The Photograph
Das Bild der Mutter als Scharnierstelle

Das romantische Drama mit den Serien-Stars Issa Rae und LaKeith Stanfield erzählt davon, wie junge erfolgreiche Menschen den Weg zwischen Liebe und Beruf zu finden hoffen – aus selbstbewusst afroamerikanischer Perspektive.

Donnerstag, 10.09.2020, 12:58 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 15:13 Uhr
Michael und Mae (LaKeith Stanfield
Michael und Mae (LaKeith Stanfield Foto: Universal

New York, heute: Eine junge Museumskuratorin lernt einen Reporter kennen, beide kommen sich näher und sind füreinander bestimmt. Doch der Reporter verheimlicht der Geliebten, dass er schon eine Stelle im fernen London angenommen hat.

Louisiana, in den frühen Achtzigern: Eine junge Frau lernt einen Fischer kennen, beide kommen sich näher und sind füreinander bestimmt. Doch die Frau verheimlicht dem Geliebten, dass sie im fernen New York ein ganz anderes Leben beginnen möchte.

Das romantische Drama „The Photograph“ parallelisiert diese beiden Lebensläufe, blendet von der einen Zeitebene immer wieder auf die andere zurück, und als wären die Ähnlichkeiten nicht schon offenkundig genug, hält das Drehbuch jede Menge Berührungspunkte bereit: Die junge Christina aus Louisiana (Chanté Adams), eine inzwischen verstorbene Fotografin, war die Mutter der jungen Kuratorin Mae; Reporter Michael tritt in Maes Leben, weil er Christinas Lebensgeschichte für einen Artikel recherchiert – ausgelöst durch ein Foto, das sich als Scharnierstelle der Erzählung erweist. Am Ende der Geschichte, das ist in Filmen dieser Art unabdingbar, lernt Mae eine wichtige Lektion aus der Gegenüberstellung ihres eigenen Lebens mit demjenigen ihrer Mutter.

Bewertung

The Photograph: 3 von 5 Sterne

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Trotz der Konstruiertheit des Plots und der glatten Inszenierung verzichtet Regisseurin Stella Meghie auf jenen Schnulz, den sie ihrer Teenieschmonzette „Du neben mir“ zuletzt noch hemmungslos bediente. Im Gegenteil, begleitet vom Soundtrack des Jazz-Pianisten Robert Glasper kommt die zentrale Romanze in „The Photograph“ so erwachsen daher wie derzeit wenig anderes im Kino. Als Mae und Michael haben Issa Rae und LaKeith Stanfield geradezu ideale Chemie. Beide sind vor allem aus den stilbildenden Serien „Insecure“ und „Atlanta“ bekannt und demonstrieren hier beispielhaft das neue Selbstverständnis des afroamerikanischen Kinos: Das muss inzwischen nicht mehr nur die üblichen Drogengangsterstorys wiederholen, es darf auch wohltemperierte Liebesgeschichten aus dem Mittelstandsmilieu erzählen.

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