Olivia de Havilland gestorben
Filmbranche trauert um Hollywood-Legende

Als Melanie Hamilton in «Vom Winde verweht» war Olivia de Havilland weltberühmt - nun starb die Oscar-Gewinnerin in Paris. Hollywood trauert um die «Unvergessliche».

Montag, 27.07.2020, 14:23 Uhr
Schauspielerin Olivia de Havilland hat auf dem Hollywood Walk of Fame einen Stern.
Schauspielerin Olivia de Havilland hat auf dem Hollywood Walk of Fame einen Stern. Foto: Ringo Chiu

Los Angeles/Paris (dpa) - Nach dem Tod von Olivia de Havilland trauert die Filmbranche um die Oscar-Gewinnerin. 

«Sie wusste, wie man lebt und wurde von allen geliebt», würdigte sie die Schauspielerin Mia Farrow auf Twitter. «In Filmen war sie einfach wunderbar und eine unvergessliche Melanie in "Vom Winde verweht"». 

Der Schauspieler und Oscar-Gewinner Jared Leto schrieb: «Olivia hat mein Leben stark beeinflusst und ich hatte das Vergnügen, einige Zeit mit ihr in Paris zu verbringen.» Leto dankte ihr für ihre Tapferkeit und beschrieb ihre Briefe an ihn als «liebevoll und aufmerksam». Der spanische Schauspieler Antonio Banderas bezeichnete De Havilland als «große Ikone».

Die Filmlegende starb am Sonntag in Paris mit 104 Jahren eines natürlichen Todes, wie ihre Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Bekannt war De Havilland für ihre Rolle als Melanie Hamilton im Südstaatenepos «Vom Winde verweht» (1939).

Die französische Kulturministerin Roselyne Bachelot erinnerte daran, dass Olivia de Havilland 1965 die erste Frau gewesen sei, die die Jury des weltberühmten Filmfestivals von Cannes geleitet habe. Die Oscarpreisträgerin sei eine charakterstarke Frau gewesen, hob Bachelot vor.

In den 1930er und 1940er habe sie sich Filmstudios widersetzt und sei sogar rechtlich gegen diese vorgegangen, so Bachelot weiter. Dies habe dazu beitragen, die Rechte von Schauspielerinnen und Schauspielern zu stärken. De Havilland habe als eine «der letzten lebenden Legenden von Hollywoods Glanzzeit» gegolten, so die Ressortchefin.

Als Kind britischer Eltern in Tokio geboren, zog Olivia de Havilland noch als Kleinkind nach Kalifornien. Der österreichische Theatermann Max Reinhardt entdeckte die 19-Jährige in der Rolle der Hermia von Shakespeares «Sommernachtstraum». Das Filmstudio Warner Brothers nahm sie gleich für sieben Jahre unter Vertrag und brachte sie an der Seite von Errol Flynn groß heraus. Acht Filme drehte sie mit dem Herzensbrecher.

1946 gewann sie ihren ersten Oscar in der Hauptrolle von «To Each His Own». Der Film lief in Deutschland unter dem Titel «Mutterherz». Drei Jahre später kam die Auszeichnung als beste Schauspielerin in William Wylers «The Heiress» (Die Erbin).

Viel Anerkennung wurde ihr auch als neurotische Exzentrikerin in «Der dunkle Spiegel» und «Die Schlangengrube» zuteil. Daphne du Maurier schlug sie 1952 für die Hauptrolle in der Verfilmung ihres Romans «Meine Cousine Rachel» vor. Das Stück wurde ein weltweiter Erfolg. Mit ihrer langjährigen Freundin Bette Davis spielte sie in «Wiegenlied für eine Leiche».

Aus der Ehe mit dem Schriftsteller Marcus Goodrich (1946 bis 1953) ging der Sohn Benjamin hervor. In Paris heiratete de Havilland den Journalisten Pierre Paul Galante und hatte die Tochter Gisèle mit ihm. Auch diese Ehe zerbrach. Gerüchte über eine Affäre mit dem früheren britischen Premierminister Edward Heath wurden indes nie bestätigt.

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