Eine obsessive Geigenlehrerin
„Das Vorspiel“: Nina-Hoss-Show

Immer wieder mal gibt es Filme, die einen schon durch ihre Besetzung in den Bann ziehen. Wenn Nina Hoss eine Geigenlehrerin spielt, die über ihren pädagogischen Eifer die eigene Familie vernachlässigt, ist einem die Story - fast - egal.

Donnerstag, 23.01.2020, 13:30 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 16:36 Uhr
Nina Hoss geigt.
Nina Hoss geigt. Foto: Judith Kaufmann/Port au Prince

Wer Nina Hoss vor der Kamera hat, muss eigentlich nicht viel mehr tun, als die Kamera aus halbnaher Distanz auf sie zu richten und ihre zwischen Skepsis, Neugier, Zorn und allen möglichen anderen Regungen changierenden Blicke einzufangen, hinzuschauen, wie sie mit den Mundwinkeln zuckt, die Lippen zusammenpresst oder nervös schluckt.

Das ist auch diesmal wieder so: In „Das Vorspiel“ von Ina Weisse („Der Architekt“) spielt Hoss die Geigenlehrerin Anna, die einen talentierten Schüler coacht und über ihrem zunehmend obsessiven Eifer vergisst, sich um ihren Sohn und ihren Mann (Simon Abkarian) zu kümmern. Worum es geht, wird bald klar: um Annas Versagensängste und einen nicht nur in diesem Metier immensen Leistungsdruck.

Bewertung

"Das Vorspiel": Drama von Ina Weisse, mit Nina Hoss, Simon Abkarian, Jens Albinus (1 Std. 39 Min)

Bewertung: 4 von 5 Sterne. 

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Die Story erinnert an „Lara“ mit Corinna Harfouch, doch Weisse macht was Eigenes draus: Vieles bleibt skizziert, nichts wird, wie es im deutschen Film so oft der Fall ist, zu Tode erläutert. Das toll besetzte Drama (Jens Albinus aus „Idioten“ als Annas Geliebter, Thomas Thieme als dominanter Vater) ist aber vor allem ein schauspielerischer Leckerbissen.

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