch über Mel Brooks („Frühling für Hitler“) bis hin zu Dani Levy („Mein Führer“) wurden immer wieder mit der Frage konfrontiert: Darf man das? Natürlich, man darf, sofern man die Balance hält zwischen Abgrund und Satire und der Verharmlosungsfalle entgeht.

Dem Neuseeländer Taika Waititi, Maori und Jude und in den letzten Jahren vom Indiefilmer zum Hollywood-Großregisseur („Thor 3“) avanciert, gelingt der Spagat ziemlich gut: Innerhalb weniger Momente lässt er den Film von infantilem Klamauk in tiefste Tragik kippen – und zurück. „Jojo Rabbit“ ist fabelhaft unterhaltsam, transportiert dabei eine zutiefst humanistische Botschaft gegen den Hass.

Bewertung

"JoJo  Rabbit": Drama-Komödie von Taika Waititi mit Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scalett Johansson (1 Std. 48 Min)

Bewertung: 4 von 4 Sterne. 

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Ob er die Nazis qua Verblödelung verniedlicht, ist allerdings eine Frage, die das Publikum für sich selbst beantworten muss. Wichtig ist die kindliche Perspektive, aus der der sechsfach oscarnominierte Film erzählt – und Roman Griffin Davis als Jojo und Thomasin McKenzie als Elsa sind zwei Newcomer, die man sich merken sollte. Cinema

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