Corona-Krise
Geschlossene Kinos: Verband fordert Hilfsprogramm

Die Popcorn-Maschinen stehen still, die Leinwände bleiben schwarz. Die Kinos in Deutschland sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Ein Verband fordert einen Hilfsfonds - und Unterstützung für viele Minijobber an den Kinokassen.

Donnerstag, 02.04.2020, 15:43 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 16:56 Uhr
Die Zukunft vieler Kinos steht auf dem Spiel.
Die Zukunft vieler Kinos steht auf dem Spiel. Foto: Sebastian Gollnow

Berlin (dpa) - Die Kinos in Deutschland stehen nach Einschätzung eines Branchenverbands vor massiven finanziellen Schwierigkeiten. Die Filmtheater sind bundesweit geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. «Jedes Ticket, das jetzt nicht verkauft werden kann, ist für immer verloren», warnte der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) in Berlin.

Wenn die Kinos am Ende drei Monate geschlossen bleiben müssten, würden nach HDF-Schätzungen Kosten von rund 186 Millionen Euro auflaufen. Knapp 40 Millionen Besucher weniger seien dann in diesem Jahr zu erwarten. Viele Betriebe stünden schon jetzt am Rande ihrer wirtschaftlichen Belastbarkeit, heißt es in dem Papier.

Kinobetreiber befürchten auch dann noch Einbußen, wenn sie wieder öffnen können. Der HDF rechnet damit, dass Kinosäle anfangs noch nicht wieder voll besetzt werden dürfen. Außerdem bräuchten Verleiher einen gewissen Vorlauf und viele Filmstarts sind um Monate verschoben. Dazu gehören Blockbuster wie der neue «James Bond» oder die Neuverfilmung des Disney-Klassikers «Mulan».

«Ein massives Kinosterben ist je nach Dauer des Ausnahmezustandes sehr wahrscheinlich und würde fatale kulturelle und wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen», heißt es in dem HDF-Papier. Der Verband forderte die Bundesregierung auf, einen millionenschweren Stabilisierungsfonds einzurichten, der Zuschüsse von mehr als vier Euro pro ausgefallenem Besucher vorsehen soll.

Auch die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) fordert einen Hilfsfonds - für die gesamte Filmbranche. Auch Dreharbeiten sind zum Beispiel unterbrochen. Der «globale Shutdown» könne für die Filmwirtschaft besonders einschneidende Folgen haben, erklärte die Organisation in einem Papier. Die Programme von Bund und Ländern seien der richtige Ansatz, reichten aber nicht aus.

In den Kinos arbeiten auch viele Aushilfen. Rund 15.000 von etwa 25.000 Mitarbeitern seien geringfügig Beschäftigte, teilte der HDF mit. Es müsse möglich sein, auch für Minijobber und studentische Aushilfen das Kurzarbeitergeld oder andere Entschädigungen zu beantragen.

Ähnlich sieht das der Verband der Arthouse-Kinos. «Wir können die Leute doch nicht hängen lassen», sagte Christian Bräuer von der AG Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater. In seinen Berliner Kinos arbeiteten viele Studenten, die eben auch ihre Mieten zahlen müssten. Aus Sicht von Bräuer benötigt zudem vor allem der Mittelstand in dieser Situation mehr finanzielle Zuschüsse.

Anfang März hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) das «Zukunftsprogramm Kino» gestartet, mit dessen Hilfe zum Beispiel Kinos auf dem Land ihre Technik modernisieren können. Der HDF forderte, das Programm nun umzuwidmen und von 17 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro aufzustocken. Aus Sicht des Arthouse-Kinoverbands ist es wichtig, dass der Schwerpunkt des Programms weiter auf Programmkinos und ländlichen Kinos liegt.

Nachrichten-Ticker