Rückgang in der «Goldenen Ära»
Studie: Frauenmangel in Hollywood von Studiosystem geprägt

Während der «Goldenen Ära» schuf Hollywood berühmte Filmklassiker, doch Frauen brachten die Jahre des Studiosystems wenig Gutes. Ihr Anteil am Filmgeschäft nahm ab den 1920er Jahren deutlich ab, stellen Forscher fest. Noch heute herrscht Frauenmangel.

Donnerstag, 02.04.2020, 02:30 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 05:03 Uhr
Ein Oscar vor dem Porträt von Marlene Dietrich.
Ein Oscar vor dem Porträt von Marlene Dietrich. Foto: Ralf Hirschberger

Evanston (dpa) - Frauen sind in Hollywoods Filmindustrie in vielen Bereichen unterrepräsentiert. Der Frauenmangel machte zuletzt bei der Oscar-Verleihung im Februar Schlagzeilen, als in der Sparte «Beste Regie» wieder nur Männer nominiert waren.

Forscher der Northwestern University in Evanston (US-Staat Illinois) haben nun die Rolle von Frauen während 100 Jahren in Hollywood beleuchtet.

Mit der sogenannten «Goldenen Ära», als mächtige Filmstudios von den 1920er bis in die 1950er Jahre das Sagen hatten, ging ein starker Rückgang von Frauen in Sparten wie Schauspiel, Regie, Produktion und Drehbuchschreiben einher. Das berichtet das Team um den Physiker Luís Nunes Amaral, Kodirektor des Instituts für Komplexe Systeme, im Fachmagazin «PLOS One».

Die Gruppe wertete mehr als 26.000 Filme aus, die zwischen 1910 und 2010 in den USA produziert wurden. Sie schauten dabei auf weibliche Beteiligung, als Schauspielerinnen, aber auch als Regisseurinnen, Autorinnen und in der Produktion. Bis 1920 waren demnach Frauen in verschiedenen Bereichen der Traumfabrik noch stärker vertreten. Sie machten etwa 40 Prozent der Schauspielbesetzung aus und produzierten rund 12 Prozent der Filme.

Doch ihre Zahl nahm der Studie zufolge drastisch ab, als sich um 1920 mächtige Studios wie Paramount Pictures, 20th Century Fox, MGM und Warner Bros. mit männlichen Bossen etablierten. Der Anteil von Regisseurinnen und Produzentinnen sei in den 1930er Jahren quasi auf Null gesunken. «Dieser Einbruch ist besonders bedeutsam, denn die Entscheidungen von Produzenten sind maßgeblich», schreiben die Forscher. Gerade Frauen in solchen wichtigen Positionen würden andere Frauen im Filmgeschäft fördern.

Seit dem Zusammenbruch des Studiosystems um 1950 sei der Frauenanteil in Hollywood langsam wieder angestiegen. Er sei aber auch heute noch «erstaunlich niedrig», bilanzieren die Wissenschaftler.

Hollywood ist immer noch weitgehend Männersache. Auf der Leinwand geben männliche Protagonisten den Ton an. Unter dem Hashtag #OscarsSoMale - die Oscars sind so männlich - stand Hollywoods Trophäenshow im vergangenen Februar unter Druck. In der Regie-Sparte wurden Frauen völlig übergangen.

Doch Organisationen wie «Women in Film» setzen sich verstärkt für Chancengleichheit im Filmgeschäft ein. Schauspielerinnen wie Reese Witherspoon haben eigene Produktionsfirmen gegründet, aus Frust über den Mangel an guten Frauenrollen. Die Oscar-Akademie bemüht sich um mehr Vielfalt und lädt nun jedes Jahr deutlich mehr Frauen und Vertreter von Minderheiten als neue Mitglieder ein. 2019 waren es über 800 Neuzugänge, die Hälfte davon Frauen. Der Frauenanteil in der rund 9000 Mitglieder starken Organisation ging damit auf 32 Prozent hoch, verglichen mit 25 Prozent im Jahr 2015.

Auch die «Inclusion Rider»-Bewegung gewinnt in Hollywood mehr Anhänger. Das ist eine Klausel in Verträgen, die zum Beispiel die Anstellung von mehr Frauen oder Angehörigen von Minderheiten vor und hinter der Kamera vorsieht.

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